Viruserkrankung von

2015 schon 85
Masern-Fälle in Österreich

Von Eliminierung der Krankheit, wie eigentlich geplant, keine Spur

Ein Kleinkind mit Masern © Bild: Thinkstock

An sich sollten die Masern in Österreich und Europa im Jahr 2015 ausgerottet werden. Doch stattdessen hat es laut den Experten des Departments für Virologie der MedUni Wien seit Jahresbeginn in Österreich bereits 85 Erkrankungen (51 eindeutig verifiziert) gegeben. Die Fachleute fordern verstärkte Anstrengungen, um die potenziell gefährliche Erkrankung weiter zurückzudrängen.

Nah dem Tod eines eineinhalb Jahre alten Kindes in Berlin wurden die Masern auch wieder in Österreich zu einem Thema. In Berlin gibt es seit Oktober vergangenen Jahres einen großen Ausbruch mit "mehr als 720 Fällen", schrieb Virologin Heidemarie Holzmann jetzt in der Virusepidemiologischen Information. "Aber nicht nur Deutschland (vor allem Ost- und Süddeutschland) kämpft mit hohen Erkrankungszahlen, auch bei uns in Österreich ist die Zahl der seit Jahresbeginn gemeldeten Fälle mit bisher 85 (51 per Labor verifiziert) bereits recht hoch. Besonders betroffen sind bisher Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark."

Keine ausreichende Herdenimmunität

Aus Bosnien, Herzegowina, Kroatien und Serbien seien vergangenes Jahr immer wieder Masernviren des Genotyps D8 nach Österreich eingeschleppt worden, die zu sporadischen Infektionen, aber auch zu kleineren Infekt-Ketten und Ausbrüchen geführt hätten. "Diese epidemiologische Situation weist daraufhin, dass wir uns in Österreich in der sogenannten Präeliminationsphase befinden, in der die Masernviren zwar nicht mehr ständig zirkulieren, aber, da noch immer keine ausreichende Herdenimmunität besteht, um die Verbreitung dieser Infektion zu verhindern (...), eine jährlich fluktuierende Zahl von Erkrankungen durch eingeschleppte Viren registriert wird", schrieb die Expertin.

2014 wurden in Österreich über das Elektronische Meldesystem 117 Masernerkrankungen gemeldet. Heidemarie Holzmann: "Das war bedeutend mehr als 2012 und 2013 (35 bzw. 74 Fälle) und liegt nahe beim Rekordjahr 2011 mit 121 Fällen." 45 dieser Infektionen seien auf einen großen Masernausbruch zu Jahresbeginn (2014, Anm.) im Raum Gänserndorf-Mistelbach-Wien zurückzuführen gewesen. 19 Patienten (42 Prozent) wurden ins Krankenhaus aufgenommen, etwa 300 Kontaktpersonen identifiziert und 200 Impfungen verabreicht, zum die Erkrankungen unter Kontrolle zu bringen.

Meiste Infektionen in Italien

Nach den Surveillance-Daten des ECDC (Europäisches Zentrum für Krankheitskontrolle/Stockholm), die auf Masernmeldungen aus 30 EU/EWR-Ländern beruhen, war die Gesamtzahl der Maserninfektionen mit 3.616 im Jahr 2014 relativ niedrig im Vergleich zu den Vorjahren (2010 und 2011 jeweils mehr als 32.000 Fälle, 2012 mehr als 11.000 und 2013 mehr als 10.500 Fälle). Das sei aber weniger auf die Beseitigung von Impflücken per Impfung als auf das Auftreten von Immunität durch die Krankheit zurückzuführen. Heidemarie Holzmann: "58.6 Prozent von all diesen Infektionen traten in Italien (46,3 Prozent) und Deutschland (12,3 Prozent) auf (...)."

Analysiere man die Masernhäufigkeit pro Million Einwohner und Jahr in den 30 Ländern, liege Italien mit 28,1 an erster Stelle, Österreich befindet sich mit 13,3 Fällen pro Million Einwohner und Jahr noch im zweistelligen Bereich und auf Platz fünf. Erst in den vergangenen Tagen sind neue Masern-Erkrankungen in Oberösterreich und in der Steiermark registriert worden.

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