Viertelfinale im Elferschießen entschieden:
Türken werfen Kroatien aus EURO-Rennen

Modric, Rakitic & Petric scheitern vom Elfmeterpunkt Nach 120 Minuten trennten sich beide Teams mit 1:1

Viertelfinale im Elferschießen entschieden:
Türken werfen Kroatien aus EURO-Rennen © Bild: EPA

Die türkische Nationalmannschaft steht erstmals im Halbfinale einer Europameisterschaft. Nach einem dramatischen Viertelfinal-Spiel über 120 Minuten im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Kroatien versagten den Kroaten im Elfmeterschießen im entscheidenden Moment die Nerven. Der im Spiel überragende Luka Modric und Ivan Rakitic schossen daneben, Mladen Petric scheiterte am türkischen Tormann Rüstü. Alle drei türkischen Schützen - Arda Turan, Semih Sentürk und Hamit Altintop trafen. Die Türkei trifft nun in Basel im Halbfinale auf Deutschland.

Nach 120 abwechslungsreichen Minuten hatte der eingewechselte Kroate Ivan Klasnic in der 119. Minute das vermeintlich entscheidende Tor gemacht. Doch die vom Verletzungspech verfolgten Türken bewiesen erneut ihren Ruf als Comeback-Spezialisten. Die Mannschaft, die bereits in den Gruppenspielen gegen die Schweiz (2:1) und Tschechien (3:2) einen Rückstand noch in einen Sieg verwandelt hatte, glich in der Schlusssekunde der Verlängerung durch den ebenfalls eingewechselten Stürmer Semih Sentürk (122.) aus und verwandelte das Wiener Ernst Happel Stadion in ein Tollhaus. Die Kroaten schienen danach gebrochen.

Der kroatische Teamchef Slaven Bilic hatte im Viertelfinalspiel auf die erfolgreiche Elf vom 2:1-Erfolg gegen Deutschland gesetzt. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Polen (1:0) hatte er neun Spieler der bereits fix als Gruppensieger qualifizierten Mannschaft geschont. Bilic setzte damit vor allem auf ein technisch starkes Mittelfeld mit Darijo Srna, Luka Modric, Ivan Rakitic und Niko Kranjcar, die alle eher offensiv orientiert sind. Vor allem der überragende Modric sorgte für viel Gefahr und setzte seine Mitspieler immer wieder mit schönen Pässen in Szene.

Erste Großchance für Olic
In der 19. Minute legte der 22-Jährige Ivica Olic erstmals die große Chance auf die Führung auf den Fuß, dieser drosch den Stanglpass aber aus kurzer Distanz an die Latte. Den Abpraller setzte Kranjcar per Kopf über das Tor. Nur fünf Minuten später setzte erneut Modric den offensiv orientierten Linksverteidiger Danijel Pranjic ein, die türkische Abwehr war aber zur Stelle. Auch Niko Kranjcar spielte er frei (57.) dessen Schuss von der Strafraumgrenze hielt der türkische Schlussmann Rüstü.

Ansonsten verteidigte sich die von zahlreichen Verletzungen gebeutelte türkische Mannschaft die meiste Zeit geschickt, ließ wenige Chancen zu. Rakitic jagte nach einem Doppelpass mit Olic (70.) den Ball in die Wolken, Olic setzte einen Kopfball nach Rakitic-Zuspiel (72.) neben das Tor.

Rüstü für Türkei im Tor
In dem türkischen Team, das sich praktisch selbst aufgestellt hatte, bildeten Gökhan Zan und Emre Asik das Innenverteidiger-Duo und ersetzten die blessierten Teamkollegen Servet Cetin und Emre Güngör. Der gesperrte Tormann Volkan Demirel wurde vom 35-jährigen Routinier Rüstü Recber vertreten. Dieser machte die meiste Zeit einen sicheren Eindruck, in der 84. Minute entschärfte er einen tollen Srna-Freistoß aus 22 Metern auf spektakuläre Weise, patzte aber auch im Duell mit Olic (50.), was jedoch ohne Folgen blieb.

