Vom Bestgehassten zum Vielgeliebten:
Thomas Bernhard wäre 80 Jahre geworden

Autor im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen Galerie Westlicht hat ihm eigene Fotoschau gewidmet

Zwei Jahre nach den Gedenkfeiern zu seinem 20. Todestag ist es nun der 80. Geburtstag, den Thomas Bernhard am 9. Februar gefeiert hätte, der den österreichischen Dichter wieder in den Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen rückt. Und immer stärker wird der Eindruck: Je länger sein Leben zurückliegt, desto inniger wird er auch von jenen ins Herz geschlossen, die früher gegen ihn gehetzt haben bzw. Objekte seiner pointierten literarischen Angriffe wurden. Der Unbequeme ist ein Unvergessener geworden, der Bestgehasste ein Vielgeliebter.

Vom Bestgehassten zum Vielgeliebten:
Thomas Bernhard wäre 80 Jahre geworden

Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 in einem Heim für ledige Mütter im holländischen Heerlen geboren - was laut Bernhard Minister Piffl-Percevic bei der Staatspreis-Verleihung zur fälschlichen Behauptung gebracht hatte, er sei "ein in Holland geborener Ausländer". Dabei war seine Mutter Herta Bernhard extra vorübergehend nach Holland übersiedelt, um dem Gerede der Leute zu entkommen, aber auch der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen. Bereits nach wenigen Monaten kam der Bub zu den Großeltern in Wien in Pflege. Im Frühjahr 1935 übersiedelte er mit ihnen nach Seekirchen am Wallersee. Seinen Vater, der 1940 starb, lernte er nie kennen.

Traumatische Kindheit in Büchern verarbeitet
Die traumatische Kindheit findet später in seinen fünf autobiografischen Büchern ("Die Ursache. Eine Andeutung", "Der Keller. Eine Entziehung", "Der Atem. Eine Entscheidung", "Die Kälte. Eine Entziehung", "Ein Kind") ihren Niederschlag. 1948 begann die Krankengeschichte Thomas Bernhards mit einer Erkältung. Er wurde mit Lungenentzündung in das gleiche Spital eingeliefert, in dem auch sein geliebter Großvater, der Dichter Johannes Freumbichler, lag und später starb. Für den Enkel begannen langwierige Aufenthalte in Krankenhäusern und Lungenheilstätten, eine Lungentuberkulose kam hinzu. Später war es eine Immunerkrankung, die in Bernhards letztem Lebensjahrzehnt eine starke Medikamentation notwendig machte.

1957 schloss er ein Regiestudium am Mozarteum erfolgreich ab und verbrachte in den Folgejahren im Kreise anderer junger Künstler viel Zeit am Kärntner "Tonhof" des Ehepaars Lampersberg. Sein erster publizierter Roman, "Frost", brachte 1963 den Umschwung. Er wurde von dem renommierten deutschen Insel Verlag angenommen und ein durchschlagender Erfolg. Dies ermöglichte ihm den Kauf des Vierkanthofes in Ohlsdorf, in dem der aus ärmlichen Verhältnissen Stammende nach eigenem Geschmack eine herrschaftliche Existenz simulierte.

Eklat bei Staatspreisverleihung 1986
Sein zweiter Roman "Verstörung" und der Eklat bei der Staatspreisverleihung 1968 festigten nachhaltig Thomas Bernhards Ruf. 1970 begann mit der Uraufführung seines ersten Stückes "Ein Fest für Boris" in Hamburg die kontinuierliche Theaterarbeit Bernhards, die 18 abendfüllende Stücke und einige Dramolette hervorbrachte, sowie seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Regisseur Claus Peymann. Sein Sinn für das Theatralische ließ den studierten Regisseur Bernhard 1972 nicht nur den Salzburger "Notlichtskandal" entfachen, sondern auch zwei Jahre später mit Unterrichtsminister Fred Sinowatz über die Burgtheaterdirektion verhandeln.

Die 70er und die erste Hälfte der 80er Jahre waren ungemein produktive Schaffensjahre, in denen ein gewaltiges Werk entstand, das in den Romanen "Alte Meister" und "Auslöschung" sowie in den Dramen "Der Theatermacher" und "Heldenplatz" gipfelte. Nach dem Tod seines "Lebensmenschen" Hedwig Stavianicek 1984 kämpfte Thomas Bernhard zunehmend mit schweren gesundheitlichen Problemen.

Erregung um "Heldenplatz"-Premiere
1984 war auch das Jahr der Aufregungen um seinen Roman "Holzfällen. Eine Erregung", in dem sich das Ehepaar Lampersberg wiedererkannte. Lampersberg ging gerichtlich gegen die Verbreitung des Buches vor, das daraufhin konfisziert wurde. Vier Jahre später gingen im Zuge der "Heldenplatz"-Premiere am Burgtheater erneut die Wogen hoch. Die Uraufführung des Stückes am 4. November 1988 wurde zu einem Triumph für Bernhard und Peymann.

Thomas Bernhard starb am Morgen des 12. Februar 1989 in Gmunden und wurde vier Tage später im engsten Familienkreis am Grinzinger Friedhof beigesetzt. Erst danach wurde die Öffentlichkeit informiert. In seinem Testament verbat er sich jede Vereinnahmung durch den österreichischen Staat und untersagte Aufführung und Publikation seines Werkes in Österreich. Beides wird heute weitgehend ignoriert. Heute gilt er als einer der größten Autoren, die dieses Land je hervorgebracht hat.

Fotoschau in der Galerie Westlicht
120 Mal Thomas Bernhard in Schwarz-Weiß: Aus Anlass des 80. Geburtstags des Schriftstellers steht auch die Wiener Galerie Westlicht nicht an, dem 1989 verstorbenen Autor eine eigene Ausstellung zu widmen, die letzten Donnerstag eröffnet wurde. Zu sehen sind 120 Aufnahmen Bernhards aus den letzten 25 Jahren seines Lebens. "Ich möchte auch gar nicht, dass alles, was mit mir zusammenhängt, überhaupt bestehen bleibt, hab' überhaupt kein Interesse daran, nur es könnte sein, dass es meinen Sachen eher widerfährt", lautet im Bernhard'schen Diktum das passende Motto über der Schau.

Auch im Radio und Fernsehen wird Thomas Bernhard ein Schwerpunkt gewidmet. FM4 etwa spielt am 9. Februar den ganzen Tag über quer durchs Programm Spots mit Bezug zu seinem Schaffen und Leben, Ö1 widmet dem toten Literaten mehrere Sendungen. Auch der ORF, TW1 und 3sat widmen dem Literaten zahlreiche Sendungen.

(apa/red)