Verheerende Situation nach Erdbeben: Hilfe
kommt nur langsam in entlegene Gebiete

Zahl der Todesopfer schon auf über 6.200 gestiegen 30.000 Menschen verletzt, 650.000 obdachlos<br>Suche nach Überlebenden wurde offiziell beendet

Trotz umfangreicher internationaler Hilfe warten tausende Erdbebenopfer in Indonesien weiter vergeblich auf Nahrung und medizinische Versorgung. Bei dem schweren Beben auf der Insel Java wurden nach jüngsten Angaben der Behörden vom Mittwoch rund 30.000 Menschen verletzt, 650.000 wurden obdachlos und sind dringend auf Lebensmittel angewiesen. Die Zahl der Toten stieg auf mehr als 6.230.

Das Welternährungsprogramm (WFP) erklärte, dass in den kommenden Monaten mindestens fünf Millionen Dollar (3,8 Millionen Euro) für Lebensmittel und sauberes Wasser benötigt würden. "Alles was wir heute bekommen haben, war ein halbes Kilogramm Reis", sagte Dorfbewohner Ratimah, der eine vierköpfige Familie zu ernähren hat. "Das ist nicht genug." Auch bei der Versorgung der Verletzten seien die Krankenhäuser weiter überlastet, berichteten Ärzte am Mittwoch.

Das größte Krankenhaus des am schwersten betroffenen Bezirks Bantul war nach wie vor überfüllt. Für mehr als 400 Patienten standen nur etwa 100 Betten zur Verfügung. "Uns fehlen Arm- und Beinschienen, Verbandsstoff und Betten", klagte der Nothilfe-Koordinator der Klinik.

Mit dem Einsatz internationaler Helfer und der Wiedereröffnung des Flughafens von Yogyakarta gehen die Vereinten Nationen jedoch von einer zunehmenden Entspannung der Lage aus. "Wir erreichen immer mehr Opfer", erklärte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland. "Ich erhalte Berichte, dass wir enorme Fortschritte machen."

Helfer aus mehr als 20 Ländern seien inzwischen auf Java tätig, erklärten die UN. Sie beteiligten sich an der Verteilung von Medikamenten und Wasser sowie am Aufbau von Behelfsunterkünften. Von den 650.000 Obdachlosen hätten etwa zwei Drittel Unterschlupf bei Verwandten gefunden, sagte ein Behördensprecher der Provinz Yogyakarta am Mittwoch. Die anderen hätten aber meist nicht mehr als ein paar Plastikplanen. Der Erdstoß der Stärke 6,3 zerstörte mehr als 135.000 Gebäude in der Provinz.

(apa/red)