Vettel versetzt 'kleine Bullen' in Euphorie:
Toro Rosso holt erste Pole der Geschichte

Premiere für deutschen Jungstar und Toro Rosso Räikkönen und Hamilton nur auf Rängen 14 und 15

Vettel versetzt 'kleine Bullen' in Euphorie:
Toro Rosso holt erste Pole der Geschichte
© Bild: AP/Bruno

Der steile Formanstieg beim Formel-1-Team Toro Rosso hat in der ersten Pole Position für den österreichisch-italienischen Red-Bull-Rennstall gegipfelt. Ausgerechnet beim Grand Prix von Italien in Monza gelang Sebastian Vettel sensationell der erstmalige Sprung auf die Pole Position, in der Regenlotterie verwies der erst 21-jährige Deutsche in 1:37,555 Minuten den Finnen Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) und den Australier Mark Webber (Red-Bull-Renault) auf die Plätze zwei und drei.

Vettels französischer Toro-Rosso-Teamkollege Sebastien Bourdais rundete das für Red Bull bisher mit Abstand erfolgreichste Qualifying des Formel-1-Engagements von Dietrich Mateschitz mit Rang vier ab. Vettel, in Deutschland in Anlehnung an den siebenfachen Champion Michael Schumacher oft "Baby Schumi" genannt, avancierte damit auch zum jüngsten Pole-Position-Piloten der Formel-1-Geschichte.

"Grande, grande, grandissimo!"
"Was soll ich sagen? Es ist unglaublich, ich bin sehr glücklich. Ich habe immer von einer Formel-1-Karriere geträumt und wollte um Pole Positions und Siege kämpfen. Aber dass es heute gelingt, damit habe ich nicht gerechnet. Dieses Ergebnis ist ein großer Erfolg für unser Team. Grande, grande, grandissimo", jubelte Vettel, der Youngster aus dem mit Ferrari-Motoren fahrenden und in Faenza beheimateten Toro-Rosso-Team.

Vor dem Qualifying habe Vettel angesichts des Regens noch mit den Ingenieuren gescherzt: "Heute gehen wir auf die Pole los." Kommende Saison wird Vettel von Toro Rosso zum "großen Bruder" Red-Bull-Renault wechseln und dort die Nachfolge des zurücktretenden Routiniers David Coulthard antreten.

WM-Aspiranten nach hinten gespült
Weniger gut lief es im Qualifying für die WM-Aspiranten, die im Regen teilweise weit nach hinten gespült wurden. Am schlimmsten erwischte es Weltmeister Kimi Räikkönen (Ferrari) und WM-Leader Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), der Finne und der Engländer belegten im Qualifying lediglich die Ränge 14 und 15. Von den Top-Vier der WM-Wertung noch am besten aus der Affäre zog sich der aktuelle WM-Zweite Felipe Massa (BRA/Ferrari) mit Rang sechs. Für den WM-Dritten Robert Kubica (POL/BMW) blieb nur Rang elf.

Gerhard Berger, Tiroler Mitbesitzer des seit 2006 in der WM fahrende Toro-Rosso-Teams, zeigte sich natürlich überglücklich: "Ich habe hier in Monza schon viele großartige Momente erlebt, dieses Qualifying zählt aber sicher zu den schönsten. Das ist eine klassische Teamleistung, das Auto ist schnell und gut. Wir haben ein gutes Setup für trockene und nasse Verhältnisse entwickelt, die Fahrer haben das umgesetzt."

Favoriten sind trotzdem andere
Für das Rennen sieht Berger ("Alle Teammitglieder verdienen sich eine Gehaltserhöhung") seine Fahrer für trockene und nasse Verhältnisse gut gerüstet. "Das ist uns völlig egal, vielleicht sind die Chancen bei Regen etwas größer. Aber wir sind gerüstet, um weit vorne mitzufahren", erklärte Berger, 1988 für Ferrari gefeierter Monza-Triumphator. Als Teamchef von Toro Rosso fungiert ja mit Franz Tost ein weiterer Tiroler.

In der Favoritenrolle fürs Rennen sieht Berger Vettel allerdings keinesfalls. "Ich glaube nicht, dass wir um den Sieg mitfahren können. Man sollte nicht zu träumen beginnen. Vor allem im Trockenen sind sicher McLaren und Ferrari vorne." Vettel nimmt in Monza erst den 21. Grand Prix seiner Karriere in Angriff. Debütiert hatte er 2007 in den USA als Ersatzmann im BMW-Sauber-Team für den zuvor in Kanada verunfallten Kubica.

Qualifying-Endstand:
1. Sebastian Vettel GER Toro-Rosso-Ferrari 1:37,555
2. Heikki Kovalainen FIN McLaren-Mercedes 1:37,631
3. Mark Webber AUS Red-Bull-Renault 1:38,117
4. Sebastien Bourdais FRA Toro-Rosso-Ferrari 1:38,445
5. Nico Rosberg GER Williams-Toyota 1:38,767
6. Felipe Massa BRA Ferrari 1:38,894
7. Jarno Trulli ITA Toyota 1:39,152
8. Fernando Alonso ESP Renault 1:39,751
9. Timo Glock GER Toyota 1:39,787
10. Nick Heidfeld GER BMW-Sauber 1:39,906
11. Robert Kubica POL BMW Sauber 1:36,697
12. Giancarlo Fisichella ITA Force-India-Ferrari 1:36,698
13. David Coulthard GBR RedBull-Renault 1:37,284
14. Kimi Raikkönen FIN Ferrari 1:37,522
15. Lewis Hamilton GBR McLaren 1:39,265
16. Rubens Barrichello BRA Honda 1:36,510
17. Nelson Piquet BRA Renault 1:36,630
18. Kazuki Nakajima JPN Williams-Toyota 1:36,653
19. Jenson Button GBR Honda 1:37,006
20. Adrian Sutil GER Force-India-Ferrari 1:37,417

(apa/red)