Vier Wochen vor US-Kongresswahlen: Republikaner weiterhin im Umfrage-Sinkflug

Hauptgrund ist Frustration über Krieg im Irak Sex-Affäre im Kongress als "Tüpfelchen auf dem I"

Noch sind die US-Kongresswahlen zur Halbzeit der zweiten Amtsperiode von Präsident George W. Bush noch knapp vier Wochen entfernt, doch der ständig anwachsende Rückstand, den Bushs Republikanische Partei in allen aktuellen Umfragen auf die Demokraten aufweist, wird nur schwer aufzuholen sein: Die in verschiedenen US-Medien veröffentlichten Erhebungen geben den Demokraten einen Vorsprung von bis zu 23 Prozentpunkten und lassen das Schreckgespenst des Präsidenten an Gestalt gewinnen: Ein Kongress, in dessen beiden Häusern die Demokraten die Mehrheit erobert haben und Bush für den Rest seiner Amtszeit zur "Lame Duck" (lahmen Ente) degradieren.

Bei den Wahlen am 7. November stehen alle 435 Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses und 33 der 100 Senatoren zur Wahl. Um die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu gewinnen, müssen die Demokraten den Republikanern mindestens 15 Sitze abnehmen. Um künftig den Senat bestimmen zu können, müssen sie dort mindestens sechs Sitze hinzugewinnen.

Ihre Chancen stehen gut: Auf die klassische Sonntagsfrage des Gallup-Institutes antworteten im Oktober bereits 58 Prozent der registrierten Wähler, sie würden in ihrem Wahlkreis für den demokratischen Kandidaten stimmen, nur mehr 35 Prozent zogen demnach den republikanischen Kandidaten vor. Ein kleiner Aufschwung Anfang September - nachdem die Republikaner mit Verve den "Krieg gegen den Terror", bei dem die US-Bürger Bush noch am ehesten Vertrauen schenken, im Wahlkampf forciert hatten -, erwies sich als kurzlebig.

Auch die Zustimmung der Amerikaner zur Amtsführung von Präsident Bush liegt in der zwischen 6. und 8. Oktober durchgeführten Gallup-Telefonumfrage mit nur mehr 37 Prozent auf einem Rekordtief, jene zur Arbeit des Kongresses überhaupt nur mehr bei 24 Prozent und damit ebenfalls nahe historischer Tiefstände. Zwei Drittel der Amerikaner sind unzufrieden mit der Entwicklung im Land, ähnlich der Stimmung in den Jahren 1994 und 1982, als beide Male die Partei des amtierenden Präsidenten bei dem "Midterm"-Wahlen deutlich verlor. Schlechtere Werte als Bush während der vergangenen sechs Monate hatte während dieser Phase seiner Amtszeit nur ein US-Präsident: Richard Nixon 1974 - im Watergate-Skandal.

Ursache des seit Monaten in den Umfragen zu beobachtenden Sinkfluges der Republikaner und ihres Präsidenten ist nach einhelliger Ansicht der politischen Kommentatoren primär der unpopuläre Krieg im Irak. Für den jüngsten, weiteren Absturz in den Umfragen dürfte der Skandal um die Sex-Mails des republikanischen Abgeordneten Mark Foley an minderjährige, männliche Kongressgehilfen und die späte und zögerliche Reaktion der republikanischen Fraktionsführung darauf sein.

Als kleiner Hoffnungsschimmer für die Republikaner kann gelten, dass sie traditionell effizienter darin sind, ihre Sympathisanten am Wahltag auch tatsächlich an die Urnen zu bringen, was sich speziell bei "Midterm"-Wahlgängen auswirken kann, die üblicherweise von geringerer Beteiligung geprägt sind. Aber auch dieser Trumpf scheint heuer nicht so zu stechen wie üblich: Eine im September durchgeführte Befragung unter 3.000 registrierten Wählern zeigte, dass diesmal jene Wähler, die sich nicht zur Stammklientel einer der beiden großen Parteien zählen, deutlicher als sonst dazu tendieren, "demokratisch" zu wählen. (apa/red)