Volkstheater von

Von Horváth blieb nur der Titel

Philipp Preuss inszenierte "Kasimir und Karoline" mit einst modischen Mitteln des Theaters

Volkstheater - Von Horváth blieb nur der Titel © Bild: APA/HANS PUNZ

Wie in keinem seiner Stücke erfasst Ödön von Horváth Not und Elend der Menschen seiner Zeit wie in "Kasimir und Karoline". Seine Themen sind heute so relevant wie einst. Preuss macht davon aber keinen Gebrauch.

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Kasimir (Rainer Galke) ist abgebaut. Nur widerwillig besucht er mit seiner Braut (Stephanie Reinsperger) das Münchner Oktoberfest.

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Ein aus Glitzerstreifen gefertigter Drehzylinder ist Karussell, Schaubude und je nach Bedarf Hochschaubahn (Bühne: Ramallah Aubrecht). Das Geschehen wird per Live-Kamera auf eine Leinwand projiziert. Was Frank Castorf, einer der Pioniere des dekonstruktivistischen Theaters ingeniös praktiziert hat – wenn auch manchmal bis zum Überdruss – verkommt bei Preuss zum wohlfeilen Imitat. Völlig sinnfrei werden hier Figuren ausgestellt, Horváths melancholische Sätze werden durch deren ständige Wiederholung in diversen Lautstärken oder durch menschliche Gluckslaute vernichtet. Verkrampft ist man auf Lacher aus, versucht mit verzerrten Gesichtern, die man vor der Live-Kamera zeigt, abstoßen. Ob Preuss jedoch versucht, das Publikum mit seinen Gesellschaftsbildern oder durch Langeweile zu provozieren, wenn zwei Nachtklubtänzerinnen eine Abhandlung über die Gesellschaft (Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels) aufsagen, ist auch schon egal. Fast unablässig ist das Geschehen mit einem Popsong, den eine monotone Frauenstimme vorträgt, unterlegt.

Preuss verschwendet seine zwei hervorragenden Titeldarsteller und die Zeit all jener, die wegen Horváth ins Theater gekommen sind.

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