Vermisstenfall wurde zur Mordcausa:
"Ziehvater" tötete vermutlich Anita K.

Verdächtiger brachte sich am 6. Dezember um 23-Jährige wandte sich 2003 sogar an Jugendamt

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Seit Ende Oktober wurde die 23-jährige Anita K. vermisst. Die Ermittler hatten bald ihren "Ziehvater" Erwin K. im Visier, er soll Anita jahrelang missbraucht und schließlich getötet haben. Die Beweislast war erdrückend. Am 6. Dezember nahm sich der 55-Jährige schließlich das Leben. Die Polizei vermutet, dass der Mann die Leiche der jungen Frau auf einem Müllplatz in der Slowakei verbrannte.

Anita K. und ihre Schwester waren noch als Minderjährige - Anitas ältere Schwester Szilvia K. dürfte knapp unter 14 gewesen sein - zu dem wegen Sexualdelikten vorbestraften Mann gezogen. Der Kontakt des aus Tirol stammenden Mannes zu den beiden Kindern sei in einer Gehörloseneinrichtung über den Vater der Mädchen entstanden, bestätigte der Anwalt der Schwester, Marcus Januschke. Vermutlich dürfte der Vater, mit dem es auch Probleme gegeben haben dürfte, dann gestorben sein und weil sich die Mutter nicht kümmern wollte, habe Erwin K. die Kinder bei sich aufgenommen, so der Anwalt.

Haben Behörden versagt?
Der mutmaßlicher Täter hatte keine Vormundschaft oder Erziehungsberechtigung für die Mädchen gehabt. Ein "Versagen" der Behörden wollte man jedoch nicht sehen. Solange alle einverstanden seien, sei es gesetzlich in Ordnung, wenn Kinder bei jemand anderem als ihrem Erziehungsberechtigten aufwachsen - und dies sei hier offenbar der Fall gewesen, erläuterte der Kremser Staatsanwalt Friedrich Kutschera. Daher dürfte auch eine bereits getilgte Verurteilung des Mannes wegen schwerer Sexualdelikte - er soll sogar mehrere Jahre im Maßnahmenvollzug verbracht haben - keine Rolle gespielt haben.

Eifersucht als mögliches Mordmotiv
Nach Angaben der Polizei soll der 55-Jährige die Mädchen schon früh missbraucht haben, was später "zur Gewohnheit" wurde und in eine Dreiecksbeziehung übergegangen sein soll. Als Anita K. sich aus dieser lösen und eine neue Beziehung beginnen wollte, dürfte der Mann das aber nicht verkraftet haben.

Opfer wandte sich an Wiener Jugendamt
Dass es zu einem Missbrauch der beiden Mädchen gekommen sein könnte, legt auch eine Akte des Wiener Jugendamtes nahe. Die damals 16-jährige Anita K. hat sich im Dezember 2003 an die Behörde gewandt und dabei angegeben, dass sie psychischer Gewalt ausgesetzt sei, wie eine Sprecherin bestätigte. Das Mädchen sei damals allein in einer Jugendamtsstelle gewesen. Bis Anfang Jänner 2004 habe es eine Gefährdungsabklärung gegeben, danach sei der Fall nicht weiterverfolgt worden.

(apa/red)