Viel Glanz, wenig Elend

Heinz Sichrovsky über die Ära Ioan Holender PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Viel Glanz, wenig Elend © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Begleitet von satirischen Einlassungen meiner Kollegen, beging der Staatsoperndirektor das Einhundertvierzigjahrjubiläum seines Instituts. Doch weshalb das Jubiloid nicht für eine Bilanz der 18 Jahre währenden Ära Holender nutzen? Das Wichtigste: Das schon totgeschriebene Repertoiresystem lebt mit viel Glanz und etwas Elend. Das 21. Jahrhundert ausgenommen, erfüllt das Angebot an Werken auch avancierte Ansprüche. Gesanglich ist kein anderes Haus vergleichbar aufgestellt. Hier wirkt nicht nur die fast komplette Höchstprominenz, sie wurde auch maßgeblich vor Ort entdeckt. Die Staatsoper ist das einzige Haus ihrer Liga, an dem sich junge Sänger bis zur Weltklasse entwickeln können (und es, man freue sich an den Rheintöchtern, Walküren und Nornen im „Ring“, nach wie vor tun). Um große Dirigenten hat sich der Direktor später bemüht, doch gab es Sternstunden mit Thielemann und Welser-Möst, den zum perfekten Zeitpunkt in Position gebracht zu haben Holenders einschlägiges Hauptverdienst bleibt. Die Crux ist das Szenische. Gewiss, das Repertoiresystem setzt Grenzen. Doch wurde an der Staatsoper in 18 Jahren keine maßstabsetzende Inszenierung (wie zuvor von Wieland Wagner, Strehler, Visconti, Schenk) kreiert. Und das ist womöglich besser: Ohnehin vergammeln hier Alt und Neu, Gut und Schlecht im probenfreien Raum.