Viele OECD-Länder schlittern in Rezession:
Zahl der Arbeitslosen auf 8 Mio. geschätzt

Wachstum soll im OECD-Raum um 0,4 Prozent sinken 2010 wird wieder ein Wirtschaftswachstum erwartet

Viele OECD-Länder schlittern in Rezession:
Zahl der Arbeitslosen auf 8 Mio. geschätzt © Bild: APA/Roessler

Eine düstere Prognose liefert die OECD in ihrem veröffentlichten Wirtschaftsausblick: Viele OECD-Länder befinden sich derzeit inmitten oder am Rande einer langanhaltenden Rezession, deren Ausmaß "seit Anfang der 1980er Jahre ohne Beispiel" sei. Infolgedessen könnte die Zahl der Arbeitslosen im 30 Länder umfassenden OECD-Raum in den nächsten beiden Jahren um acht Millionen zunehmen. Gleichzeitig werde die Inflation in allen OECD-Ländern nachlassen, und für einige bestehe sogar ein, wenn auch geringes, Deflationsrisiko.

Der Ausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für das Jahr 2009 fällt negativ aus: Um 0,4 Prozent werde die Wirtschaft im OECD-Raum im nächsten Jahr schrumpfen. Für die Euro-Zone steht ein Minus von 0,6 Prozent bevor. Wachstum gibt es unter den EU-Staaten nur mehr bei den neuen Mitgliedsländern, Finnland und Griechenland. In diesem Zusammenhang kommt Österreich mit einem Minus von 0,1 Prozent noch glimpflich davon. 2010 soll es in der OECD wieder leicht aufwärts gehen.

Zahl der Arbeitslosen steigt
Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich in den nächsten beiden Jahren verschlechtern, so die Prognose: Demnach wird für das Jahr 2009 ein Anstieg um einen Prozentpunkt auf 6,9 Prozent Arbeitslosigkeit erwartet, im Jahr 2010 werde die Arbeitslosigkeit auf 7,2 Prozent steigen, Die Teuerung geht demnach im gesamten OECD-Raum stark zurück: Nach 3,3 Prozent Inflation im Jahr 2008 werden für 2009 nur mehr 1,7 Prozent erwartet. Im Jahr 2010 soll die Inflation noch weiter sinken, und zwar auf 1,5 Prozent.

Massiv von den wirtschaftlichen Problemen im Zuge der Finanzkrise betroffen sind die großen Volkswirtschaften: Frankreich mit Minus 0,4 Prozent, Deutschland mit Minus 0,8 Prozent, Italien mit Minus 1,0 Prozent und Großbritannien mit Minus 1,1 Prozent. Auch für die USA sieht die OECD ein Minus von 0,9 Prozent voraus - damit kann kein Land als "Konjunkturlokomotive" einspringen. Überdurchschnittlich hart betroffen sind aber auch kleine, zuletzt schnell wachsende Wirtschaften: Luxemburg mit Minus 0,5 Prozent, das EU-Vorzeigeland Irland mit Minus 1,7 Prozent und das von Bankenzusammenbrüchen gebeutelte Island mit einem satten Einbruch von 9,3 Prozent.

Prognosen ohne Konjunkturpakete
Das stärkste Wachstum sieht die OECD für Ungarn (4,0 Prozent) und Polen (3,0 Prozent) voraus - aber auch für diese Länder entspricht dies fast einer Halbierung gegenüber 2008. Deutlich positiv sind noch Korea (2,7 Prozent), Tschechien (Plus 2,5 Prozent), Australien (plus 1,7 Prozent) und die Türkei (1,6 Prozent).

Die Prognosen sind aber noch ohne die angekündigten Konjunkturpakete gerechnet. In Deutschland werden derzeit Milliarden-Maßnahmen im Parlament diskutiert. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat innerhalb der nächsten zehn Tage ein Programm angekündigt. In den USA sind 700 Mrd. Dollar - zusätzlich zum ebenfalls 700 Mrd. Dollar schweren Banken-Rettungspaket - vom künftigen Präsidenten Barack Obama angekündigt. In Großbritannien werden 20 Mrd. Pfund aufgebracht, unter anderem für die Senkung der Mehrwertsteuer, in Italien will Berlusconi den Familien vier Mrd. Euro zur Verfügung stellen und in Österreich plant die neue Regierung ebenfalls Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur.

Zeichen stehen auf Kurzarbeit
Passend zu den düsteren Zukunftsaussichten sind auch die aktuellen Meldungen von den Unternehmen. Der Computerriese Hewlett-Packerd bekräftigte zwar seine Prognosen, aber sonst stehen die Zeichen auf Kurzarbeit: ThyssenKrupp sperrt über Weihnachten vier Wochen zu, VW denkt laut über eine längere Weihnachtspause nach, ArcelorMittal streicht in den USA 2.500 Stellen, BMW baut 500 Stellen mehr ab als geplant, Daewoo sperrt im Dezember Teile der Produktion zu, der LKW-Absatz in Europa ist im Oktober um 17 Prozent eingebrochen, der Handy-Verkauf in Europa lag im dritten Quartal um acht Prozent niedriger als im Vorjahr. Und laut einem Bericht des Wall Street Journal soll sich Google von einem Großteil seiner 10.000 Leiharbeiter trennen.
(apa/red)