Voest-Chef bestätigt: Deal mit Böhler kam ohne Politiker-Interventionen zustande

Eder: Übernahme "rein rationale Entscheidung" Wifo-Chef Aiginger: Fusion "eine gute Nachricht"

"Der Zeitpunkt war überraschend und - ich gebe zu - habe ihn nicht selbst bestimmt", kommentierte voestalpine-Chef Wolfgang Eder im Ö1-Mittagsjournal den überraschenden Einstieg beim Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm. Mit der Böhler-Übernahme beschäftige er sich erst seit zwei Wochen. "Es gab kein einziges Telefonat eines Politikers und keine persönliche Intervention zu diesem Thema", betonte der Stahlchef.

Die internationalen Kapitalmärkte würden so etwas auch nicht goutieren. Die beiden Konzerne hatten einst unter dem Dach der Austrian Industries zur Verstaatlichten Industrie gehört.

Böhler-Uddeholm bringe die voestalpine näher an ihr strategisches Ziel heran, das sie vor sechs Jahren formuliert hatte. Demnach soll bei der voestalpine am Ende dieses Jahrzehnts der Stahlanteil 40 Prozent und der Bereich Verarbeitung 60 Prozent ausmachen. "Wir werden die Übernahme in den nächsten Jahren verkraften", so Eder. Rund 50 Prozent der Böhler-Anteile kosten rund 1,8 Mrd. Euro. "Wenn wir, wie wir hoffen, über 50 Prozent der Anteile bekommen, denken wir an eine 10-prozentige Kapitalerhöhung". Es wäre aber laut Eder auch kein Problem, 100 Prozent zu kaufen.

Als noch begehrteres Übernahmeziel nach der Unternehmensvergrößerung sieht sich die voestalpine den Angaben zufolge aber nicht. "Wichtig wird sein, dass unsere Aktionäre bei der Kapitalerhöhung mitziehen", so Eder. Ein 40-prozentiger Kernaktionär sei "erfahrungsgemäß eine Größenordnung, die vor Übernahmen schützt", so Eder.

Ebenso wie Böhler-Chef Claus Raidl erteilte auch Eder jeglicher österreichischen "Industrie-Romantik" eine Absage. "Wir hätten Böhler-Uddeholm auch gekauft, wenn es ein deutscher, italienischer oder holländischer Konzern wäre, das war eine rein rationale unternehmerische Entscheidung", sagte voestalpine-Chef Wolfgang Eder am Freitag. Die voestalpine sei in einer definierten Nische Weltmarktführer, Böhler-Uddeholm in einer anderen.

Wifo-Chef: Übernahme durch Voest gute Nachricht
Der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, bezeichnet die Böhler-Übernahme durch voestalpine als gute Nachricht. "Zwei große, erfolgreiche österreichische Unternehmen sind nun besser abgesichert", sagte Aiginger im "Ö1 Morgenjournal". Forschung und Zentrale blieben in Österreich, die Firmen hätten genügend Geld für eine weitere Expansion.

Zwar bleibe auch das neue Unternehmen für internationale Investoren weiter ein ertragreiches Investment, weil die Rendite des Unternehmens langfristig überdurchschnittlich sein werde. Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme werde aber dennoch geringer, weil es stabile Kernaktionäre gebe, das Unternehmen sich gut entwickle und keine Reserven bestünden, die man durch die Übernahme lukrieren kann. Als "wohltuend" bezeichnet es Aiginger, dass bei diesem Zusammenschluss nicht von Personalabbau, sondern vor allem von Wachstum und nur von etwa einem Prozent Synergien gesprochen wurde.

Die nun wieder in den Hintergrund getretene Idee eines Österreich-Fonds würde Aiginger immer noch begrüßen. Dieser müsste aber nicht nur in österreichische Unternehmen investieren. "Ein rein nationaler Fonds mit dem Schild 'rot-weiß-rot' ist wahrscheinlich nicht mehr ganz angebracht heute", so der Wifo-Chef.

Böhler-Uddehlom hebt Ausblick 2007 geringfügig an
Böhler-Uddeholm hat seinen Ausblick für das Geschäftsjahr 2007 leicht angehoben. Der Konzern rechnet "im Gesamtjahr 2007 mit einem Umsatz und Ergebnis zumindest auf dem Spitzenniveau des Jahres 2006", hieß es. Der Auftragseingang lag in den ersten beiden Monaten bei 552 Mio. Euro, rund 23 Prozent über Vorjahreswert.(apa/red)