Vienna City Marathon war ein voller Erfolg:
Haile Gebrselassie ließ die Stadt erstrahlen

Äthiopiens Legende machte gute Werbung für Wien So viele Läufer wie noch nie erreichten heuer das Ziel<br>Wehmut: Streckenrekord wäre heuer drin gewesen

Vienna City Marathon war ein voller Erfolg:
Haile Gebrselassie ließ die Stadt erstrahlen © Bild: GEPA/Hörmandinger

Mit guten Zeiten im Marathon, einer starken Performance des äthiopischen Superstars Haile Gebrselassie über die halbe Distanz und geschätzten 400.000 Zuschauern entlang der Strecke und auf dem Heldenplatz ist der 28. Vienna City Marathon (VCM) am Sonntag ein großer Erfolg gewesen. Die Auflage 2012 steht unter dem Motto "A Kiss Moves the World" und damit im Zeichen des Malers Gustav Klimt, die Veranstaltung geht am 15. April und somit anders als heuer wieder nach Ostern in Szene.

Gebrselassie überstrahlte 2011 alles. "Haile ist uns passiert, er ist in keinem Marketingkonzept gestanden", meinte Veranstalter Wolfgang Konrad zum besonderen Glücksfall. "Aber eine schlechte Veranstaltung mit Haile ist auch nur die halbe Miete. Organisatorisch war dies das Beste, das wir je abgeliefert haben. Und auch wenn nichts aus dem Streckenrekord geworden ist, hatten wir einen sportlich hochwertigen Marathon", zog Konrad am Montag Bilanz.

Der Kenianer John Kiprotich hatte in 2:08:29 Stunden vor seinem Landsmann Patrick Ivuti (2:08:41) gewonnen, den Streckenrekord von 2:07:38 aber verpasst. "Das tut ein bisschen weh, weil das Feld so gut wie nie war und wir beste Bedingungen hatten. Wolkenlos, kühl und kein Wind. In Wahrheit ist das der 'goldene Schuss', aber die Athleten haben das Tempo nicht angenommen", erklärte Konrad. Ein Problem könnte mit Fortdauer des Rennens die direkte Sonneneinstrahlung gewesen sein. "Die hat ihnen wohl den Zahn gezogen."

Unbezahlbare Werbung
Dass es für Ausnahmeläufer Gebrselassie mit 60:18 Minuten nicht zu einer Zeit unter einer Stunde gereicht hatte, war wohl dem hohen Anfangstempo des ohne Hasen laufenden Marathon-Weltrekordlers zuzuschreiben. Der Superstar war an den drei Tagen seines Wien-Aufenthaltes in jeder Minute ein Profi, erfüllte Autogrammwünsche en masse und hatte - die eine Stunde während des Rennens, in der er sich voll auf die Aufgabe konzentriert hatte, ausgenommen - stets ein Lächeln im Gesicht. "Obwohl er ein sehr großer Diplomat ist, glaube ich, dass jedes Wort, dass er gesprochen hat, von Herzen kam", meinte Konrad.

Gebrselassie hat gute Werbung für den VCM gemacht. Seine nach dem Halbmarathon getätigten Aussagen, dass die Strecke bei weitem nicht so schwierig sei, wie er gehört habe, und dass er nun auch einen Marathonstart ins Auge fasse, wurden beim Veranstalter mit großem Wohlwollen aufgenommen. Konrad: "Das Vertrauen in die Möglichkeit, hier schnell zu laufen, ist gestiegen."

Für die Bewerbe des VCM waren 32.542 Läuferinnen und Läufer gemeldet, 8.044 davon für den Marathon. Insgesamt 28.368 und damit so viele wie noch nie waren auch ins Ziel gekommen, im Marathon waren es 5.914. "Inszenierung, Spitzensport, Sicherheit - diese drei Säulen haben wir verstärkt im Auge", sagte Organisationsleiter Gerhard Wehr. Man sei auf einem sehr hohen Niveau angekommen. "Der Marathon ist weit mehr als Start, Strecke, Ziel. Es hat sogar einen Heiratsantrag auf dem Heldenplatz gegeben." Das Rote Kreuz meldete 282 Interventionen, das Schlimmste sei ein Handbruch bei einem Sturz gewesen.

(apa/red)