"Vietnamesen nach Tschechien bringen":
FORMAT-Interview mit Richard Trenkwalder

Richard Trenkwalder über Zukunftsperspektiven

"Vietnamesen nach Tschechien bringen":
FORMAT-Interview mit Richard Trenkwalder © Bild: Lukas Beck

Richard Trenkwalder, Gründer eines heimischen Personaldienstleisters, über Zukunftsperspektiven der Zeitarbeitsbranche.

FORMAT: Herr Trenkwalder, wie wirkt sich die konjunkturelle Entwicklung auf die Zeitarbeitsbranche aus?

Trenkwalder: Wenn es zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kommt, werden auch unsere Zuwächse nicht mehr so hoch ausfallen wie in den letzten Jahren. Wir sind ja auch dazu da, konjukturelle Schwankungen für unsere Kunden abzufangen. Trotzdem bleibt Zeitarbeit eine Wachstumsbranche.

FORMAT: Woher kam der jüngste Nachfrageschub?

Trenkwalder: Gewachsen ist die Nachfrage etwa im Handel, aber auch im qualifizierten Angestelltenbereich - das geht hin bis zur Fachkraft für Steuerberater. Auch das Gewerbe hat sich besser entwickelt. In der Hochphase des Wachstums war aber die Industrie der Hauptabnehmer. Dort ist die Auftragslage zwar immer noch gut, aber die Personalnachfrage steigt nicht mehr.

FORMAT: Bei Magna wurden zuletzt ja Zeitarbeitskräfte wieder abgebaut.

Trenkwalder: Dort ist das Geschäft eben sehr projektabhängig - deshalb ist Zeitarbeit dort ja so gefragt.

FORMAT: Spüren auch Sie den viel beklagten Fachkräftemangel?

Trenkwalder: Die Nachfrage unserer Kunden nach qualifiziertem Personal zu erfüllen war 2007 für uns ein großes Thema. Der Arbeitsmarkt ist in dieser Hinsicht noch immer knapp. Das ist kein österreichspezifisches Problem. Wir sind damit auch in Deutschland und besonders in Zentral- und Osteuropa, wo wir in vielen Ländern Marktführer sind, sehr stark konfrontiert. Dort vermitteln wir sehr viel grenzüberschreitend. So haben wir rund tausend Bulgaren Jobs in Tschechien und in der Slowakei vermittelt. In Tschechien ist der Arbeitsmarkt so ausgetrocknet, dass wir nun sogar versuchen, Vietnamesen dorthin zu bringen, die noch vor der Wende dort ausgebildet wurden.

FORMAT: Wo liegt der aktuelle Schwerpunkt Ihrer Expansionsbestrebungen?

Trenkwalder: 2008 und 2009 wird sich die Türkei kräftig entwickeln. Wir haben dort kürzlich drei Firmen mit rund 4.000 Mitarbeitern gekauft und werden weiter expandieren. Unsere Dienstleistung hat in diesem boomenden, dynamischen Land mit 75 Millionen Einwohnern viel Potenzial.

FORMAT: Und wie sehen Sie den heimischen Markt?

Trenkwalder: Durch die Gesetzeslage gibt es hier einen Wildwuchs von 1.600 Anbietern. Da erwarte ich eine gewisse Konzentration.

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