Vollgas mit Hochspannung: Autobranche setzt zunehmend auf Elektronikantriebe

NEWS: Wie wir in Zukunft unbeschwert Autofahren Das Auto der Zukunft: Vom Hybrid zum Elektromobil

Die Zukunft des Autos ist rot, offen und blitzschnell. Und sie hat schon begonnen. Denn das Auto der Zukunft raucht nicht, stinkt nicht und verbrennt auch kein sauteures Benzin. Es fährt nämlich mit Strom, sind sich die Bosse der führenden Automobilmarken ausnahmsweise einmal einig. Umso beschämender, dass das erste am Markt befindliche Elektroauto nicht von Mercedes oder VW, ja nicht einmal von Toyota stammt. Nein, der Elektro-Debütant im Straßenverkehr ist ein Tesla und kommt aus dem momentan öko-verrückten Kalifornien.

Vollgas mit Hochspannung: Autobranche setzt zunehmend auf Elektronikantriebe © Bild: Tesla

Noch vor kurzem war das Szenario ein anderes. Denn zu Jahresbeginn glaubten die Autofirmenchefs, allen voran Mercedes-Boss Dieter Zetsche und VW-Lenker Martin Winterkorn, dass der Diesel seinen Siegeszug in Kalifornien - und damit in ganz Amerika - antreten werde. Aber die Finanzkrise hat den Amerikanern zuerst die Lust am Neuwagenkauf verdorben, und die immensen Kosten für schwefelarmen Diesel haben ihnen die Freude am "saubersten Diesel aller Zeiten" (so Mercedes-Chef Zetsche) nachhaltig genommen.

Elektroautos hingegen haben keinen Makel: Strom ist überall und ziemlich günstig zu bekommen, und das Fahren mit Elektrizität wird vor allem im Schwarzenegger-Country massiv von den Behörden gefördert.

Seine Energie schöpft der Tesla Roadster aus 6.381 Lithium-Ionen-Batterien, wie sie auch für Laptops und Handys verwendet werden. Sie sind, gut gekühlt, in einer versiegelten Box hinter den Sitzen verbaut und ermöglichen eine Wegstrecke von bis zu 400 Kilometern. Dann muss an der Steckdose getankt werden. Viel weiter kommt man in einem Lamborghini oder Ferrari im innerstädtischen Stop-and-go-Betrieb garantiert auch nicht.

Gesucht: Batterien mit Power
Trotz der beeindruckenden Fahrleistungen (220 km/h Spitze) ist der Tesla Roadster (Firmenslogan: "Burn rubber, not gasoline") also ein politisch korrektes Fortbewegungsmittel für Filmstars und Politiker. Zelluloid-Beau George Clooney etwa hat als Erster einen Kaufvertrag für einen Tesla unterschrieben. Stolzer Preis: 100.000 Dollar. Und Gouverneur Arnold Schwarzenegger war vor zwei Jahren bei der Enthüllung des Roadsters medienträchtig in Santa Monica dabei. Und Arnie ließ es sich auch jetzt nicht nehmen, der Ankündigung von Tesla Motors beizuwohnen, die den Bau einer viertürigen Limousine mit fünf Sitzen verspricht. Als sogenanntes "Zero Emission Vehicle" (kein CO2-Ausstoß) kommt das Strommobil natürlich in den Genuss der Kfz-Steuerbefreiung.

Nach dem Marketingerfolg in den USA - der Tesla ist bis 2010 bereits ausverkauft - nimmt der E-Mobil-Hersteller jetzt Europa mit einer 300-PS-Variante ins Visier. "Ab sofort können Kunden die Autos bestellen, die Auslieferung beginnt nächstes Frühjahr", verspricht ein Tesla-Verkaufsmanager vollmundig. Was er nicht sagt: Wer schnell bedient werden möchte, muss bei Vertragsabschluss 50.000 Euro anzahlen, bei Auslieferung wird nochmal so viel plus Steuern fällig.

Auch aus anderem Grunde, das ergab ein NEWS-Lokalaugenschein durch Erich Glawitza, Exrennfahrer, vor Ort, ist der Tesla noch nicht ganz Euro-fit: "Im Ansatz ist der Tesla ja eine gute Idee, aber im Detail hapert’s noch. Die Batterien haben thermische Probleme, verlieren rasend an Reichweite, wenn man andere Energieverbraucher wie etwa Heizung/Kühlung aufdreht. Und von einer seriösen Qualitätskontrolle ist der Tesla Roadster auch noch ein schönes Stück entfernt." Glawitzas Tip: "Die Amis sollten sich einen großen internationalen Autokonzern anlachen."

Problemkind Batterie
Noch immer sind die Batterien das Problemkind der elektrischen Mobilität. Kurz gesagt: Sie sind zu groß, zu schwer, zu teuer und haben dabei zu wenig Speicherkapazität. Inzwischen hat auch der US-Autoriese General Motors Gefallen am Thema Elektroauto gefunden. Bereits in zwei Jahren wollen die Amis ihren Chevrolet Volt verkaufen, der an das Thema Elektrizität anders als etwa Tesla herangeht. Der Volt fährt zwar immer elektrisch, hat aber dennoch einen (kleinen) Benzinmotor an Bord. Der springt immer dann rechtzeitig an, wenn dem Akku der Saft ausgeht. Womit wir wieder beim Thema Batterien wären. Da wollen die GM-Ingenieure so etwas wie den Stein der Weisen gefunden haben: eine Lithium-Ionen-Batterie, die kaum größer als ein Koffer ist, keine 50 Kilo wiegt, sich in kurzer Zeit aufladen lässt und eine Reichweite von rund 160 Kilometern ermöglicht.

Dicke Brummer im Out
Ausgerechnet jene Fahrzeuggattung, für die die Amis berühmt wurden, steht vor dem Niedergang. Keiner will mehr die riesigen, Sprit fressenden SUVs fahren. GM hat die Marke Hummer zugesperrt, BMW X5 und Konsorten werden mit Traumrabatten verschleudert. Den Ausweg aus der Misere soll der Hybrid-Antrieb bringen. Die Kombination aus Verbrennungs- und E-Motor soll dicken SUVs und schweren Limos bessere Trinksitten beibringen.

Die komplette Geschichte finden Sie im NEWS Nr. 32/08!