Kritik von

Vom Schicksal verhaftet

Thomas Glavinic inszenierte sein Stück "Mugshots" im Volx/Margareten

Kritik - Vom Schicksal verhaftet © Bild: Robert Polster / Volkstheater

Dass er das Spiel mit Fiktion und Realität beherrscht, zeigte Thomas Glavinic, wenn er in seinen Romanen authentische Schriftstellerfiguren erschafft und autobiographische Nähe herstellt. Was jedoch Dichtung, was Wirklichkeit ist, bleibt am Ende einerlei, denn das Erzählte zieht in seinen Bann. So auch sein Stück "Mugshots".

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Der Titel ist bei Glavinics Stück Programm, denn der Begriif "Mugshots" stammt aus der amerikanischen Polizeisprache und benennt Fotos von Festgenommenen. Und eine Art von Festgenommene sind auch Glavinics Protagonisten. Sie sie sind ihrem Leben, Ihrem Schicksal verhaftet. Christoph, Angestellter einer Werbeagentur, ist eine typische Glavinic-Schöpfung: ein Kreativer, der sich einmal im Monat einem kathartischen Rausch unterzieht. Eines Morgens nach seinem rituellen Saufen erwacht er in seiner Wohnung neben einer jungen, ansehnlichen Frau. Wer sie ist, weiß er nicht.

In etwas mehr als einer kurzweiligen Stunde entfacht Glavinic ein fulminantes Konversationsstück, das nicht, aber auch gar nichts auslässt: Komik, wenn Christoph nachdem Namen der Genossin der letzten Nacht fahndet oder als Karikatur eines Repräsentanten der Kreativbranche gibt, der nur um seine Salami rennt. Eine Art von Romanze, wenn sie für ihn seine Wachteleier zu Omelettes zerschlägt. Ein paar Momente kurz kommt auch das Genre des Thrillers zu Wort.

© Robert Polster / Volkstheater Nadine Quittner und Christoph Rothenbuchner

Glavinic führt seine Schauspieler Christoph Rothenbucher und Nadine Quittner präzise auf Hans Kudlichs mit Spiegeln und ein paar Möbeln ausgestatteter Bühne. Diese diffizile Geschichte zweier Menschen geht über die Debatte, wie man weiterleben soll, ob allein oder zu zweit hinaus. Denn diese Frau gibt sich als Prostituierte namens Anastasia aus, die Christoph aus der Gewalt ihres Zuhälters befreien hätte wollen, das zumindest behauptete sie, als sie erkennt, dass dieser Mann sie tatsächlich lieben könnte. Denn einerseits ist "Liebe ein Risiko", wie das Stück lehrt, andererseits hat diese Frau Christoph auch schon weismachen wollen, dass er seinen Chef beflegelt und gekündigt hätte und drittens ist Glavinic ein kongenialer Vexierspieler mit Dichtung und Wahrheit. Die einzige Gewissheit ist jene über eine gelungene Theaterproduktion.

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