Viel Aufregung um Republiks-Ausstellung: Parlament als Präsentationsort noch unklar

Prammer: 'Ausstellungsort keine beschlossene Sache' Nationalratspräsidentin ist verwundert und verärgert

Viel Aufregung um Republiks-Ausstellung: Parlament als Präsentationsort noch unklar © Bild: APA/Techt

Die Präsentation der Ausstellung zum 90-Jahr-Jubiläum der Republiksgründung hat einen veritablen Wirbel ausgelöst. Die Organisatoren, die Historiker Stefan Karner und Lorenz Mikoletzky, hatten in einer Pressekonferenz die Pläne für die Schau vorgestellt und das Parlament als Ausstellungsort genannt. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer reagiert darauf verwundert und verärgert. Das Parlament als Ausstellungsort sei noch keineswegs beschlossene Sache.

Laut Prammer wolle sie vor der definitiven Zusage noch mit den Klubobleuten der fünf im Parlament vertretenen Parteien sprechen. Es sei Usus, dass bei so großen Projekten immer auch das Einvernehmen aller Fraktionen gesucht werde.

"Parlament kein Museum"
Prammer betonte weiters, dass sie - wie die Ausstellungsmacher - das Parlament als besten Ort für die Republiks-Schau halte. Allerdings sei das Parlament kein Museum. "Es muss während der Ausstellung die Arbeit der Abgeordneten möglichst ungehindert weitergehen", so die Präsidentin.

Konzept fehlt
Nach wie vor fehle ein detailliertes Konzept. "Wir wollen wissen, was wir uns ins Haus holen", betonte Prammer. Es werde bestimmt keine Zensur geben, allerdings sei auch die Behandlung von heiklen Themen geplant. Die Ausstellung sollte von möglichst allen Fraktionen mitgetragen werden.

Organisatoren verärgert
Karner erklärte dazu gegenüber der APA, Präsidentin Prammer werde seit Monaten über das Projekt detailliert informiert. Die Organisation erfolge im Auftrag der Bundesregierung - nach einem entsprechenden Ministerratsbeschluss, in dem das Parlament als Ausstellungsort genannt sei. Es gebe auch eine interministerielle Arbeitsgruppe. Ein hochrangiger Beamter der Parlamentsdirektion sei die Kontaktperson zu den Ausstellungsmachern. Die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs sei für den Ausstellungsort Parlament erfolgt. Die Architekten seien längst bestellt und arbeiten bereits für die Ausstellung.

Jahrestag: Republiksgründung
Die Ausstellung anlässlich des 90. Jahrestages der Republiksgründung soll das Demokratieverständnis "weiterführen", erklärten die wissenschaftlichen Leiter der Schau, Karner und Mikoletzky, bei ihrer Pressekonferenz. Rund um diese Ausstellung gebe es ein "zeitgeschichtliches Gesamtpaket", mit dem die Republik Österreich versuche, sich selbst darzustellen. Geplant seien u.a. Filmabende, Diskussionen, wissenschaftliche Tagungen und ein Begleitband zur Ausstellung.

Karner betonte, eine "breite Sicht der Dinge, die Kontinuitäten und die Brüche in der Geschichte der Republik aufzeigen" zu wollen. Auch "heikle Themen" wollen die Ausstellungsmacher nicht aussparen. "Es wird nichts unter den Teppich gekehrt", versicherte der Historiker. Brüche, wie die Jahre 1933/34 oder 1938 sollen "klar dargestellt" werden, ebenso Begriffe wie "Austrofaschismus" und "Ständestaat" oder der NS-Begriff "Systemzeit".

(apa/red)