Viennale von

Der deutsche Film überzeugt in Wien

So stark vertreten wie schon lange nicht mehr - und das in hoher Qualität

viennale © Bild: viennale.at

Halbzeit bei der Viennale 2014 und es zeigt sich: Der deutsche Film ist heuer bei Österreichs größtem Filmfestival so stark vertreten wie schon lange nicht mehr – dies noch dazu in hoher Qualität.

Unter anderem mit dabei ein Großmeister des stillen Kinos: Christian Petzold. Der Regisseur, bekannt für seine elegischen und nachdenklichen Arbeiten, hat seinen neuen Film „Phoenix“ mit im cineastischen Gepäck. Hauptdarstellerin ist dabei erneut Petzolds Muse Nina Hoss. Jene „kühle Blonde“, die schon in seinen Filmen „Barbara“ und „Jerichow“ mit ihrem zurückhaltend-geheimnisvollen Spiel überzeugte. In „Phoenix“ erzählt der Regisseur – wie auch schon in bisherigen Filmen – eine Geschichte über Sinn- und Identitätssuche: Eine Frau (Hoss) ist in den 1940er Jahren Konzentrationslager und Nazi-Schrecken mit entstelltem Gesicht entkommen und kehrt heim zu ihrem Mann (Ronald Zehrfeld). Der erkennt sie jedoch nicht mehr und versucht mithilfe der vermeintlichen Unbekannten ein Komplott zu schmieden.

Auch in die Vergangenheit, wenngleich auch einige Jahrzehnte später, reist Dominik Graf mit „Die geliebten Schwestern“. In seinem Drama widmet sich der Münchner Regisseur („Der Rote Kakadu“, „Dreileben“) der Liebe von Dichterfürst Friedrich Schiller (Florian Stetter) zu den beiden Schwestern Charlotte (Henriette Confurios) und Caroline (Hannah Herzsprung). Unterhaltsam und zugleich poetisch erzählt der Filmemacher nicht nur von einer pikante Ménage-à-trois, sondern auch von der sozialen und gedanklichen Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Leider verliert er sich dabei über weite Strecken zu sehr in seinen Bilderwelten, die bei einer Filmlänge von 170 Minuten definitiv zu ausufernd sind.

Ebenfalls sehenswert: Die deutschen Dokus und Kurzfilme der heurigen Viennale. So etwa „Song from the Forrest“, über einen Aussteiger der mit seinem 13-Jährigen Sohn in seine alte Heimat New York zurückkehrt oder die deutsch-österreichische Co-Produktion „Über Leben“ über eine jüdische Immigrantin die den Ort ihrer Kindheit, die ehemalige Schneiderei ihrer jüdischen Eltern in Wien, besucht und dabei die Bekanntschaft mit einem Bewohner des Grätzels macht.

Viennale-Tipps:
Phoenix: Samstag, 1.11., 21 Uhr, Gartenbaukino & Sonntag, 2.11., 13 Uhr, Urania. In Anwesenheit von Christian Petzold.

Die geliebten Schwestern: Samstag, 1.11., 17 Uhr, Gartenbaukino. In Anwesenheit von Dominik Graf und Henriette Confurius.

Song from the Forrest: Samstag, 1.11., 18 Uhr, Urania & Dienstag, 4.11., 20:30, Urania. In Anwesenheit von Regisseur Michael Obert.

Über Leben: Freitag, 31.10., 19 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus & Dienstag, 4. November, 12 Uhr, Metro.

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