Verständnis für Schleier-Verbot im Terror- Prozess: Schönborn aber für offenen Dialog

Kardinal auch klar gegen Bauverbote für Moscheen Plus: Kritik am öffentlichen Umgang mit Fall Zogaj

Kardinal Christoph Schönborn hat Verständnis für die Entscheidung des Gerichts im Terror-Prozess, die Angeklagte wegen ihres Vollschleiers von der Verhandlung auszuschließen, gezeigt. Verurteilt wurde von Schönborn in der ORF-Pressestunde jedoch die Ausdrucksweise des Richters, der von einem "Fetzen" gesprochen hatte. Der Kardinal sprach sich für den Dialog der Religionen aus.

Das Christentum und der Islam seien beide "missionarische Religionen". Es stelle sich daher die Frage, wie zwei "missionarische Religionen" miteinander und mit anderen Religionen umgehen. Die Frage sei, wie man das lebe, forderte Schönborn "Akzeptanz der Grundwerte und Respekt der Religionsfreiheit" ein.

In diesem Zusammenhang sprach sich der Kardinal klar gegen Bauverbote für Moscheen aus. Es sei nicht einzusehen, wieso Muslime - im Rahmen der Bauordnung - keine Gebetshäuser bauen sollten. "Ich sehe das Problem nicht", so Schönborn, der auch vor religiösen Traditionen wie das Kopftuch Respekt zeigte. Auch Vollverschleierung sei im privaten und öffentlichen Bereich zu respektieren, allerdings nicht im amtlichen.

Religionsunterricht verbessern
Aufhorchen ließ der Wiener Erzbischof mit der Forderung nach "mehr lernen" im Religionsunterricht. Er wünsche sich "stärkere Inhaltlichkeit" und nicht nur Lebensorientierung.

Gelassen reagierte er auf die Kritik Buseks, der in Zusammenhang mit den islamfeindlichen Äußerungen aus der FPÖ gemeint hatte, man habe das Gefühl, es müsse jemand dem Kardinal erst "geistigerweise eine herunterhauen", bis er aufwache. Schönborn sieht diese Äußerung "als Sager, der ihm ausgerutscht ist".

Zu viel Öffentlichkeit für Arigona?
Nicht festlegen wollte er sich in der Frage nach einem Bleiberecht für die Kosovarin Arigona Zogaj. Er kenne den Fall nicht gut genug. Er kritisierte aber Arigonas Begleiter - ohne Pfarrer Josef Friedl namentlich zu nennen -, weil man zu sehr die Öffentlichkeit gesucht hätte.

Thema Fristenlösung
Neuerlich scharfe Kritik übte er am Urteil des Obersten Gerichtshofes, der einem Elternpaar für eine falsch interpretierte Pränataldiagnose den Unterhalt für ihr behindert geborenes Kind zugesprochen hatte. Er bemängelte zudem, dass die Politik die versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenlösung noch immer nicht eingelöst habe. (APA/red)