Erste Vorschau für 2013 von

Risikobereite Viennale

Filmfest setzt dieses Jahr wieder auf Spezielles sowie polarisierende Personen

Viennale-Direktor Hans Hurch © Bild: Viennale/Alexi Pelekanos

Die Viennale will sich ein Jahr nach ihrem 50er wieder verstärkt als "Festival der Entdeckungen" positionieren. "Wir sehen derzeit immer die gleichen Namen", wehrte sich der Direktor des Wiener Filmfestivals, Hans Hurch, am Freitag bei der traditionellen Sommer-Pressekonferenz gegen den kulturellen Trend, stets nur das bereits Etablierte zu reproduzieren. "Da fehlt oft die Risikobereitschaft." Entsprechend sind für die kommende Ausgabe von 24. Oktober bis 6. November wieder speziellere Programme und durchaus auch polarisierende Personalen geplant - wie etwa die Retrospektive für Jerry Lewis.

Diese umfangreiche Filmschau, die gemeinsam mit dem Filmmuseum veranstaltet wird, werde "das Publikum teilen wie Moses das Rote Meer", zitierte Hurch die mittlerweile verstorbene Kritikerin Frieda Grafe, die sich zeitlebens eine solche Retrospektive gewünscht habe. "Für die einen ist das Schwachsinn, für die anderen pures Kino", so Hurch, "aber Jerry Lewis war definitiv viel mehr als ein Grimassenschneider und Clown". Der 87-jährige US-Komiker, dem die Reise nach Wien zu anstrengend ist, wird mit mehr als 30 Filmen, einer sechsteiligen Dokumentation sowie zehn Ausschnitten einer TV-Comedy-Reihe gewürdigt.

Serielle Höhepunkte

Das Serielle des Fernsehens, das in den vergangenen Jahren einen Boom erlebte, hat ursprünglich auch die Anfänge des Kinos geprägt. Ein Spezialprogramm widmet sich daher der rund siebenstündigen Serie "Tih-Minh" (1918) von Louis Feuillade sowie Jacques Rivettes über zwölfstündigem "Out 1: Noli Me Tangere" (1970/90). Ebenfalls ein mehrstündiges Ereignis und "einen wichtigen Moment des Festivals" stellt für Hurch Claude Lanzmanns "Der Letzte der Ungerechten" dar, das österreichisch koproduzierte Porträt des Wiener Rabbiners Benjamin Murmelstein. "Alle Höhepunkte sind heuer sehr lang."

Personale und Asien in 3D

Weitere Specials machen das Werk des spanischen Filmemachers Gonzalo Garcia Pelayo erfahrbar, der sich auch als Abenteurer und Zocker einen Namen machte und u.a. das Wiener Casino in den 80er Jahren um ein paar Millionen Schilling erleichert haben soll, sowie die Arbeit des "Sensory Ethnography Lab" von Harvard, in dem seit Jahren eigenwillige Langzeitdokus wie der einstige Viennale-Hit "Leviathan" entstehen. Zu guter Letzt ist auch eine Mitternachtsreihe mit asiatischem Genrekino in 3D geplant, und eine kleine Personale wirft auch einen Blick auf das Ausnahmekönnen des jungen Österreichers Johann Lurf.

Neuer Woody Allen, starkes Deutschland

Auch im regulären Programm befinden sich mit Götz Spielmanns neuem Film "Oktober November" - passenderweise auch die Viennale-Monate, wie Hurch anmerkte - und Gustav Deutschs "Shirley - Visions of Reality" bereits zwei fixierte österreichische Produktionen. Für Hurch heuer auffallend ist ein starkes deutsches Kino ("das war in letzten Jahren nicht immer so") mit Filmen von u.a. Harun Farocki und Klaus Lemke sowie ein wieder erstarktes US-Independentkino mit Filmen von Andrew Bujalski und David Gordon Green. Jüngst entdeckt wurden zudem die neuen Filme der US-Stars Woody Allen und Frederick Wiseman.

Stargast noch geheim

Den diesjährigen Stargast wollte Hurch zwei Monate vor dem Festival noch nicht verraten. Als Sujet ziert das grünlich eingefärbte Plakat ein 160 Jahre alter Lichtabdruck von William Henry Fox Talbot.

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