Vom Lokführer bis zum Schuhputzer: Neue Großgewerkschaft "Vida" ist gegründet

Fusion vollzogen - Fischer: Tolle Perspektiven

Der ÖGB verfügt nur noch über neun Teilgewerkschaften. Eisenbahner, Handel/Transport/Verkehr (HTV) und Hotel/Gastronomie/Persönliche Dienstleistungen (HGPD) schlossen sich auf ihrem ersten gemeinsamen Gewerkschaftstag zur Großgewerkschaft VIDA zusammen. Nach der Annahme des Projekts durch die Delegierten unterzeichneten die Vorsitzenden, Wilhelm Haberzettl (Bahn), Willibald Steinkellner (HTV) und Rudals Kaske (HGPD) feierlich eine große Gründungsurkunde.

Erster Vorsitzender wird der bisherige HGPD-Chef Kaske. Er stellt sich als einziger Kandidat der Wahl. In der VIDA sind in etwa 170.000 Mitglieder repräsentiert, womit man auf Platz vier im internen Gewerkschaftsranking liegt. Das zu betreuende Feld reicht von Krankenschwestern über Köche und Friseure bis hin zu Piloten und Lokomotivführern. Wohl angesichts dieser Vielfalt meinte dann auch Bundespräsident Heinz Fischer in seinem Gastreferat, dass die Gemeinsamkeit der vertretenen Gruppen vielleicht nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sei.

Ungeachtet dessen fand das Staatsoberhaupt sehr freundliche Worte für die Neugründung. Er sehe eine "schöne, tolle Perspektive" für die VIDA. In einem für den ÖGB ereignissreichen Jahr mit Rückschlagen und Enttäuschungen sei die neue Gewerkschaft eine der Chancen, die ergriffen worden seien.

ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer zeigte sich erfreut, dass sich die Fusionsgewerkschaft trotz aller Schwierigkeiten rundherum nicht beirren habe lassen. Die VIDA stelle eine Antwort auf die Herausforderungen der modernen Wirtschafts- und Arbeitswelt dar. Der heutige Tag sei ein historischer für den ÖGB.

Von den Vorsitzenden der Fusionsgewerkschaften meldete sich nur der bisherige Eisenbahnerchef Haberzettl ein wenig länger zu Wort. Er gestand ein, dass er sich ursprünglich ein noch größeres Projekt vorstellen hätte können. Die VIDA sei letztlich das Projekt, das "machbar" gewesen sei. Haberzettls Verzicht auf den Vorsitz gilt einerseits als Geste an die beiden kleineren Fusionsgewerkschaften, andererseits steht er im Zusammenhang mit der SPÖ-internen Festlegung, wonach die Vorsitzenden von Teilgewerkschaften nicht mehr im Nationalrat vertreten sein sollen.

Was auch in der neuen Gewerkschaft bleibt, ist die Dominanz der Sozialdemokraten. Das lässt sich allein schon daran ablesen, dass bei den im Saal projizierten Kandidatenlisten für die unterschiedlichsten Gremien jeweils nur bei den Vertretern der Minderheitsfraktionen deren jeweilige Zugehörigkeit eingeblendet wurde. So ist auch im VIDA-Präsidium von acht Mitgliedern nur einer den Christgewerkschaftern zuzuordnen, der Rest der Plätze geht an die FSG. Vorreiter ist die VIDA bezüglich einer stärkeren Repräsentanz der Frauen. Beide Geschlechter müssen in allen Gremien entsprechend ihrer Mitgliederzahl vertreten sein, nimmt man einen Grundsatzbeschluss des ÖGB schon vorweg.

(apa/red)