Violette Krise am Verteilerkreis: Bei Austria
brennt nach UEFA-Cup-Blamage der Hut

Ratloser Schinkels steht vor Trümmern seiner Arbeit PLUS UMFRAGE: Fliegt Schinkels demnächst raus?

Violette Krise am Verteilerkreis: Bei Austria
brennt nach UEFA-Cup-Blamage der Hut

Das 173. Spiel in der violetten Europacup-Geschichte hätte wie vor zwei Jahren zu einem erfolgreichen Start in die Gruppen-Phase des UEFA-Cup werden sollen. Stattdessen setzte es die 71. Niederlage auf internationaler Fußball-Bühne und mit dem 1:4 gegen ZV Zulte Waregem erstmals seit 16 Jahren vier Verlusttore vor eigenem Publikum. Die Belgier, der vermeintlich schwächste Gegner der Gruppe F, schwangen sich fast mühelos zum ersten Tabellenführer auf. Der Sessel von Trainer Frenkie Schinkels wackelt nun stärker als jemals zuvor.

Der aktuelle Double-Gewinner aus Wien, der personell betrachtet mit der Meisterelf freilich nichts mehr zu tun hat, kann hingegen seine Aufstiegshoffnungen schon nach dem ersten Gruppen-Auftritt begraben. In zwei Wochen wird gegen Ajax in Amsterdam in dieser Verfassung für die Veilchen nichts zu holen sein. Im Gegenteil, da muss man abermals eine Abfuhr befürchten.

Katastrophale Leistung
Der letzte "ÖFB-Mohikaner" im Europacup bot vor rund 11.000 Zuschauern im Happel-Stadion speziell in Hälfte zwei eine katastrophale, inferiore Leistung und wurde am Donnerstag völlig zurecht mit Pfiffen und Pfui-Rufen in die Kabine geschickt. "Wenn man 1:0 führt, darf so was nicht passieren. Unser Problem war, dass wir uns hinten reindrängen ließen", meinte der eingewechselte Stürmer Roman Wallner und Torschütze Lasnik fügte hinzu: "Wir hatten uns viel vorgenommen, leider haben wir nur wenig davon umgesetzt."

Schinkels fassungslos: "Nicht normale Niederlage"
Frenkie Schinkels sprach von einer "nicht normalen Niederlage". Man könne mit Anstand verlieren, aber "ich bin traurig, nachdenklich, deprimiert, es war beschämend", stammelte der Austria-Feldherr, der die 1:0-Führung als glücklich bezeichnete. "Unsere Topspieler sind lust- und planlos herumgerannt. Wenn man hinten nicht sicher steht, kommt das heraus", meinte der gebürtige Niederländer, der sich in der Stunde der Enttäuschung nicht wie vor rund vier Wochen nach dem 0:1 in Altach selbst als Trainer in Frage stellte.

"Andere müssen über meine Position entscheiden"
Es sei nur logisch, dass man ihn dafür verantwortlich mache. Im Gegensatz zu Vorarlberg, stellte er sich diesmal nicht selbst zur Disposition. "Ich kann nicht über meine Position entscheiden, das müssen andere tun", sagte Schinkels. Für Peter Stöger beginnt der Zirkus wieder von vorne: "Was und wie es passierte, ist nicht nur eine Trainergeschichte. So ein Spiel darf man nicht abhaken und zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen uns wieder einmal am eigenen Schopf aus dem Dreck ziehen", erklärte der Sportdirektor.

Schinkels und Stöger bleiben vorerst im Amt
Personelle Konsequenzen gab es vorerst nur in der Form, dass Mäzen Frank Stronach den früheren violetten Spieler und Trainer Thomas Parits zum neuen General Manager bestellte. Stöger und Co. blieben im Amt. Klubmanager Markus Kraetschmer sagt, was jetzt zu tun ist: "Wir alle müssen uns der Situation stellen. In der Krise zeigt sich, wer mitzieht und wer nicht. Wir werden analysieren und entscheiden, was das Beste in dieser Phase ist. Das Debakel kam total unerwartet und ist enttäuschend. Der Schock sitzt tief, nun heißt es: wenig schlafen, viel reden. Die Frage ist, ob ein Trainerwechsel das Allheilmittel ist."

(apa/red)