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Vettels Hoffnung stirbt zuletzt

Trotz Feuer am Dach hat man bei Red Bull vor Monaco-GP noch lange nichts aufgegeben

Sebastian Vettel © Bild: APA/EPA/Suki

Fünf Jahre, 99 Rennen, vier Weltmeistertitel in Folge. Sebastian Vettel kann auf seine bisherige Zeit mit Red Bull Racing sehr stolz sein. Aber ausgerechnet im Jahr, in dem die Formel-1 nach Österreich zurückkehrt, hat Mercedes den rot-weiß-roten Rennstall des Deutschen als dominierendes Team abgelöst. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, das machte auch Teamchef Christian Horner in Monaco klar.

"Niemand hat irgendetwas aufgegeben und Sebastian am allerwenigsten", beteuerte der Engländer in Monaco vor dem 100. GP-Rennen Vettels für das österreichische Team und rund einen Monat vor dem Heimrennen in Spielberg. Zum einen sei Vettel ein echter Kämpfer und zweitens habe man so eine Situation auch 2012 bereits erlebt.

Damals hatte Vettel nur eines der ersten 14 Rennen gewonnen und erst im Finish mit vier Siegen in Folge das Ruder herumgerissen. Letztlich gewann er den Titel im letzten Rennen drei Punkte vor Fernando Alonso, der damals schon 40 Zähler voraus gelegen war.


Vettel war 2009 von Toro Rosso zu Red Bull gewechselt und war sofort Vizeweltmeister geworden. Er habe damals aber durchaus auch Fehler gemacht, gestand der Deutsche in Monaco freiwillig ein. "Aber es waren Fehler, die ich machen musste, damit dann alles andere passieren konnte", blickte Vettel mehr als zufrieden zurück.

Großartige Bilanz

Denn in den folgenden vier Jahren gewann er von 2010 bis 2013 jeweils den Titel. 38 Siege, 62 Podestplätze und 45 Poles in 99 Rennen mit Autos des Star-Designers Adrian Newey sind eine großartige Bilanz für den jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte.

Ricciardo heizt kräftig ein

2014 ist aber Feuer am Dach. Mercedes hat nach einer Regel- und Technik-Revolution die Red-Bull-Rolle übernommen und die ersten fünf Saisonrennen gewonnen, Vettel war vor Monaco mit gerade mal einem Podestplatz abgeschlagener WM-Vierter. Zudem heizt Neo-Teamkollege Daniel Ricciardo dem Deutschen, der mit dem neuen V6-Hybrid-Turbo bisher noch nicht optimal zurecht gekommen ist, mächtig ein.

Hoffnung durch doppelte Punkte

Nicht nur die Tatsache, dass es 2014 erstmals doppelte Punkte beim Finale gibt, macht dem Champion aber Hoffnung. In Spanien fuhr er zuletzt von Platz 15 auf Rang vier, es geht also aufwärts. Vor allem weil Renault den Antriebsstrang immer mehr optimiert. "Bisher hat sich Sebastian schwergetan", bestätigte Horner, dass Vettel speziell beim Anbremsen von Kurven noch nicht das richtige Gefühl für seinen RB10 hatte.

Vor allem Motorenpartner Renault muss weiter nachlegen, will man die Mercedes-Dominanz noch in diesem Jahr brechen. Dort wurde am Samstag die Verlängerung mit dem malaysischen Mineralöl-Partner Petronas präsentiert und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche machte dabei klar, dass es im Konzern nicht den geringsten Vorbehalt gegen die Formel-1-Ambitionen gibt.


Gegen möglicherweise aufkommende Langweile verwehrte sich Zetsche. "Vier Jahre lang hat ein anderes Team dominiert. Wir haben gerade einmal fünf Rennen gewonnen."

Situation wird schwieriger

Man muss aber davon ausgehen, dass es aus technischen Gründen in dieser Tonart vorerst weiter geht. Noch hat man bei Red Bull nichts aufgegeben, aber es ist klar, dass die Situation für Red Bull, aber auch Ferrari mit jedem Mercedes-Sieg schwieriger wird.

Ein Schlüsselmoment könnte ausgerechnet das "Heimrennen" in Spielberg werden. Kann Red Bull auch beim achten von 19 Saisonrennen noch nicht wirklich um den Sieg mitfahren, muss man die WM 2014 wohl vorzeitig abschreiben. Man darf aber davon ausgehen, dass die Mannschaft von "Gastgeber" Dietrich Mateschitz sowie Renault alles tun, damit der erste Heimauftritt seit langem auch sportlich ein möglichst großer Erfolg wird.

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