Verhandlungsmarathon endet ergebnislos:
Metaller machen übers Wochenende Pause

Vierte Lohnrunde nach 19 Stunden unterbrochen Verhandlungen werden nun am Montag fortgesetzt<br>Bei Nicht-Einigung droht Gewerkschaft mit Kampf

Verhandlungsmarathon endet ergebnislos:
Metaller machen übers Wochenende Pause © Bild: APA/dpa/Steffen

Auch die vierte Runde der Lohnverhandlungen in der Metallindustrie brachte keine Einigung. Nach einem 19-stündigen Verhandlungsmarathon, bei dem zwischenzeitlich schon eine Einigung zum Greifen nahe schien, vertagten Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Gespräche auf kommenden Montag, 10.00 Uhr. Gleichzeitig wird die Gewerkschaft am Montag bundesweite Betriebsversammlungen für Dienstag 08.00 Uhr einberufen, die bei einer Nichteinigung am Montag dann direkt in Kampfmaßnahmen übergehen.

"Wir haben die weitere Vorgangsweise völlig klar ausgeschildert", hieß es von Arbeitnehmerseite nach Verhandlungsende am Samstag, 05.00 Uhr morgens.

Einigung am Montag?
Ansonsten gaben sich sowohl Metaller-Chefverhandler Rainer Wimmer und sein Gegenüber, Hermann Haslauer, nach den Gesprächen äußerst wortkarg. Haslauer verwies lediglich auf die Fortsetzung der Verhandlungsrunde am Montag. Wimmer und Angestellten-Verhandler Karl Proyer zeigten sich zuversichtlich, am Montag doch noch zu einer Lösung zu kommen. Bereits am Freitagabend hatte es nach einer Einigung ausgesehen, nachdem die Junktimierung von Lohnerhöhung und Arbeitszeitflexibilisierung vom Tisch war. Über letztere sollte demnach bis zum Frühjahr ein Kompromiss gefunden werden, der dann auch rasch umgesetzt werden sollte. Ob dieses Paket nun wieder aufgeschnürt werde, wollten die Verhandler nicht kommentieren.

Bei der Sitzungspause gegen 22:00 Uhr Freitagnacht war noch alles eitel Wonne, doch dies war bereits wenige Minuten später Geschichte. Aus Verhandlungskreisen hieß es, dass die Gewerkschaft bei einer Nichteinigung mit einem Überstundenboykott am Wochenende gedroht hatte, woraufhin es am Verhandlungstisch sehr laut wurde. Besonders betroffen wäre davon der Autozulieferer Georg Fischer (NÖ) gewesen, der für einen kurzfristigen Auftrag an diesem Wochenende eine Extraschicht eingelegt hätte. In den frühen Samstag-Morgenstunden haben sich dann die Verhandlungsführer zweimal direkt ohne große Verhandlungsrunde noch zusammengerauft, um dann eine Unterbrechung bis Montag zu verkünden.

Knackpunkt Arbeitszeitflexibilisierung
Knackpunkt bei den bisherigen Runden war die von Arbeitgeberseite geforderte Arbeitszeitflexibilisierung. Die Industrie will die Durchrechnungszeiträume für Überstunden und die maximal erlaubte tägliche Arbeitszeit ausweiten sowie einen Zuschlag zu bereits vorhanden Überstundenzuschlägen streichen. Die Arbeitnehmer sehen in den Forderungen eine Lohnkürzung durch die Hintertür. Sie hatten bereits die ganze Woche hindurch Betriebsversammlungen abgehalten und einen Streik für Montag angekündigt, sollte am Freitag keine Einigung erzielt werden. Nachdem dieses Thema vom Tisch war, ging es um die Lohnerhöhung für 2010, wobei beide Seiten schon ziemlich nahe beieinander waren, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Im Vorjahr einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach vier Runden auf einen Lohnabschluss. Vor einigen Tagen hatte sich das Metallgewerbe auf eine Lohnerhöhung von 1,45 Prozent geeinigt, dass die Industrie darunter bleibt, gilt als äußerst unwahrscheinlich.

(apa/red)

Kommentare

Gewerkschafter haben keinen Funken Ahnung von der Wirtschaft Gerade in der Industrie erhält man derzeit Aufträge zu schlechten Preisen und unter äußerstem Termindruck. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit wie sie in vielen Industiebetrieben im Angestelltenbereich durch Gleitzeitmodelle schon seit vielen Jahren vollzogen wird ist da unumgänglich. Heute Überstunden bezahlen und morgen nicht wissen wie man die Leute beschäftigen soll kanns ja wohl nicht sein. Außerdem bezahlen ohnehin nur mehr sehr wenige Unternehmen Überstunden. Wenn die Gewerkschafter etwas mehr Vernunft hätten würden sie der Flexibilisierung zustimmen und im Gegenzug dafür eine halbwegs gute Lohnerhöhung herausverhandeln. Davon hätten alle was, nicht nur die wenigen die noch Überstunden bezahlt bekommen.

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