Vom Klassiker zur Tempobolzerei: Heftige Kritik der Läufer am Slalom von Kitzbühel

Ligety: "Vom härtesten zum einfachsten Slalom" Palander: "Eine Schande". Rennleitung verteidigt sich

Vom Klassiker zur Tempobolzerei: Heftige Kritik der Läufer am Slalom von Kitzbühel © Bild: APA/Fohringer

Wie bereits 2007 findet auch am Sonntag der Kitzbühel-Slalom nicht mehr auf dem klassischen Ganslernhang statt. Eine Kurs-Änderung, die bei den Athleten auf wenig bis gar keine Gegenliebe stößt. Die Kitzbüheler wehren sich zwar vehement gegen den Vorwurf des Traditionsbruchs, doch die Meinung der Slalom-Artisten ist mehr als eindeutig.

"Früher war Kitzbühel einer der härtesten Slaloms der Welt, jetzt ist er einer der einfachsten", sagte etwa der US-Amerikaner Ted Ligety über den Kurs, der nur ganz oben über den Ganslernhang führt und im Zielstadion der Abfahrt endet.

Genau das meinte auch der Finne Kalle Palander, Kitz-Sieger 2003 und 2004. "Es ist eine Schande, dass man bei einem Klassiker den leichtesten Slalom im gesamten Winter fährt. Man musste das Rennen früher immer taktisch anlegen, mit Kopf fahren. Jetzt ist es so flach, dass man nur noch runter fahren braucht", ärgerte sich der Finne, der hofft, dass es schon bald wieder einen Rückzieher der Kitzbüheler und ein Comeback auf dem Ganslern gibt. "Ich hoffe, dass sie das wieder ändern."

"Kitz nimmt sich Tradition"
Bode Miller hatte bereits die Präparierung der Abfahrtsstrecke hart kritisiert, und auch über die Umgestaltung der Slalomstrecke hat der US-Boy eine ganz klare Ansicht. "Ich bin kein Unterstützer des neuen Kurses. Damit nimmt sich Kitz wieder ein Stück Tradition und Geschichte. Kitz ist deshalb Kult, weil jahrzehntelang alles beim Alten war, doch in den vergangenen vier, fünf Jahren wurde einfach viel zu viel verändert."

Rennleiter Peter Obernauer konterte die Attacken Millers folgendermaßen: "Miller sollte froh sein, dass der Slalom ein wenig leichter ist, denn von den vergangenen 20 Slaloms ist er eh nur einmal ins Ziel gekommen." Die Kitzbüheler verteidigen die Entscheidung vehement. Einerseits hätten die Slalomläufer durch das große Zielstadion laut Obernauer eine exakt gleiche Bühne wie die Abfahrer und wären "keine Stiefkinder mehr", und mit 17 Höhenmetern mehr und einer Fahrzeit von mehr als 50 Sekunden sei der Slalom "richtig Weltcup-tauglich".

"Hat einen ganz eigenen Charakter"
"Auch dieser Slalom wird sich im Weltcup als ganz spezieller Slalom etablieren. Er hat einen ganz eigenen Charakter. Oben schwierig und unten flach, aber keinesfalls einfach. Vor einem Jahr hat es unten mehr Ausfälle gegeben als oben", will Obernauer den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Die Kritik der Österreicher fällt dezenter aus, ist aber ebenfalls nicht zu überhören. "Sicher ist es schade, weil der Ganslernhang schwierig und spektakulär war. Der Slalom ist jetzt leichter, das muss nicht positiv für mich sein", meinte etwa Benjamin Raich, Kitz-Slalom-Sieger 2001. Und Mario Matt, der den Slalom 2000 gewann, ergänzte: "Jetzt ist es mehr eine Bolzerei. Der alte Hang hatte schon etwas ganz Spezielles, auch durch die kurze Bergaufpassage im zweiten Durchgang."

Auch für Rainer Schönfelder war "die alte Strecke natürlich besser, weil sie legendär und schön war". Der Deutsche Felix Neureuther sieht es ähnlich. "Punkto Tradition ist das schon schade, wenn so etwas verloren geht. Das ist mehr ein reines Gebolze, früher musste man taktisch sehr klug fahren."

Ehn blutet das Herz
Dem langjährigen ÖSV-Technikchef Gert Ehn blutet das Herz. "Der Ganslernhang war ein Klassiker mit allen Facetten. Und wir Österreicher waren dort immer stark, weil sich dort die komplettesten Läufer durchgesetzt haben. Jetzt ist es eine Tempobolzerei", so der Steirer, der folgenden Vergleich anstellte: "Früher war es wie, wenn man auf einer Landstraße schnell unterwegs ist. Jetzt ist es eine Autobahn."

Auch Ehn hofft, dass es in Zukunft wieder die alte Streckenführung geben wird. "Ich hoffe, dass sich die Kitzbüheler der Besonderheiten des Ganslernhanges besinnen und es eine Rückkehr gibt." Doch Rennleiter Obernauer machte klar: "Eine Rückkehr auf den Ganslern ist nicht sehr wahrscheinlich."

(apa/red)