Vierschanzen-Tournee von

Rekord im Visier

Noch nie konnte ein Land vier Gesamtsiege in Folge feiern. Kofler ist Favorit.

Vierschanzen-Tournee - Rekord im Visier © Bild: GEPA/Lerch

Die favorisierten österreichischen Skispringer wollen bei der Vierschanzen-Tournee mit dem noch nie erreichten vierten Sieg einer Nation in Serie Geschichte schreiben. Erster Anwärter auf den prestigeträchtigen Titel bei der am 30. Dezember beginnenden 60. Auflage ist der vierfache Saisonsieger Andreas Kofler. Aber auch Gregor Schlierenzauer und Titelverteidiger Thomas Morgenstern sind Kandidaten für den nächsten rot-weiß-roten Triumph. Die internationalen Herausforderer führt der Norweger Anders Bardal an.

An die Favoritenstellung seiner Springer hat sich ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner längst gewöhnt, das Ziel könne deshalb nur der Tourneesieg sein. "Wir treten an, um zu gewinnen, das ist ganz klar. Wir haben drei Tourneefavoriten in unseren Reihen und noch den einen oder anderen Außenseiter. Wir sind geschlossen stark. Diese Dichte gibt uns zusätzliche Stärke, man muss erst an unseren Athleten vorbeikommen", bekräftigte Pointner.

Als selbstverständlich sei ein abermaliger Sieg für Österreich aber keineswegs anzusehen, betonte er aber auch. Sein Top-Trio Kofler, Schlierenzauer und Morgenstern stellt er auf eine Stufe, freilich beflügle Kofler das Gelbe Trikot aber noch zusätzlich. "Für ihn gibt es keine besser Ausgangsposition", meinte Pointner über Kofler.

Kofler bleibt locker
Der Tournee-Gewinner von 2009/10 lässt von der hohen Erwartungshaltung nach drei Siegen zum Auftakt und jenem bei der Generalprobe in Engelberg aber nicht aus der Ruhe bringen. "Ich bin sehr entspannt. Ich genieße das Ganze momentan einfach. Es nicht so, dass es mich belastet. Wenn ich meine Leistungen wieder abrufen kann, brauche ich nicht nervös zu sein", gab sich Kofler gegenüber betont gelassen.

Großschanzen-Weltmeister Schlierenzauer hat zwar bereits fünf Tagessiege geholt, der Tournee-Titel fehlt dem 36-fachen Weltcupgewinner in seiner Sammlung aber noch. "Ich bin gut in Form und habe noch Reserven. In Richtung des Highlights gilt es jetzt, diese Kleinigkeiten auszumerzen. Ich mache mir aber keinen Druck, ich habe gut gearbeitet", meinte der in der Vorwoche in Engelberg gestürzte und am Folgetag aber bereits wieder viertplatzierte Tiroler.

Auch im Vorjahr war Schlierenzauer vom Verletzungspech verfolgt gewesen, damals hatte er die ersten beiden Bewerbe nach einem Trainingssturz verpasst. Diesmal ist er für den Auftakt aber fit. "Ich bin momentan noch nicht ganz schmerzfrei, das wird bis zur Tournee aber weg sein", sagte der in diesem Winter zweitbeste ÖSV-Athlet (1 x 1., 1 x 2., 2 x 4.). Sollte es auch diesmal nicht mit den Gesamtsieg klappen, sei das aber nicht so schlimm, beteuerte Schlierenzauer. "Es kann heuer oder in drei Jahren passieren. Ich bin erst 21, mir würde noch ein Riesenziel übrigbleiben."

Titelverteidiger Morgenstern
Ähnlich gelassen wie Kofler nimmt Titelverteidiger Morgenstern die Tournee in Angriff. Er hat zwar noch nicht an seine tolle Vorsaison (WM-Gold, Gesamtweltcup-Titel mit 7 Siegen) anschließen können, drei Podestplätze machen Österreichs Sportler des Jahres aber allemal zu einem der Mitfavoriten.

Bei der Generalprobe in der Schweiz präsentierte sich Morgenstern für einen Sieg aber noch unkonstant, einzelne Topsprünge lassen ihn aber hoffen. "Solche Leistungen bringen mir Vertrauen und Zuversicht für die Tournee", so der Normalschanzenweltmeister. Bis zum Auftakt in Oberstdorf, den er im Vorjahr gewonnen hat, versprach er, die noch fehlenden "Feinheiten" zu verbessern.

Die schärfsten Rivalen der ÖSV-Adler dürften diesmal wohl Anders Bardal, Kamil Stoch (POL) und sehr zur Freude der deutschen Co-Gastgeber Richard Freitag und Severin Freund sein. Der Norweger Bardal und Freitag waren in bisher sieben Saisonbewerben die einzigen nicht-österreichischen Sieger. Wenig zu befürchten hatte die ÖSV-Truppe bisher hingegen von Olympiasieger Simon Ammann. Steigert sich der Schweizer nicht deutlich, wird er auf seinen heiß ersehnten ersten Tournee-Sieg weiter warten müssen.

Loitzl muss kämpfen
Noch weiter von der Spitze weg als Ammann war bisher Wolfgang Loitzl. Der Tournee-Sieger von 2008/09 muss deshalb noch um seinen Platz im rot-weiß-roten Aufgebot kämpfen. Er rittert am 27. und 28.12. im Continental-Cup in Engelberg mit Michael Hayböck um das verbleibende siebente Ticket. Die Top-Ten-Kandidaten Martin Koch, David Zauner und Manuel Fettner (Tournee-4. der Vorsaison) haben ihre Plätze im ÖSV-Team hingegen bereits sicher.