Leben von

"Don Giovanni" als Grafiknovel

Susanne Zobl über Freyers Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni" in der Volksoper

Leben - "Don Giovanni" als Grafiknovel © Bild: (c) barbara pálffy / volksoper

Unvergesslich wird Freyers bunte Interpretation von Mozarts " Zauberflöte" bleiben, seine Inszenierung von Salvatore Sciarrinos "Böser Blume" bei Wiener Festwochen ist schwer zu übertreffen. Und käme es nur auf Freyer an, hätte die Wiener Volksoper mit seinem "Don Giovanni " famoses Musiktheater vorzuweisen. Er zeigt Mozarts Oper als seelenanalysierende Grafiknovel.

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Eindrucksvolle farbenprächtige Bilder, Figuren, wie von Kinderhand gemalt, und dennoch ist jede einzelne scharf in ihrem Charakter erfasst, und liebevoll über die ganze Bühne verteilte Requisiten, das sind die Ingredienzen, mit denen der deutsche Theatermann Achim Freyer seit Jahrzehnten neue Spielräume für die Oper schafft. Sein Konzept hat sich oft bewährt, auch jetzt bei Mozarts "Don Giovanni".

Mit Federbusch, roten Handschuhen, bizarrer Gestik wirkt die Titelfigur wie ein Comicheld, den es in Wirklichkeit nie geben kann. Er ist Symbol für das Abgründige, Spiegel des Bösen, mit so etwas lässt man sich zwar zuweilen gern ein, aber nie zuviel, er könnte einen sonst in die eigenen Abgründe reißen, nicht in die seinen. Und das erzählt Freyer, sein Giovanni ist ein Held, eine Figur, wie sie Kinder früher in Ersatzkaffeepackungen fanden.

Das Pendant ist sein Diener Leporello, ein Mensch, der einfach seinem Herrn folgt. Die Frauen zeichnet Freyer wie Puppen, Donna Anna ist eine Tussi mit blauen Haare,Donna Elvira eine kurvige, gar nicht selbstlos Liebende, wie sie oft dargestellt wird, sondern eine Frau, die Giovanni nach seinemebrochenen Eheversprechen nur deshalb verfolgt, weil sie ihren Ruf nicht verlieren will.

© (c) barbara pálffy / volksoper

Dezent hat Freyer am linken Bühnenrand eine Grabplatte. Mit einem großen "G" platziert. G wie Giovanni, das ist klar, aber auch für "g - Moll", das auf die Nachtseiten des Menschen, aber auch auf die Zugehörigheit Mozarts zu den Freimaurern verweist. Denn dort steht das große "G" für Gott.

Giovanni wird am Ende zum Opfer seiner ehrlich ausgelebten Triebe, die anderen aber zeigen, was sie wirklich sind, nämlich böse. Sie verzehren den Übeltäter nicht nur am Ende, sie machen ihn auch noch zu Geld, indem sie ihn buchstäblich verwursten.

Klug in diese bunte Zauberwelt verwobene Details bringen diese Inszenierung zum Schweben. Und da stört es auch nicht, dass abwechselnd Deutsch und Italienisch gesungen wird.

© (c) barbara pálffy / volksoper

Für Bodenhaftung sorgt Dirigent Jan van Steen, rekordmässig langsam schleppt er Leporello (Mischa Schelomianski) durch die Registerarie, auch sonst setzt er auf schwere, dunkle Farben, was in dieser Konsequenz übertrieben wirkt. Josef Wagner bringt seinen Don Giovanni dennoch vorzüglich mit feinem Timbre.

Donna Anna ist mit Kristina Kaiser ideal besetzt. Esther Lee, die für die erkrankte Caroline Melzer eingesprungen ist, agiert vor allem darstellerisch vorzüglich als Donna Elvira. Anita Götz ist eine sehr ordentliche Zerlina, Ben Connor könnte als Masetto mehr von seiner Stimme hören lassen, ebenso Andreas Mitschke als aus "Star Wars" entkommener "Darthvader"-Komtur.

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