Außer einem Altintop-Freistoß (13.), den Niko Kovac abblockte, einem Tuncay-Roller (8.) in der Anfangsphase und einem tollen Weitschuss von Mehmet Topal (38.) war die türkische Mannschaft offensiv über weite Strecken harmlos. Nihat Kahveci, der an diesem Abend die Kapitänsbinde trug, gab im Sturm den zunächst erfolglosen Alleinunterhalter. Kroatiens Tormann Stipe Pletikosa durfte sich erst in der Verlängerung (95.) das erste Mal bei einer zur Ecke abgelenkten Hereingabe von Tuncay auszeichnen.

Kazim Kazim enttäuschend
Der türkische Teamchef Fatih Terim hatte Flügelspieler Kazim Kazim zunächst den Vorzug gegenüber dem türkischen Torschützenkönig Semih Sentürk gegeben, der erst in der Schlussviertelstunde der regulären Spielzeit für Mehmet Topal eingewechselt wurde. Kazim hatte seine liebe Not mit den Linksaußen der Kroaten und wurde klar von Pranjic in den Schatten gestellt. Die logische Konsequenz war seine Auswechslung nach einer Stunde. Kazim wurde durch Ugur Boral ersetzt.

Allrounder Tuncay Sanli, der nach Volkans Roter Karte gegen Tschechien sogar einige Minuten im Tor gespielt hatte, sollte hinter den Spitzen in Abwesenheit des verletzten Regisseurs Emre Belözoglu den Spielgestalter mimen, was ihm leidlich gelang. Neben ihm durfte Hamit Altintop, zuletzt stets in der ungeliebten Rolle des rechten Verteidigers, endlich im zentralen Mittelfeld ran.

Türken in Halbzeit zwei kaum gefährlich
Erst in der 88. Minute wurden die Türken erstmals in der zweiten Hälfte gefährlich. Nach einem Doppelpass mit Altintop holte Nihat gegen Josip Simunic einen Eckball heraus, fast im Gegenstoß sorgte aber Olic (90.) nach Modric-Pass fast für das entscheidende Tor. In den turbulenten Schlussmomenten der zweiten Hälfte knallte Rakitic (93.) das Gerät übers Tor.

In der Verlängerung waren es zunächst die Türken, die den Ton angaben. Semih Sentürk (100.) schoss über das Tor, Tuncays Versuch von knapp außerhalb des Strafraums (102.) rauschte knapp am linken Eck vorbei. Als die Mannschaften sich bereits mit dem torlosen Unentschieden abgefunden zu haben schienen, kamen Klasnic, Sentürk und das kroatische Drama.

Kroatien-Türkei 1:1 (0:0, 0:0) 1:3 im Elfmeterschießen
Wiener Happel-Stadion, 51.428 Zuschauer (ausverkauft), SR Roberto Rosetti (Italien)

Torfolge:
1:0 (119.) Klasnic
1:1 (120.) Sentürk

Elferschießen:
0:0 Modric schießt rechts daneben
0:1 Arda verwertet
1:1 Srna verwertet
1:2 Sentürk verwertet
1:2 Rakitic schießt links daneben
1:3 H. Altintop verwertet
1:3 Petric scheitert an Rüstü

Kroatien: Pletikosa - Corluka, R. Kovac, Simunic, Pranjic - Srna, N. Kovac, Modric, Rakitic - Kranjcar (64. Petric) - Olic (97. Klasnic)

Türkei: Rüstü - Sabri, Zan, E. Asik, Hakan - H. Altintop, Topal (76. Sentürk), Tuncay, Arda - Kazim (61. Ugur), Nihat (118. Gökdeniz)

Gelbe Karten: Keine bzw. Tuncay (27./im Semifinale gesperrt), Arda (49./im Semifinale gesperrt), Ugur (89.), E. Asik (108./im Semifinale
gesperrt)

(apa/red)

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