Viele US-GIs finden Folter "normal": Viele Soldaten leiden im Irak unter Traumata

10% geben Gewalt gegen Zivilisten sogar schon zu

Viele US-Soldaten im Irak sind nach einer internen Untersuchung gegenüber der Anwendung von Folter aufgeschlossen. Mehr als ein Drittel der Soldaten halte Folter an Irakern für gerechtfertigt, wenn dadurch das Leben eines Kameraden gerettet werden könne, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Zehn Prozent hätten angegeben, Zivilisten misshandelt oder deren Eigentum ohne Not zerstört zu haben.

Weniger als ein Drittel sei bereit, ethisches Fehlverhalten von Kameraden bei den Vorgesetzten zu melden. Die Gesundheitsexperten der Armee kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass vor allem die langen Einsatzzeiten die Moral der Soldaten sinken lassen und zu einer gewissen Verrohung führen könnten. Besonders jene Soldaten, die zum zweiten oder dritten Mal im Irak stationiert seien, zeigten sich aufgeschlossen für Gewalt gegen Zivilisten.

Die Experten schlagen vor, den Einsatz auf ein Jahr zu begrenzen und 18 bis 36 Monate zwischen zwei Entsendungen verstreichen zu lassen. Wegen Personalmangels hat die US-Armee indes kürzlich die Entsendezeit auf 15 Monate heraufgesetzt. Nur mit Mühe kann sie ihren Soldaten ein Jahr Heimateinsatz zwischen den Irak-Entsendungen gewähren.

Die Chefärztin der US-Armee, Gale Pollock, wies angesichts der Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass zwischen Gedanken und Taten der Soldaten unterschieden werden müsse. "Sie handeln nicht nach ihren Gedanken, sie foltern nicht", sagte sie. In der Bereitschaft zur Gewalt spiegele sich wider, dass die Soldaten "ihre Kameraden haben leiden sehen". In dieser Situation seien derartige Gedanken "normal".

Für die Studie befragte die Armee zwischen August und Oktober vergangenen Jahres im Irak knapp 1.800 US-Soldaten. Die Ergebnisse wurden bisher unter Verschluss gehalten. (APA)