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Viennale: Die Top-Filme

NEWS.AT empfiehlt zehn Filme, die man dieses Jahr nicht verpassen sollte

viennale © Bild: viennale.at

Wenn der Sommer endgültig vorbei ist und die Bäume ihr Laub verlieren, freuen sich die Cineasten: Denn Herbstzeit bedeutet Viennale-Zeit. Von 24. Oktober bis 6. November öffnet Wiens internationales Filmfestival wieder seine Pforten und bewegt die Menschen in die Kinosäle und damit in ferne Welten, die großteils gottseidank fernab Hollywoods liegen. Nun liegt das große Jubiläum, die 50. Ausgabe, bereits ein Jahr in der Vergangenheit, doch auch im Jahr nach der großen Party ist das Filmfest nicht zu müde, um große sowie kleine Filmjuwelen auszugraben und dem Wiener Publikum zu präsentieren. Im Folgenden Viennale-Überblick hat NEWS.AT die Highlights davon herausgepickt:

Blue Jasmine

(von Woody Allen, USA 2013, Spielfilm)
So sicher wie die Viennale jedes Jahr wiederkommt, liefert auch Woody Allen jährlich einen neuen Film ab. Nach dem eher mäßigen „To Rome With Love“ findet der Kult-Regisseur in „Blue Jasmine“ wieder zu alten Formen zurück. Er zeigt mit Cate Blanchett und Sally Hawkins zwei ungleiche Schwestern. Erstere gehört der New Yorker Upperclass an bzw. gehörte, denn über Nacht kommen ihr Ehemann (Alec Baldwin) und damit auch der Wohlstand abhanden und so sucht Jasmine Zuflucht bei ihrer Schwester Ginger, einer Mutter und Hausfrau im ärmlicheren San Francisco. Eine herzzerreißende und gleichsam bitterböse, zynische Tragikomödie im Stile des Woody Allens, den wir lieben.
2. November, 21 Uhr, Gartenbaukino
3. November, 11 Uhr, Gartenbaukino

Nebraska

(von Alexander Payne, USA 2012, Spielfilm)
Alexander Payne kann sich so unaufgeregte wie wunderschöne Filme wie „The Descendants“ oder „Sideways“ auf die Fahnen heften. Sein neuestes Werk porträtiert Woody, einen älteren Mann und irgendwie auch einen Spinner, der auszog, um sein Glück zu suchen, das ihm eine Werbebotschaft versprochen hat. Dass er nicht weit kommt, tut der Qualität dieses liebevollen und geduldigen Filmes keinen Abbruch.
25. Oktober, 20.30 Uhr, Gartenbaukino
5. November, 11 Uhr, Gartenbaukino

Night Moves

(von Kelly Reichardt, USA 2013, Spielfilm)
Einfach sind sie nie, die Filme von Kelly Reichardt, man denke an „Wendy and Lucy“ oder den eigenwilligen Western-Verschnitt „Meek’s Cutoff“. Dennoch ist es die Zeit wert, sich den Filmen der Regisseurin zu widmen, denn man wird jedes Mal reich belohnt. In „Night Moves“ widmet sich Reichardt nun drei Öko-Freaks, die einen Terror-Akt gegen Naturzerstörer verüben, wobei ein Unbeteiligter sein Leben lassen muss. Der Traum von einer besseren Welt wird zum Albtraum der Verfolgung. „Night Moves“ ist ein intensiver und dunkler Film.
30. Oktober, 21 Uhr, Gartenbaukino
2. November, 10.30 Uhr, Gartenbaukino

Pardé

(von Jafar Panahi, Kamboziya Partovi, Iran 2013, Spielfilm)
Er lieferte bereits 2011 einen der eindrucksvollsten Filme der Viennale: Jafar Panahi. Der iranische Regisseur wurde aufgrund seiner Oppositionshaltung Mahmoud Ahmadinedschad gegenüber vor drei Jahren verhaftet und zu einer sechsjährigen Haftstrafe sowie einem zwanzigjährigen Berufsverbot verurteilt. Derzeit befindet sich der Filmemacher in Hausarrest. Während dieses Arrests bzw. einer Depression dabei entstand sein neuester Film „Pardé“, der bereits in Berlin gelaufen ist. „Pardé“ handelt wie bereits auch „In Film Nist“ vom Filmemacher selbst, auch wenn es diesmal keine Dokumentation ist. Panahis Freund und Co-Regisseur Kamboziya Partovi spielt einen Autor, der in einem geschlossenen Raum an einem Drehbuch schreibt, bis er unwillkommenen Besuch erhält. Panahi will damit wieder seine Welt aufzeigen und lässt sich nicht unterkriegen.
31. Oktober, 13.30 Uhr, Urania
3. November, 18 Uhr, Gartenbaukino

Pardé
© © Viennale

Le Passé

(von Asghar Farhadi, F/I 2013, Spielfilm)
Er ist der Regisseur von „Nadar und Simin“. Asghar Farhadi wurde für sein brillantes Meisterwerk letztes Jahr auch mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet – mehr als zu Recht. In „Le Passé“ schafft der Filmemacher wieder ein Werk über zwischenmenschliche Emotionen auf vielschichtigen Ebenen: Samir kehrt nach Paris zurück, um sich von seiner französischen Frau scheiden zu lassen, doch der Plan entpuppt sich als Anstrengung und das Paar wird von der Vergangenheit eingeholt, zudem mischen auch noch Maries neuer Mann sowie die Kinder mit. Man darf sich – nicht zuletzt auch durch Berénice Bejo als Marie – auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle gefasst machen.
1. November, 18 Uhr, Gartenbaukino
3. November, 13.30 Uhr Stadtkino im Künstlerhaus

