Volkstheater von

Psycho-Thriller
von Hitchcock-Format

Über "Das Missverständnis" von Albert Camus am Volkstheater

"Das Missverständnis" von Albert Camus am Volkstheater © Bild: www.lupispuma.com/Schauspielhaus Graz

Nikolaus Habjan ist für seine Interpretation von Camus' Drama "Das Missverständnis" am Grazer Schauspielhaus für den Nestroy-Preis nominiert. Die erstklassige Produktion ist derzeit am Volkstheater zu sehen. Von Menschen geführte "Klappmaulpuppen" formiert Habjan zu einem grandiosen Ensemble und spielt selbst mit.

Das Szenario könnte von Alfred Hitchcock entworfen sein. Auf der karg eingerichteten dunklen Bühne (Jakob Brossmann) prangt ein Puppenhaus. Die Fenster sind hell erleuchtet, Frauenstimmen sind aus dem Off zu hören. Die graue Theke einer Hotelrezeption ist alles, was Nikolaus Habjan braucht, um mit drei Puppen einen fulminanten Thriller zu zeigen. Und wie Habjan dieses Personal führt, ist faszinierend. Jan, Sohn, der zurückkehrt, tritt zunächst in der Gestalt des Schauspielers Florian Köhler auf. Der schickt seine Frau Maria (Seyneb Saleh) weg, er will als Fremder allein seiner Mutter und Schwester gegenübertreten.

Klar, scharf inszeniert

Dann folgt die Wandlung, aus einem schwarzen Koffer nimmt Köhler eine Puppe, sie sieht aus wie er. Fortan übernimmt sie seinen Part. Er tritt hinter die Puppe zurück und nimmt Gestalt der Bewohnerinnen des Hauses, seiner Mutter und seiner Schwester, auch die sind Puppen, an. Die betreiben ein Gästehaus, irgendwo in einer düsteren Landschaft in Europa. Die Tochter will weg, ans Meer, ans Licht, ins Leben. Um die finanzielle Basis zu schaffen, werden Gäste ermordet und beraubt. Auch der Bruder, der nach zwanzig Jahren unter falschem Namen in das Haus seiner Kindheit zurückkehrt wird beseitigt, denn er ist wohlhabend. Was bleibt, ist die Leere, die Sinnlosigkeit, der Tod, das Nichts.

"Das Missverständnis" von Albert Camus am Volkstheater
© www.lupispuma.com/Schauspielhaus Graz

Camus spielt mit den Sehnsüchten, den großen Fragen nach Sinn und Sein in seinem 1944 verfassten Drama. Dieser Text des Nobelpreisträgers des Jahres 1957 hat einen Hang zum Pathos. Aber das schimmert in der klaren, scharfen Inszenierung Habjans nur noch schwach durch.

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