Verschwörungstheorien um Haiders Tod:
Von Bomben, dem Mossad und K.-o.-Tropfen

NEWS: Kuriose Gerüchte per Massenmail verschickt Die Drahtzieher der Verschwörung und ihre Motive

Verschwörungstheorien um Haiders Tod:
Von Bomben, dem Mossad und K.-o.-Tropfen © Bild: APA/Hochmuth

Ein Sprengsatz. Oder auch zwei Sprengsätze. Oder Flüssigsprengstoff im Körper, der einen hohen Promillegehalt auslöst. Der israelische Geheimdienst Mossad, mindestens aber ein Geheimdienst. Die Freimaurer. Geheimnisvolle K.-o.-Tropfen, jedenfalls aber Gift. Ein Beifahrer, der nach Amerika ausgeflogen wurde. Eine vorgeschrottete Doublette des Unfall- Phaetons. Die Mafia. Die Polizei, die den Tatort manipuliert hat. Der VW-Konzern, der bei der Verschwörung mitmischt. Und natürlich die „Ostküste“ und die internationale Bankenszene. Die Liste der absurden Verschwörungstheorien zum selbst verschuldeten Unfalltod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider wird täglich länger. Und zunehmend durchgeknallter.

Eine wahre Flut von verschwörerischen E-Mails wird derzeit durch Österreichs Computer gespült: Angereichert mit Tatortfotos und Versatzstücken aus Medienberichten, setzen allerlei Verschwörungstheoretiker mit kommerziellen oder politischen Absichten immer abstrusere Verschwörungsgerüchte in die Welt. Dabei liegen die Fakten klar auf dem Tisch: Haider hatte nach einer heftigen Zecherei 1,8 Promille Alkohol im Blut und crashte mit 142 km/h in einer Tempo-50-Zone gegen einen Hydranten.

"Zwei Sprengsätze"
Bei jedem Durchschnitts- Alko-Crash wären sämtliche Diskussionen zum Unfallhergang angesichts der vorliegenden Fakten beendet. Im Fall des Polit-Popstars Jörg Haider ist das anders. Im Fall des BZÖ-Chefs wird konspiriert, dass sich die Balken biegen. Die erste Massenmail, in der Haiders Alko-Crash bezweifelt wurde, hat ihren Ursprung auf einer deutschen Homepage, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Antisemitismus. Rund um acht offizielle Tatortfotos wurde in dieser Mail schon wenige Tage nach Haiders Unfall ein klares Szenario aufgebaut: Es sei kein Alkohol im Spiel gewesen, und im Fahrgastraum von Haiders Phaeton hätten zwei Sprengstoffexplosionen stattgefunden. Eine Sprengstoffpackung sei am „Holm über der Fahrertür“ angebracht gewesen, die zweite im Motorraum. Und selbstverständlich wisse das die Staatsanwaltschaft, die jedoch Teil der Verschwörung sei.

Ein Blick auf die Homepage des Urhebers dieser Massenmail beweist freilich: Der Mann hat echte Probleme. Das Kleinste davon: Sein Haus wurde versteigert. Seither ist er davon überzeugt, dass diese Zwangsversteigerung – über eine wirre Konstruktion – von „den Rothschilds“ betrieben worden sei, die zu diesem Zweck eine Allianz mit der Deutschen Bank, der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft geschmiedet hätten. Spinnereien, die für sich sprechen.

Der kommerzielle Verschwörer
Weniger plump, aber mit ähnlichem Ergebnis arbeitet Gerhard Wisnewski. Auf der Homepage des Kopp-Verlags überbietet sich Wisnewski seit Tagen in Verschwörungstheorien zum Unfallhergang. Die Kurzfassung: Es war „ein Attentat“. Wisnewski bietet dafür sogar einen Zeugen auf, der offensichtlich für Glaubwürdigkeit sorgen soll: einen ehemaligen Beamten der Wiener Polizeieinheit WEGA, der später auch Terrorfahnder gewesen sei. In anonymisierter Form ist auf der Homepage des Verlags sogar ein Telefoninterview mit dem Expolizisten veröffentlicht. Recherchen ergeben freilich: Bei dem Mann handelt es sich um einen ehemaligen FPÖ-Polizeigewerkschafter, der Anfang der 90er-Jahre vom Dienst suspendiert wurde, weil er einer ihm bekannten Prostituierten das Polizeifoto ihres Zuhälters besorgt hatte. Eine Zeit lang war er auch als Leibwächter Haiders aktiv, einmal wurde er daraufhin angezeigt, weil er einen Haider-Kritiker verletzt hätte.

Der Kärntner Ex-FPÖ-Politiker und der Mossad
Politisch einschlägig bekannt ist auch der Kärntner Ex-FPÖ-Politiker Karlheinz Klement, der einst mit seinen Homosexuellen-Sagern („Homosexualität ist eine Kultur des Todes“) für Schlagzeilen sorgte. Auf seiner Homepage veröffentlicht Klement zahlreiche Zuschriften zum Haider-Unfall: vom „Geheimnis der Zahl 142“, zu dem auf die Kopp- Homepage verwiesen wird, dass der israelische Geheimdienst Mossad, der Haider überwacht habe, seine Finger im Spiel habe, und ähnliche Schwachsinnigkeiten. Der Verweis zu Wisnewski fehlt freilich ebensowenig wie der Vergleich mit dem Kennedy-Attentat. Nahezu kleinlich mutet da Klements Hinweis an, dass die veröffentlichten Schreiben nicht mit seinen Gedankengängen übereinstimmen müssen. Was man dem Ex-FPÖ-Politiker auch nur wünschen kann.

Die Freimaurer
Ein Klassiker ist auch jene Massenmail, die sich auf einen am Tatort fotografierten einzelnen Schuh bezieht und einen Zusammenhang mit einem angeblichen Freimaurer- Ritus herstellt, wonach man bei der Einführung in die Loge mit verbundenen Augen und nur einem Schuh gehen müsse. Einzig: Haider kam vor seinem Unfall nicht aus einer Freimaurer-Loge, sondern aus einer Szene-Bar. Und mit verbundenen Augen ist er auch nicht Auto gefahren, sondern mit 1,8 Promille Alkohol im Blut.

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