Razredni Sovraznik (Class Enemy)

(von Rok Bicek, Slowenien 2013, Spielfilm)
Als die Schulklasse einen neuen Deutschlehrer bekommt, der streng sowie verständnislos ist, bekommt dieser bald den Spitznamen „der Nazi“ verpasst. Dann begeht eine Schülerin Selbstmord und der Pädagoge wird dafür schuldig gemacht. Die Schüler werden zu Inquisitoren und wenden sich gegen ihren Lehrer, eine unkontrollierbare Kraft entsteht aus der Gruppendynamik heraus und mit der nie ruhigen Kamera von Fabio Stoll entsteht ein Film, der sogar in seinen ruhigen Momenten vor Unruhe strotzt. Ein großer Debütfilm, der Regisseur Rok Bicek bestimmt zu den ganz Großen hieven wird. PS: „Die Welle“ lässt grüßen.
In Anwesenheit von Rok Bicek.
27. Oktober, 20.30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus
28. Oktober, 13.30 Uhr, Urania

Razredni
© Viennale

Tonnerre

(von Guillaume Brac, Frankreich 2013, Spielfilm)
Auch Guillaume Brac war bereits letztes Jahr mit zwei Filmen Viennale-Gast. Der französische Regisseur liefert mit dem Kurzfilm „Le Naufragé“ und mit „Un Monde Sans Femmes“ feingeistige sowie wunderbare Filme, die vor unfreiwilliger Komik strotzten. Wer sich nun „Tonnerre“ ansieht, wird vor allem beim Schauspieler ein Déjà-Vu haben: Vincent Macaigne kennt man bereits aus den erstgenannten Filmen, nun spielt er Maxime, einen Rockmusiker, der sich im Haus seines Vaters eingebunkert hat, um ein Album aufzunehmen, bis ihm die zauberhafte, 21-jährige Mélodie begegnet, die den Rocker verzaubert. Brac lässt die Emotionen aufgrund der räumlichen Enge in der Provinz nicht zur Ruhe kommen und beschert damit dem Zuschauer ein herrliches Lolita-Drama.
In Anwesenheit von Guillaume Brac
31. Oktober, 15.30 Uhr, Kino am Schwarzenbergplatz
1. November, 21 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus

Oktober November

(von Götz Spielmann, Österreich 2013, Spielfilm)
Zwei ungleiche Schwestern kommen wieder in ihrem Elternhaus in den Alpen zusammen: Sonja hat dieses vor Jahren in Richtung Berlin verlassen, um ihrer Schauspielkarriere erfolgreich nachzugehen. Verena lebt immer noch daheim, kümmert sich um den noch halb aufrechten Gastbetrieb und um den Vater, dessen Herzinfarkt der Grund ist, weshalb die Schwestern wieder zueinander finden. Ein ungemein tiefer Film von Götz Spielmann („Revanche“), der in Ruhe ein dichtes Erzählnetz von nur wenigen Personen zu spinnen vermag und vor allem auch durch das Spiel seiner beiden Hauptdarstellerinnen glänzt.
In Anwesenheit von Götz Spielmann und Mitgliedern des Teams.
31. Oktober, 18 Uhr, Gartenbaukino
3. November, 13.30 Uhr, Urania

Katiyabaa

(von Fahad Mustafa, Deepi Kakkar, Indien 2013, Dokumentarfilm)
Als ein „Gwirks“ würde man hierzulande den Zustand der Stromversorgung in der indischen Millionenmetropole Kanpur bezeichnen. Überall raucht es, funkt es oder brennt es sogar bei dem Kabelsalat, der die Straßen durchzieht. Kurzschlüsse und Stromausfälle sind dabei keine Seltenheit und nebenbei verlegen immer noch Guerilla-Elektriker ihre Leitungen. Dass die Mühe der E-Werk-Leiterin, Ordnung in das Durcheinander zu bringen, vergebens ist, versteht sich von selbst. Klingt zwar nicht komisch, ist es aber bestimmt – allerdings nur auf der Leinwand.
In Anwesenheit von Fahad Mustafa und Deepi Kakkar
26. Oktober, 18.30 Stadtkino im Künstlerhaus
27. Oktober - auf 28. Oktober, 00:00 Uhr, Urania

Katiyabaaz
© Viennale

Sickfuckpeople

(von Juri Rechnisky, Österreich/Ukraine 2012, Dokumentarfilm)
„Sickfuckpeople“ ist eine österreichisch produzierte ukrainische Dokumentation. Juri Rechinsky zeigt eine Gruppe drogensüchtiger Straßenkinder, die in einem zugemüllten Keller in Odessa leben. Der zweite Teil des Filmes zeigt die Kinder Jahre später, als sie sich ein normales Leben erkämpfen wollen. Dabei treffen sie allerdings immer nur auf Hass und Ablehnung. „Sickfuckpeople“ wurde bereits beim Sarajevo Festival mit dem Preis für die beste Dokumentation ausgezeichnet.
27. Oktober, 23 Uhr, Kino am Schwarzenbergplatz
28. Oktober, 18.30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus

Das gesamte Viennale-Programm sowie weitere Infos gibt es unter www.viennale.at.

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