Vögel spürten Orkan vor dem Menschen: Tiere reagieren auf Luftdruckveränderung

Almtaler Waldrappe flüchteten vor dem Sturm "Terminkalender" der Tiere gerät durcheinander

Vögel spürten Orkan vor dem Menschen: Tiere reagieren auf Luftdruckveränderung

Bereits bevor Kyrill Österreich erreicht hat, haben Tiere die Gefahr erkannt und darauf reagiert. Vor allem Vögel spüren die massive Luftdruckveränderung, die mit einem Orkan einhergeht. Auch der "Terminkalender" vieler Arten ist durcheinander geraten: Gänse und Enten beginnen früher zu balzen und zu brüten. Der Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstation in Grünau, Kurt Kotrschal, sprach gegenüber der APA von einer "kontinuierlichen Verschiebung", die deutlich zu beobachten sei.

"Ein Teil unserer Waldrappe hat unmittelbar vor dem Sturm das Tal verlassen", berichtete Kotrschal. Mittlerweile seien sie wieder zurückgekehrt. Die Tiere verfügen über ein besonders feines Barometer im Innenohr, mit dem sie normalerweise ihre Flughöhe steuern, erklärte der Verhaltensforscher. Dieses Instrument mache die Vögel zu "bedeutend besseren Meteorologen als wir Menschen es sind".

Auf den Klimawandel reagiere die Tierwelt generell "ganz massiv", erklärte Kotrschal. Durch die warmen Temperaturen komme es zu Anpassungen der Vogelzugrouten. Vor allem Opportunisten - die sich an die Gegebenheiten anpassen - fliegen nicht mehr so weit wie früher. Manche Vögel treten die Reise erst gar nicht an, wenn die Winter-Temperaturen so mild sind.

Tiere legen Eier immer früher
Die Tiere legen immer früher ihre Eier. Innerhalb von zehn Jahren habe sich der Zeitpunkt um fünf bis sechs Tage weiter Richtung Jahresbeginn verschoben, so der Experte weiter. Als Beispiel nannte er "seine" bekannten Graugänse: "Vor 20 Jahren haben sie das erste Ei Mitte März gelegt, jetzt tun sie das schon zu Monatsbeginn." Es handle sich um eine "kontinuierliche lineare Verschiebung", die "seit rund 15 Jahren deutlich zu beobachten ist". Lediglich das Jahr 2006 sei mit seinem Extrem-Winter ein "Ausreißer" gewesen, in dem sich die Gänse mehr Zeit gelassen haben mit ihrem Nachwuchs.

Der Wildpark Cumberland im Almtal berichtete ebenfalls von ungewöhnlichen Beobachtungen. "Der Mönchsgeier brütet schon", hieß es auf APA-Anfrage. Normalerweise stehe das erst Ende Februar oder Anfang März in seinem "Kalender". Auch Enten zeigen vorzeitige Frühlingsgefühle. Sie beginnen bereits jetzt - zwei Monate früher - zu balzen. Ebenfalls unruhig sind die Bären im Wildpark. Sie unterbrechen zwar auch sonst ihren Winterschlaf mehrmals - beispielsweise wenn sie Stimmen hören und sich davon Futter versprechen -, heuer haben sie sich aber noch gar nicht zurückgezogen.

(apa)