"Vom Bohrloch bis zur Steckdose": Fusion
von OMV und Verbund nimmt Konturen an

Vollfusion '07 abgeschlossen - Stromlösung integriert PLUS: Reaktionen und Hintergrund-Infos zum Deal

"Vom Bohrloch bis zur Steckdose": Fusion
von OMV und Verbund nimmt Konturen an

Mit der geplanten Fusion von OMV und Verbund zum mit Abstand größten Unternehmen Österreichs werden künftig Öl, Gas und Strom aus einer Hand angeboten. Der Zusammenschluss ist als "einmalige Chance" für die weitere Expansion im stark wachsenden Mittelost- und Südosteuropäischen Raum, betonten OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer und Verbund-Chef Hans Haider. Es gehe darum, Energie "vom Bohrloch bis zur Steckdose" abzudecken und "1 und 1 soll hier 3 sein". Wir glauben, dass wir damit Shareholder Value schaffen", so Ruttenstorfer. Die Gefahr einer Übernahme des neuen Konzerns wird als gering eingeschätzt. An der Wiener Börse sind die Kurse der beiden börsenotierten Unternehmen deutlich gestiegen.

Der geplante Merger of Equals eröffne Möglichkeiten, die man alleine nicht gehabt habe, betonte Verbund-Chef Hans Haider, der 64 wurde und den Deal quasi als "Geburtstagsgeschenk" verkünden konnte. Haider und Ruttenstorfer werden den neuen Energiekonzern gemeinsam als Co-Chefs leiten. Insgesamt wird der Vorstand des Unternehmens aus sieben Personen, den bisherigen Vorständen von Verbund und OMV bestehen. Die geplante Fusion ist mit einem Transaktionsvolumen von rund 13 Mrd. Euro die bisher mit Abstand größte in Österreich.

Vor allem im Gasgeschäft wird viel Phantasie gesehen, die OMV gewinne einen neuen Großabnehmer, der Verbund könne seine geplante Forcierung von Gaskraftwerken vornehmen und habe für den Rohstoff den Lieferanten. Für den OMV-Chef ist das Zusammenwachsen des Strom- und Gasmarktes das Hauptargument für die Fusion. Dazu komme mit dem stark in der Stromerzeugung aus Wasserkraft engagierten Verbundgesellschaft die Kombination mit der Nachhaltigkeit. An Synergien werden mindestens 100 Mio. Euro pro Jahr erwartet, weniger bei den Kosten als vielmehr auf der Umsatz- und Ertragsseite.

Zusammenschluss im Verhältnis 60:40
Die Fusion soll im Verhältnis 60:40 erfolgen. In einem ersten Schritt wird die OMV, die derzeit zu 31,5 Prozent der Staatsholding ÖIAG gehört, den momentan zu 51 Prozent im Besitz der Republik Österreich stehenden Verbund übernehmen. Die Vollfusion der beiden Unternehmen wird für 2007 erwartet.

Den Verbund-Aktionären werden von der OMV 425 Euro (bzw. 42,5 Euro nach dem Aktiensplitt) angeboten. Alternativ können sie auch 6,5 (bzw. 0,65) neu auszugebende "OMV Verbund AG"-Aktien tauschen. Die gebotenen 425 Euro je Aktie liegen um 20 Prozent über dem Durchschnittskurs der letzten sechs Monate.

Sperrminorität von 25 % und einer Aktie gefordert
Der Verbund-Anteil der Republik Österreich soll im vierten Quartal 2006 oder Anfang 2007 in die OMV Verbund Holding transferiert werden, zu der die OMV umfirmiert wird. "Bezahlen" will die OMV mit eigenen Aktien - aus einer Kapitalerhöhung - oder bis maximal zur Hälfte durch Wandelschuldverschreibungen. Diese Bonds könnte die Republik später in OMV Aktien tauschen oder sich in drei Jahren von der OMV abkaufen lassen. Um den Deal zu ermöglichen, muss die verfassungsrechtliche Bestimmung, dass die öffentliche Hand die Mehrheit am Verbund halten will, fallen. Dafür ist die Zustimmung der SPÖ nötig. SP-Finanzsprecher Christoph Matznetter will als Mindestanteil eine Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie verfassungsrechtlich fixiert haben.

Sorge um eine Übernahme machen sich die Chefs des neuen Energieriesen nicht. "Wir haben keine Angst vor einer Übernahme", sagte Ruttenstorfer. Einen guten Schutz vor einer Übernahme bietet nach Worten von Haider insbesondere eine stabile Kernaktionärsstruktur mit 45 bis 49 Prozent, die die ÖIAG und die mit ihr syndizierte IPIC aus Abu Dhabi (derzeit mit 17,6 Prozent an der OMV beteiligt) künftig halten würden.

EVN und Wien Energie sträuben sich noch
Die beiden Verbund-Großaktionäre EVN und Wien Energie, die zusammen rund 25 Prozent halten, wollen bevor sie zustimmen offenbar mehr Informationen. Die Unternehmen müssten in den nun anstehenden Gesprächen erklären, wo die Vorteile einer Fusion lägen. "Ohne unsere Zustimmung kann der Verbund nicht verschmolzen werden", so Wien Energie-Chef Michael Obentraut. Ein Vorteil an der Verschmelzung von Verbund und OMV könnte beispielsweise eine Dynamisierung bei der Österreichischen Stromlösung (ÖSL), der geplanen Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Bewag/Begas) sein.

Ein Verbund-Großaktionär ist mit 7,2 Prozent auch die Tiroler Tiwag. Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa kündigte heute an, er werde die Vorgangsweise mit den Landeshauptleuten von Wien und Niederösterreich abstimmen. Ruttenstorfer und Haider legten bei der heutigen Pressekonferenz ein klares Bekenntnis pro-Stromlösung ab. Die Verträge seien unterschriftsreif, so Haider.

Das Zusammengehen von OMV und Verbund ist keine neue Idee, aber sei nicht unbedingt schlecht, so Ruttenstorfer. Man müsse "windows of opportunity" nutzen. Die politische Grundunterstützung sei eingeholt worden. Die beiden Vorstandschefs hätten sich zum Jahreswechsel zusammengesetzt.

"Sicher der günstigste Stromerzeuger"
Bei möglichen wettbewerbsrechtlichen Auflagen werden von den Unternehmen keine großen Probleme gesehen, da die OMV bisher keinen Strom und der Verbund bisher kein Gas verkauft hat. Den Strom-Verbrauchern konnte Verbund-Chef Haider auf eine entsprechende Frage keine Verbilligung in Aussicht stellen: "Wir bewegen uns in einem europäischen Markt. Unsere Aktionäre würden uns steinigen, wenn wir unsere Ware verschenken." Allerdings sei man künftig "sicher der günstigste Stromerzeuger", und "auch bei Gas werden wir der kostengünstigste Erzeuger sein können".

OMV-Aktien stiegen an der Wiener Börse, nachdem sie an den Tagen zuvor insgesamt um mehr als 10 Prozent gefallen waren. Der Kurs lag mit 51,45 Euro je Aktie um 2,9 Prozent über Vortagesschluss. Die Verbund-Aktie legte um 5,48 Prozent auf 416,12 Euro zu.

(apa/red)