Voest will Böhler übernehmen: Einhelliges
Lob von Industrie und Politik für Stahl-Deal

Zukünftige Rolle des Staates bleibt aber umstritten Voest-Boss Eder möchte Deal bis 20. Mai durchziehen

Voest will Böhler übernehmen: Einhelliges
Lob von Industrie und Politik für Stahl-Deal

Die Allianz-Pläne von voestalpine und Böhler-Uddeholm sind an einem hochrangig besetzten "Runden Tisch" im Fernsehen diskutiert worden. Dass ein Böhler-Verkauf an die Voest einer Veräußerung an einen internationalen Fonds vorzuziehen sei, darüber waren sich die Diskutanten einig. Weniger Einmütigkeit bestand darüber, welche Rolle heimisches Kapital und Österreich-Fonds für die industrielle Zukunft spielen können. An der Diskussion nahmen die Generaldirektoren der beiden Stahlkonzerne, Wolfgang Eder (Voest), Claus Raidl (Böhler-Uddeholm), der Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, Industriellenpräsident Veit Sorger sowie Metallgewerkschaftschef Erich Foglar teil.

Sowohl die Voest als auch Böhler haben als Betriebe der Verstaatlichten eine lange gemeinsame Geschichte: Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde diese zerlegt, weil sie praktisch unführbar geworden war. Mehr als zehn Jahre später hätten die beiden nun privatisierten Betriebe gemerkt, dass sie mit einer ähnlichen Philosophie ausgestattet seien, sagte Eder. Starkes Wachstum und gute Gewinne hätten die Voest zudem in die Lage versetzt, Böhler zu kaufen: "Vor zwei Jahren hätten wir uns das noch nicht leisten können." Gemeinsam werde man auf den Weltmärkten viel stärker als bisher auftreten können. In zehn Jahren, glaubt Eder, könnte die neu entstehende Gruppe auf das Doppelte gewachsen sein.

Scharinger, dessen RLB OÖ mit 16 Prozent wesentlicher Kernaktionär der Voest ist, bekräftigte, bei einer allfälligen Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Kaufpreises mitziehen zu wollen. Seine Bank werde dabei auch künftig bleiben: "Ein kluger Bauer verkauft nicht seine beste Kuh im Stall." Die Österreicher sollten das im Land vorhandene Kapital in Fonds sammeln und indirekt an der Börse einsetzen, forderte er. Scharinger räumte allerdings ein, dass das im Land vorhandene heimische Kapital wahrscheinlich nicht ausreichen werde.

Österreich-Fonds hätten vor zehn Jahren noch genügend Kaufkraft entwickeln können, heute gehe es aber um Beträge, "die realistischerweise nicht aufzubringen sind", warf Eder ein und nannte Beispiele: Ein Viertel an der OMV würde vier, ein Viertel an der Erste Bank fünf Milliarden Euro kosten.

Metallerchef Erich Foglar unterstützte die Idee von Österreich-Fonds, an denen sich auch der Staat beteiligen solle. In den vergangenen beiden Legislaturperioden sei die ÖIAG eine reine "Ausverkaufsagentur" geworden: "Es geht heute darum, österreichisches Eigentum über den Zeitpunkt des Kasse-Machens hinaus in den Unternehmen zu halten", sagte er - das sei aber keineswegs mit einer Forderung nach einer "Rückverstaatlichung" gleichzusetzen.

Raidl warf ihm dennoch "Staatsnostalgie" vor. Der Böhler-Chef meinte, die Österreich-Fonds seien eine "liebe Idee", aber auch diese unterlägen den "Gesetzen der Marktwirtschaft und sind auch nicht der Samariterbund".

Industriellenchef Veit Sorger erklärte, dass Österreich sowohl in- als auch ausländisches Kapital brauche und das Interesse ausländischer Investoren doch als "Kompliment" für den Standort werten solle. Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), der bis vor kurzem auch den Privatisierungsausschuss der ÖIAG geleitet hatte, plädierte dafür, weiter zu privatisieren. Er nannte beispielhaft dafür den Güterverkehr der Bundesbahnen. Das erlöste Kapital solle für Zukunftsinvestitionen in Bildung und Forschung verwendet werden, sagte Sorger. (apa/red)