Hasen-Hölle: Das dreckige
Geschäft mit Versuchskaninchen

Fotos zeigen miserable Zucht-Bedingungen. Verkauft wird an die Medizin-Uni Wien.

Sie werden in ihrem kurzen Leben nichts anderes zu sehen bekommen als den Stall, in dem sie aufwachsen, das Innere eines Kastenwagens und ein Tierversuchslabor. Und schon die erste Station, der Zuchtstall irgendwo in Niederösterreich, zeigt den Stellenwert der Versuchskaninchen: Sie werden gehalten wie Tiere zweiter Klasse, der letzte Dreck vom Bauernhof.

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© Video: News

Dem „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) wurden zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen aus dem Inneren des Zuchtbetriebs zugespielt. Dabei handelt es sich um einen Bauernhof, der mit Produkten aus qualitativ hochwertiger Landwirtschaft wirbt und gleichzeitig Kaninchen für Tierversuche züchtet. Hier ist von Qualitätslandwirtschaft allerdings wenig zu erkennen.

Der VGT schätzt, dass in dem Stall mehr als 3.000 Kaninchen untergebracht sind. In einigen Käfigen drängen sich vier, fünf, sechs Kaninchen auf engstem Raum. Teile des Stalles starren vor Schmutz. Einige Tiere haben Verletzungen und kahle Stellen. Letztere könnten auf eine Pilzerkrankung hinweisen oder auf Bakterien.

© News/VGT

Tierhalteverordnung nicht eingehalten

News hat einige der Fotos einer Tierärztin und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für Kleintiere, Tierhaltung und Tierschutz gezeigt. Diese meint, dass hier definitiv weder die sogenannte Tierhalteverordnung noch die Tierversuchsverordnung eingehalten würden.

Abnehmer der Kaninchen ist die Medizinische Universität Wien. Pro Woche werden 100 bis 200 Kaninchen an die Med-Uni geliefert, die mit diesen Blutersatzmittel und Medikamente testet. Dann werden die Tiere getötet – „schmerzfrei“, wie seitens der Universität erklärt wird. Die Med-Uni sei nicht berechtigt, vor Ort Kontrollen bei Züchtern durchzuführen, heißt es in einer Stellungnahme. Sollte es konkrete Vorwürfe geben, werde man diesen nachgehen, auf Aufklärung drängen und gegebenenfalls entsprechende Schritte setzen.

© VGT

Die Frage ist auch, warum trotz der im Gesetz vorgesehenen tierärztlichen Betreuung bzw. behördlichen Kontrolle Zustände wie auf den Fotos möglich sind. Der Züchter erklärt, er arbeite im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und habe auch die dafür erforderliche Genehmigung. Die Fotos würden nicht aus seinem Betrieb stammen. News geht aufgrund einer Vielzahl an vorliegenden Anhaltspunkten trotzdem davon aus, dass die Fotos von dort sind.

News hätte sich gerne selbst ein Bild gemacht. Der Landwirt erklärte jedoch, er könne den Kaninchenstall nicht herzeigen. Der Grund: „Hygienevorschriften“. Nach einigem Hin und Her schickte er ein paar Nahaufnahmen von jungen Kaninchen in blitzsauberen und geräumigen Käfigen bzw. Haltebuchten.

© VGT

Zukunft der Kaninchen

Offen blieb, ob das dauerhaft ist und ob es jetzt allen Kaninchen dort so gut geht. David Richter, Tierschützer beim VGT, fordert jedenfalls ein Verbot der Käfighaltung für Versuchskaninchen, „wie wir das bei Mastkaninchen bereits durchgesetzt haben“. Tatsächlich sind Versuchstiere rechtlich schlechter gestellt als andere Tiere. Die Frage ist, weshalb das auch für die Haltungsbedingungen bei der Aufzucht gelten soll.

Kommentare

Nutztierhaltung gibt es seit anbeginn der Zivilisation. Ist für dich also generell eine zivilisierte Gesellschaft eine kranke gesellschaft ? Was ist für dich dann gesund ?

Wer so etwas tut, zulässt und befürwortet ist ein Verbrecher. Ein Zeichen für absolute Verrohung vieler Menschen. Jegliche Tierausbeutung gehört sofort gestoppt. Jagd, Tierversuche, Schlachthöfe, Nutztierhaltung und ähnliches sind Zeichen einer kranken Gesellschaft.

Tanya Weghofer

Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen... Vor allem wenn man bedenkt, dass das erst der Anfang ist für diese unschuldigen Geschöpfe. Die wahre Folter steht noch bevor..
Immer wieder ein Wahnsinn, zu was Menschen fähig sind.

Vielen Dank für die Berichterstattung! Meiner Meinung nach irrsinnig wichtig, die Bevölkerung diesbezüglich wachzurütteln!!

fuerTiere

Jedes Jahr werden über 12 Millionen Tiere in Laboren der EU gefoltert und getötet – für den Biologieunterricht, das Medizinstudium, aus Wissbegier und zum Testen von Chemikalien, Medikamenten, Lebensmitteln und Konsumgütern.

Es überrascht mich, dass das Entsetzen und der Aufschrei gegen Tierversuche von Menschen immer nur anhand von solchem Filmmaterial oder Berichten stattfindet. Was in dem Film zu sehen ist, ist nicht mal die Spitze des Eisberges. Solche Quälereien finden allerorts, laufend und zu jeder Zeit statt. Ist das denn niemanden bewusst?

