Verzetnitsch-Rücktritt: Meinungsforscher zu Auswirkungen auf Nationalrats-Wahl

Karmasin: "Ganz ohne Auswirkung geht es nicht ab" Gusenbauer: "ÖVP soll sich nicht zu früh freuen"

Überrascht zeigten sich Meinungsforscher vom raschen Rücktritt von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch wegen der BAWAG-Affäre. Auf Auswirkungen der Causa für die spätestens im November stattfindenden Nationalratswahlen vor allem für die SPÖ angesprochen, reagierten Fritz Karmasin vom Gallup-Institut und Werner Beutelmeyer vom market-Institut vorsichtig. "Es wird eine gewisse eingeschränkte negative Auswirkung" für die SPÖ haben, meinte Beutelmeyer. Und Karmasin sagte, "ganz ohne Auswirkungen wird es nicht abgehen".

Derzeit habe der politische Marktanteil der SPÖ eine "Delle nach unten", so Beutelmeyer. Die SPÖ sei in den Umfragen immer vorn gelegen, "vielleicht gibt es jetzt eine Patt-Situation mit der ÖVP". Allerdings sei der Herbst noch in weiter Ferne und "das Kurzzeitgedächtnis der Wähler ist sehr kurz". Andererseits könnte die Geschichte dann weiter gehen, wenn es Prozesse im Herbst gebe und ein gerichtliches Nachspiel für Vorstände behandelt werden. "Wenn das noch einmal aufgemischt wird", könnte das Auswirkungen haben.

Neueste Umfragewerte selbst gibt es derzeit nicht. Karmasin erklärte auf Anfrage der APA, die ÖGB-Krise "kann Verunsicherung bei den SPÖ-Wählern" bewirken. Und "natürlich werden das die politischen Gegner ausschlachten". Je schneller die Causa aber bereinigt werde, desto weniger Auswirkungen werde es geben.

SPÖ-Chef: ÖVP soll sich nicht zu früh freuen
"Die ÖVP soll sich nicht zu früh freuen", erklärte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer zum Rücktritt von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Die Österreicher würden "von der hämischen Schadenfreude" nicht beeindruckt sein. Immerhin habe Verzetntisch die politische Verantwortung für die BAWAG wahrgenommen. "Bei der Nationalratswahl geht es um etwas ganz anderes, um die Verantwortung für die Rekordarbeitslosigkeit in Österreich, um die sinkenden Einkommen, den sozialen Bildungsabbau. Diese Verantwortung wird die schwarz-bunte Regierung wahrzunehmen haben", so Gusenbauer.

Voves glaubt an "ganz große Rolle" bei Wahl
Der steirische SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves glaubt, dass die BAWAG-Spekulationen und der Rücktritt von Verzetnitsch bei der bevorstehenden Nationalratswahl eine "ganz große Rolle" spielen wird. Auch dass es zu einer Vorziehung der Wahl kommen könnte, wollte Voves nicht ausschließen. Den Rücktritt des ÖGB-Chefs bezeichnete der LH als "richtig und wichtig".

Er halte zwar nichts von "Sippenhaftung" und glaube nicht, dass Parteivorsitzender Alfred Gusenbauer mit den Karibik-Geschäften der Gewerkschaftsbank in Verbindung zu bringen sei, "doch der politische Gegner wird es versuchen", meinte Voves. Dass die Wahl vorgezogen werden könnte, schließe er nicht aus, wenn er auch "dahingehend keine konkreten Informationen" habe. (apa/red)