Vom Kanzler zum Medienkaiser: Schüssel sticht im Medien-Ranking alle anderen aus!

Niemand kam 2006 öfter in Österreichs Medien vor Gusenbauer & Haider folgen auf den Stockerlplätzen

Auch wenn sich die Amtszeit von Bundeskanzler Schüssel langsam ihrem Ende zuneigen könnte: Im Jahr 2006 war der ÖVP-Chef in aller Munde. Im Politikerranking, das die Medienpräsenz österreichischer Spitzenpolitiker untersuchte, nimmt er den ersten Platz ein. Neu unter den Top 3: SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer. Auch Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, in den vergangenen Jahren an der Spitze, kommt im Ranking 2006 auf's Stockerl.

Im Auftrag von APA-OTS zieht das MediaWatch-Institut Bilanz über die Medienpräsenz der dreißig meist genannten Politikerinnen und Politiker in Österreichs Tageszeitungen im Jahr 2006. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 1. Jänner bis 20. Dezember 2006.

Kanzler ganz oben
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel übernimmt mit 30.578 Nennungen klar die Führung im Jahresranking. Schüssel kann sich mit einer Reihe von Themen stark in der medialen Öffentlichkeit positionieren: Vor allem durch die verlorenen Nationalratswahlen im Oktober und die vorangegangene Wahlkampfberichterstattung, welche Schüssel mit dem Streitthema "Pflegenotstand" auch privat betroffen hatte, erreichte der Kanzler eine starke mediale Resonanz. Schüssels Präsenz in den österreichischen Tageszeitungen zeigt sich zudem von den darauf folgenden Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ beeinflusst. Doch auch in der ersten Hälfte des Jahres 2006 erhielt der Bundeskanzler im Zusammenhang mit dem Bawag/ÖGB-Skandal, der EU-Ratspräsidentschaft und der Ortstafel-Kontroverse ein Gros der medialen Aufmerksamkeit.

Gusenbauer profitiert von SPÖ-Wahlsieg
Den zweiten Rang belegt SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mit 22.951 Nennungen. Mediale Schwerpunkte des SP-Obmanns stellten vor allem der überraschende Wahlsieg der SPÖ mit einem Regierungsauftrag an Gusenbauer und den laufenden Koalitionsverhandlungen als Folge dar. Gusenbauer positionierte sich zudem stark mit dem Top-Thema Bawag/ÖGB-Skandal und seiner Wiederwahl als SPÖ-Chef in den Medien.

Jörg Haider, der in den Jahren 2003 bis 2005 stets die Spitze des Rankings belegte, wurde im heurigen Jahr von den beiden Protagonisten Schüssel und Gusenbauer auf Rang drei verdrängt und weist 22.630 Nennungen auf. In den Medien war der BZÖ-Gründer besonders aufgrund des fortlaufenden Ortstafel-Konfliktes präsent. Auch sein Rückzug aus der BZÖ-Chefetage und die NR-Wahlen im Herbst generierten eine starke Medienpräsenz für Jörg Haider.

Grasser "nur" auf Platz 4
Finanzminister Karl-Heinz Grasser rangiert, wie schon im Jahr 2005, auf dem vierten Rang (14.112 Nennungen). Der Minister gelangte vor allem mit der Untersuchungsausschuss-Thematik, den NR-Wahlen und Koalitionsverhandlungen, dem umstrittenen Yacht-Ausflug sowie den Problemen rund um seinen Umzug nach Kitzbühel in das Rampenlicht der Medien.

Auch auf dem fünften Rang ändert sich mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache (9.778 Nennungen, Top-Themen: FPÖ-Volksbegehren, Streichung der FP-Fördergelder, Wahlkampf- und Ergebnis) zum Vorjahr nichts. Für die Grünen ist erneut Parteivorsitzender Alexander Van der Bellen mit 4.817 Nennungen auf Rang 15 vertreten (Top-Themen: Wiederwahl zum grünen Bundessprecher, NR-Wahl). Als bestplatzierte Frau im Top-30 Ranking konnte sich Bildungsministerin Elisabeth Gehrer positionieren, die mit 6.428 Nennungen auf Rang neun liegt. Gehrer erzeugte hauptsächlich mit ihrer Rücktrittserklärung, der Elite-Uni in Gugging und der allgemeinen Kritik an der Bildungspolitik ein großes mediales Echo. Insgesamt sind wie im letzten Jahr sieben Politikerinnen in den Top-30 vertreten.

Die ÖVP stellt mit zwölf Politikern die eindeutig stärkste Partei im Ranking des Jahres 2006 dar. Die SPÖ folgt mit fünf, das BZÖ mit vier Vertretern. FPÖ und Grüne sind mit jeweils einem Akteur vertreten. Weiters finden sich im Ranking die parteilosen Politiker Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Bundespräsident Heinz Fischer (Rang sieben, 7.981 Nennungen) und Justizministerin Karin Gastinger (Rang 17, 4.445 Nennungen) sowie ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer (Rang zwölf, 5.950 Nennungen), der EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin (Rang 18, 4.142 Nennungen), WKÖ-Chef Christoph Leitl (Rang 20, 3.863 Nennungen) und Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch (Rang 25, 3.402 Nennungen).

(red)