Peter Adler
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Das ist skandalös für die medizinische Forschung. Schrecklich für die Tiere.
Wie soll man mit kranken Tieren seriöse Versuche machen, die sichere Forschungs- Ergebnisse für die Medizin liefern???

Ich bin gegen jegliche Tierversuche und Tierausbeutung in jeder Form.

Ulrich Söllner
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Ja manicmonday, das scheint manchmal so.
Ich glaub aber eher, das viele solche Zustände einfach ausblenden.
Wissend, das sie allein nicht viel ausrichten können. Tauchen dann solche Berichte und Bilder auf läßt sich das nicht so einfach ausblenden. Klar müssen viele reagieren damit überhaupt Aussicht auf Besserung besteht. Nur leider organisiert sich so ein Widerstand nicht so einfach.

manicmonday melden

Es tut mir leid Ihnen nur bedingt zustimmen zu können. Klar, Bilder wie diese entsetzen und rütteln wach.
Jedoch kann jeder einzelne für mehr Tierwohl beitragen, wenn er nur etwas bewusster darauf achten würde und zwar in jeder Hinsicht (Kauf von Pelz, Leder, Fleisch, Wolle usw.) Es müsste gar kein so großer Widerstand organisiert werden.

Unsere Politiker machens möglich.

Nadine Hoffmann-Voigt

Es ist echt nicht zu fassen - da wird unterschieden zwischen der Haltung von Tieren als Haustiere, als Masttiere und als Tierversuchstiere und die Tiere werden als Lebewesen 2., 3. und 4. Klasse gehalten, je nach dem worunter sie rechtlich fallen. Das ist nicht tragbar. Die Tiere sind Mitbewohner dieser Welt und wir haben Verantwortung für sie!

Oberon
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Absolut unglaubwürdig, dass in der Med.Uni keinem aufgefallen ist, in welchem Zustand die Hasen sind. Ich behaupte einmal, es ist ihnen schlicht und einfach am A* vorbei gegangen. Schließlich arbeiten sie ja nur im Dienste der Menschheit, und da kann man nicht gar so "heikel" sein?! :-(

Ein Bauernhof, der mit qualitativ hochwertiger Landschaft wirbt, ist für die schlechte und .......

Oberon
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... und nicht Tierschutz gerechte Haltung der Kaninchen verantwortlich. In diesem Sinne möchte ich die Bezeichnung "hochwertig" bezweifeln, denn, wer so tief sinkt und Tiere wie den letzten Dreck behandelt, ist für mich das Allerletzte!

Zugang zu den Ställen wurde nicht gewährt, was verdächtig ist. Wer nichts zu verbergen hat, öffnet seine Türen für die Medien und greift ........

Oberon
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.... nicht auf "Heile Welt"-Fotos zurück.
Wer immer dafür zuständig ist = Daumen runter!!

Lucia Psy
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unfassbar! :(

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Aha, für Herrn Oberon sind zur Zeit jene, die Tiere "wie den letzten Dreck behandeln" das Allerletzte. Noch vor Kurzem waren es Kinderschänder, und davor Vergewaltiger. Je nachdem, was seinen "gesunden Volkszorn" gerade so erregt.

Oberon
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Wenn schon, dann FRAU Oberon! Ich habe Ihnen doch vor kurzem geraten, meine "nervigen" postings zu übersehen. Anscheinend schaffen Sie das nicht. :-)

Zum Thema. Dass SIE für alle 3 Tätergruppen großes Verständnis aufbringen, jedoch die Kritiker daran am liebsten mit dem Bann belegen würden, ist offensichtlich.

* Mir ist selten so ein gefühlsarmer Holzklotz, wie Sie es sind, aufgefallen.....

Oberon
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Aber ich befürchte, Sie sehen das als Kompliment.

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Inwiefern bringe ich Verständnis für irgendwelche Tätergruppen auf, wenn ich erkenne, dass SIE sich selbst widersprechen ? Oder war das nur ein weiteres Beispiel IHRER Neigung zur Offenlegung IHRER Gefühlswelt, bei dem die Finger wieder einmal schneller waren als IHR Kopfinhalt ?

Oberon
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Manchmal frage ich mich, aus welcher Institution(!) heraus Sie Ihre speziellen postings schicken?! Ich habe alle meine Kommentare gespeichert und auch die Antworten drauf. Da sind schon einige sehr verständnisvolle postings von Ihnen für Täter dabei, und welche, wo Sie sich über meine Ansichten lustig machen.
Anm.: ICH habe eine Gefühlswelt, bei Ihnen herrscht absolute Leere. Da fühlen ..........

Oberon
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..... sich nicht einmal mehr Ihre abgesonderten Sprechblasen mehr wohl.

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Generell muss man etwas verstehen, um darüber ein Urteil fällen zu können. Um sich gegen einen Lynchmob zu stellen bedeutet nicht Sympathie mit dem etwaigen Täter oder der vorgeworfenen Tat, sondern Sympathie zur Besonnenheit, Rechtsstaatlichkeit und Zivilisation. Da SIE jedoch in IHRER reaktionären Rage Besonnenheit und Zivilisation zu IHREN Feinden zählen, zählen SIE mich ebenso dazu.

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Eine Gefühlswelt hat jeder. Erwachsene Menschen aber haben in der Regel auch Werkzeuge, ihre Gefühle bzw deren Auswirkungen zumindest teilweise zu kontrollieren. SIE anscheinend nicht.

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