Vollkornbrot statt Sushi: Langstreckler Günther Weidlinger misstraut Japans Küche

Sein Ziel ist das WM-Finale über 3000 Meter Hindernis Ohne Akklimatisierung, mit Höhentraining nach Osaka

 Vollkornbrot statt Sushi: Langstreckler Günther Weidlinger misstraut Japans Küche

Das letzte Training vor dem Abflug hat er abgebrochen, nachdem ein paar Hürden geflogen waren. Aber eine verpatzte Generalprobe hat noch niemanden aus der Ruhe gebracht. 3000-Meter-Hindernisläufer Günther Weidlinger, am Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Osaka als zweiter der drei Österreicher im Einsatz, will in Japan ins Finale kommen. Zusätzlich möchte der Oberösterreicher auch schon die klimatischen Bedingungen für Olympia 2008 in Peking testen. Gespannt ist er außerdem auf die Auswirkungen seines Höhentrainingslagers - und ob die kurze Akklimatisierungszeit im heißen Osaka im Gegensatz zu anderslautenden Meinungen richtig eingeplant war.

Österreichs derzeitiger Parade-Langstreckenläufer ist am Donnerstag schon vor sechs Uhr aufgestanden, kurz gelaufen, und nach dem Frühstück nach München aufgebrochen. Von dort ging es für ihn mit dem Flieger in den Norden, nach Helsinki - die WM-Stadt von 2005. "Dort habe ich drei Stunden Aufenthalt gehabt und ein bisschen trainiert", erzählte er der APA. Um 17:20 Uhr hob das Flugzeug in Richtung Japan ab, die Ankunft war für Freitag 8:45 Uhr Ortszeit geplant. Danach hatte der Oberösterreicher knapp zwei Tage Zeit, sich auf seinen Start am Sonntag um 10 Uhr Ortszeit (3 Uhr MESZ) vorzubereiten.

Fehlende Akklimatisierung als Risiko?
Die kurzfristige Anreise wurde den ÖLV-Athleten von Teamarzt Alfred Engel nahe gelegt - bei Rekordhitze in Japan mit Temperaturen über 40 Grad scheint dies nachvollziehbar! "Ich habe mich da voll auf ihn verlassen. Aber alle, mit denen ich geredet habe, haben mir gesagt, wir sind verrückt. Ich habe auch mit den österreichischen Judoka geredet, die viel in Japan trainieren - sie haben gemeint, das geht ja gar nicht!", berichtete Weidlinger, der viele Athleten kennt, die seit längerer Zeit im Kaiserreich zur Akklimatisierung sind. "Wenn ich aber jetzt vom heißesten Sommer seit 70 Jahren lese, dann bin ich froh, dass ich noch zu Hause trainieren und die letzten Belastungen habe machen können."

Für den 29-jährigen EM-Siebenten von 2006 in Göteborg ist es die erste Asienreise seines Lebens. "Meine weiteste Destination im Osten ist Moskau für die Hallen-WM 2006 gewesen (3.000 m/Zehnter/Anm). Ich freue mich auch deshalb auf diese WM."

"Notfalls koche ich selbst."
Dem Nationalgericht Sushi kann er nichts abgewinnen, er hat seinen Notfallproviant im Gepäck. "Vor einem Rennen passe ich sowieso immer auf, was ich esse. Ich habe Nutella, Vollkornbrot und meinen eigenen Wasserkocher mit. Also wenn ich nichts anderes kriege, koche ich einfach selbst."

Mit Bekömmlichem im Magen läuft es sich besser, vielleicht auch schneller. Eine zuletzt aufgetretene Verspannung im Rückenbereich wurde vom Physiotherapeuten behandelt. "Er hat mich wieder richtig eingerenkt und durchmassiert, jetzt passt es wieder", freut sich Weidlinger. Die Beine fühlen sich gut an, das Überstehen des Vorlaufes ("Davor bin ich nervöser als vor dem Finale, am liebsten wären mir Einzelzeitrennen.") ist das erste Ziel. Nach einem Blick auf die Entry List meinte er: "Ich werde so elf, zwölf sein". Die Saisonbestleistung des Oberösterreichers liegt bei 8:15,35 Minuten. Der Jahresschnellste Paul Kipsiele Koech (7:59,42 ) ist nicht am Start (er hat die kenianische Ausscheidung verpasst). "Günther hat eine klare Finalchance", weiß auch ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber.

Ungeachtet des WM-Ausgangs steht der nächste Fixpunkt bereits fest, Weidlinger hat am Donnerstag seine Teilnahme am Linzer Gugl-Meeting (11.8.) zugesagt. (APA/red)