FPÖ gegen ORF von

Vilimsky gegen Wolf:
Wrabetz bezieht Stellung

FPÖ gegen ORF - Vilimsky gegen Wolf:
Wrabetz bezieht Stellung © Bild: APA/Hans Punz

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat die Aufforderungen des FPÖ-EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky, ZiB2-Moderator Armin Wolf von seinem Posten zu entfernen, zurückgewiesen.

"Die Entscheidungen in diesem Unternehmen treffe ich. Vilimsky ist nicht Generaldirektor, und ich lasse mir von einem Parteigeschäftsführer nicht zurufen, wer bei uns die ZiB moderiert", sagt Wrabetz im "Kurier".

Vilimsky forderte Abberufung Wolfs

Zuvor hatte Vilimsky, der sich über den Interviewstil Wolfs während seines ZiB2-Interviews am Dienstagabend ärgerte, die Abberufung Wolfs gefordert: "Wäre ich Generaldirektor, dann würde ich Wolf vor die Tür setzen", meinte er etwa am Mittwoch im TV-Sender oe24.tv.

»Wäre ich Generaldirektor, dann würde ich Wolf vor die Tür setzen«

Wrabetz verteidigte nun im "Kurier" den ZiB2-Moderator explizit: "Armin Wolf ist einer der besten Journalisten des Landes. Er hat einen markanten Stil und behandelt alle gleichermaßen kritisch, mitunter auch seinen eigenen Chef."

Vilimsky im ZiB2-Interview

Vilimsky hatte sich nach seinem ZiB2-Interview vor allem an Fragen zu rechtsextremen "Einzelfällen" in der FPÖ gestoßen und sah seine Partei durch Wolf in die Nähe zum Nationalsozialismus gerückt. "Das ist etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann", sagte der Politiker noch während des Interviews drohend zu Wolf.

Konkreter Anlass für Vilimskys Ärger war ein vom ZiB2-Anchor während des Interviews präsentierter Vergleich: Wolf hatte einen Cartoon der steirischen FPÖ-Parteijugend (in welchem eine einheimische Familie in grüner Tracht von finsteren Zuwanderern mit langer Nase, Bart und Buckel bedroht wird) der Darstellung eines Juden aus dem NS-Kampfblatt "Der Stürmer" gegenübergestellt.

NEOS fordern Rücktritt Stenzels

Der Wiener NEOS-Klubobmann Christoph Wiederkehr hat am Freitag den sofortigen Rücktritt der nicht amtsführenden Wiener FPÖ-Stadträtin Ursula Stenzel gefordert. Anlass ist eine Aussage der Rathaus-Politikerin, die auf oe24.tv befunden hat, ORF-Moderator Armin Wolf könne mit einem "solchen Verhörton" in einem "Volksgerichtshof" auftreten.

Stenzel zeigte sich über das Interview Wolfs mit FPÖ-EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky empört. Als sie beim ORF begonnen hatte, hätte sie "so etwas - egal unter welchen Generalintendanten - nicht überlebt", meinte die ehemalige ZiB-Moderatorin und einstige ÖVP-Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt.

»Einen kritischen Journalisten mit einem NS-Gericht zu vergleichen, ist unerhört«

Für Wiederkehr stellt die Aussage eine "absolute Grenzüberschreitung" dar, wie er ausführte: "Einen kritischen Journalisten mit einem NS-Gericht zu vergleichen, ist unerhört." Hier handle es sich um einen Angriff auf die Pressefreiheit: "Das kann nur bedeuten, dass sie zurücktritt."

Wiens Freiheitliche gegen Stenzel-Rücktritt

Wiens FPÖ hat am Freitag die Rücktrittsforderung der NEOS an Ursula Stenzel zurückgewiesen. "Wir sehen unsere politische Mission nicht darin, Wünsche von Kleinstparteien zu erfüllen", sagte Landesparteisekretär Michael Stumpf in einer Stellungnahme. Stenzel hatte befunden, ORF-Moderator Armin Wolf könne in einem "Volksgerichtshof" auftreten.

Unterdessen verlangte auch die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, Sabine Schatz, den umgehenden Rückzug Stenzels. "Eine ehemalige Journalistin, ÖVP-Europapolitikerin und von Steuergeldern finanzierte Stadträtin verhöhnt die Opfer des NS-Regimes und greift einen Journalisten in unglaublicher Art und Weise an", kritisierte sie in einer Aussendung. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) müsse Konsequenzen von seinem Koalitionspartner einfordern, befand Schatz.

Gewerkschaft: Grenzen endgültig überschritten

Die Gewerkschaft hat am Freitag den ORF gegen die Kritik der FPÖ in Schutz genommen. "Irgendwann ist der Bogen überspannt", betonte Barbara Teiber, Chefin der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), in einer Aussendung. Wie einzelne FPÖ-Politiker seit geraumer Zeit Journalisten des ORF attackierten, sei "verheerend und demokratiepolitisch höchst bedenklich".

»Irgendwann ist der Bogen überspannt«

Ähnlich sah das Gerhard Moser vom GPA-djp-Wirtschaftsbereich ORF und Töchter. "Inzwischen liegt eine ganze Liste von demokratiepolitisch bedenklichen und bedrohlichen Ausritten von FPÖ-Politikern gegen den ORF und seinen Mitarbeiter vor, die man weder einem Wahlkampf noch einem 'persönlich-politischen Naturell' sondern schlicht einer Taktik zuschreiben kann, die den unabhängigen Journalismus und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Lande sturmreif schießen will", meinte er.

Kommentare

Rigi9 melden

Herr Wolf ist eine Zumutung! Noch nichts für unser Land geleistet und macht sich wichtig, ohne von der Realität eine Ahnung zu haben! Gehört sofort entlassen aber bei dieser Freunderlwirtschaft wird nichts passieren!!

Denksport melden

Der Herr Wolf leistet doch eh ur viel. Hauptsächlich versucht er misantrophen und durchtriebenen Politikern auf den Zahn zu fühlen. Sie sollten froh sein, dass der Herr Wolf so eine tolle Arbeit für uns leistet. Herr Vilimsky und Frau Stenzel sind sicher gute Kandidaten für eine Tuchfühlung.

Was würde wohl ein Psychologe oder -analytiker zu unseren Parteien sagen?
2013 hatte Kurz noch sehr klare Worte an Stenzel gerichtet. Mal schauen, ob er das dieses mal auch wieder so macht.

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