Verkauf der Gewerkschaftsbank BAWAG: ÖVAG zählt sich nicht zu Top-Interessenten

Volksbanken-Chef Pinkl: Größe allein nicht wichtig Auf Abenteuer will sich die Bank nicht einlassen

Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) gibt sich bezüglich eines Interesses am Erwerb der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG bedeckt. Man werde sich damit zwar intensiv und ernsthaft auseinandersetzen, allerdings mit dem nötigen Respekt und verfolge das Thema aus der dritten oder vierten Reihe, sagte ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die ÖVAG sei nicht unter den "Top-Interessenten".

Es gebe ein großes Bild der Unsicherheit, so wisse man beispielsweise nicht, ob ein Teil oder die ganze Bank verkauft werde. Allerdings würden wohl viele Finanzinstitute sagen, man werde sich die BAWAG anschauen. Eine Bank mit 1,2 Millionen Kunden sei für eine Bank oder eine Versicherung durchaus interessant. Pinkl schätzt die Chancen, dass die Volksbanken die BAWAG kaufen, nicht gut ein.

ÖVAG lässt sich nicht auf Abenteuer ein
Von der strategischen Seite her würde die BAWAG P.S.K. zwar zur Volksbankengruppe passen, denn die Volksbanken hätten im Retailgeschäft nicht jenen Marktanteil wie in anderen Bereichen. Ein großes Privatkundensegment würde daher dazupassen. Man müsse aber bedenken, was man aus einem Investment zurückerhalte. Größe allein sei nicht sein Zugang, so der ÖVAG-Chef. Man gehe nicht in ein Abenteuer, sondern müsse sagen können, das sei bewältigbar, das traue man sich zu.

Zur Finanzierung, falls die Volksbanken die BAWAG erwerben wollten, sagte Pinkl, dies sei eine Entscheidung der Aktionäre, weil es in diesem Fall einen kräftigen Kapitalbedarf gebe. Die ÖVAG gehört zu rund 56 Prozent den Volksbanken. 25 Prozent hält die deutsche DZ-Bank, 10 Prozent die Ergo/Victoria-Versicherungsgruppe, rund 6 Prozent die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und der Rest ist Streubesitz. Bei den Volksbanken sei die Stimmung von der Grundtendenz her positiv, das wisse er aus Gesprächen. Mit den anderen Aktionären habe man zu dem Thema noch keinen Kontakt gehabt, da man noch nichts auf den Tisch legen könne.

Erster Gewinner der BAWAG-Affäre
Die Volksbanken seien jedenfalls der erste Gewinner der BAWAG-Affäre. Denn man hätte bei der Investkredit, die mittlerweile zur Gänze der ÖVAG gehört, nicht aufstocken können, wenn die BAWAG ihre Anteile nicht verkaufen hätte wollen.

Zum Thema Bankenaufsicht in Österreich sagte Pinkl, es gebe ein engmaschiges Reglement. Wenn sich alle daran hielten, dann habe Österreich ein genaues und engmaschiges Netz. 90 bis 95 Prozent der Geprüften verhielten sich konform. "Dann machen es zwei nicht und die ganze Branche kommt in Verruf". Pinkl sprach sich gegen eine Anlassgesetzgebung aus, denn dadurch würden jene bestraft, die sich an die Regeln halten. (apa)