"Volle Brot-Regale bis 18 Uhr geht nicht": Jedes fünfte Brot landet in Österreich im Müll

Experten raten zu einer Reduktion des Angebotes Backbranche dementiert bekannt gewordene Zahlen

"Volle Brot-Regale bis 18 Uhr geht nicht": Jedes fünfte Brot landet in Österreich im Müll

In Österreich landen Tonnen an Brot und Gebäck auf dem Müll. Die Bäcker blieben auf bis zu 25 Prozent ihrer Produkte sitzen, jedes fünfte bis sechste Brot wird weggeworfen. Der steigende Anteil der Retourware erhöhe die Preise, erklärten Fachvertreter bei einem Kolloquium der Vereinigung der Backbranche in Zauchensee. Nur ein Bruchteil der Retourware gehe an soziale Einrichtungen.

Unterm Strich bauten Österreichs Landwirte Jahr für Jahr auf 20.000 Hektar Getreide an, das letztlich im Abfall ende, rechnete Peter Lechner von der Wiener Universität für Bodenkultur laut "Standard"-Bericht vor. Mit dem weggeworfenen Brot verpuffe ebenso viel CO2, wie jährlich 30.000 Pkw erzeugten. "Ein Viertel der Produkte wird nicht gegessen." Diese Überproduktion gehöre hinterfragt, meinte Lechner, doch der Bevölkerung fehle es an Problembewusstsein. Fraglich sei zudem, wie es sich kleine Bäcker auf Dauer leisten könnten, ihre Waren den Supermärkten auf Kommission zu liefern, die oft nur als Dekoration der Vitrine dienten.

Verteuerung des Brotes stoppen
Gelinge es, den Anteil des Altbrots innerhalb von drei Jahren zu halbieren, werde die Verteuerung des Brotes gestoppt, sagte Günther Behringer, Präsident der deutschen Bäckervereinigung, in der Zeitung. Der Konsument gehöre darüber aufgeklärt, "dass es nicht bis 18 Uhr volle Regale geben kann". Vor allem aber liege es an Handel und Produzenten, Lösungen für das Problem der Überschussproduktion zu finden. "Dafür brauchen wir endlich belastbare Daten und Ökobilanzen", fordert Lechner. Ohne die ließen sich die Verantwortlichen nicht an einen Tisch bekommen.

Backbranche dementiert
Bis zu 25 Prozent des heimischen Brotes werden nur gebacken, um jederzeit volle Regale präsentieren zu können. Das ist das Fazit der Jahrestagung der Vereinigung der Backbranche Österreichs. Dass bei Brot bei einem Viertel der Ware weggeworfen werden muss, wird von den großen Lebensmittelketten nicht bestätigt, hieß es im ORF-Radio.

Beim Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Penny) gebe es nach offiziellen Angaben etwa zehn Prozent Altbrot, auch Spar nannte ähnliche Zahlen, hieß es in dem Bericht. Als Grund wurde genannt, dass es in den Filialen Backstation gebe, in denen nach Bedarf produziert werden kann. Was nicht verkauft, aber noch gegessen werden kann, werde von beiden Konzern auch an karitative Organisationen weitergeben.

Beim Diskonter Hofer hieß es, dass man es sich gar nicht leisten könnte, ein Viertel des gelieferten Brotes wegzuwerfen. Daher werde die Ware möglichst kurzfristig bestellt, hieß es im ORF-Radio.

(apa/red)