Verhandlungen & Vergeltung: Sri Lankas Regierung will mit Tamilien weiter sprechen

Führung will nach Anschlag mit 103 Toten Vergeltung Kampfflugzeuge bombardieren Rebellenstellungen

Sri Lankas Regierung will nach den Worten eines ranghohen Politikers trotz des jüngsten Selbstmordanschlags an Friedensgesprächen mit den tamilischen Rebellen festhalten. Die Regierung werde bei solchen Anschlägen Vergeltung üben, aber sie werde die Verhandlungen fortsetzen, sagte der Chef des Friedenssekretariats der Regierung, Palitha Kohona.

Bei dem Anschlag am Vortag wurden fast 100 Menschen getötet. Vermutlich Tamilen-Rebellen hatten einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in einen Militärkonvoi gefahren und gezündet. Unter den Toten seien viele Soldaten, aber auch einige Zivilisten, teilte die Armee mit. Der Angriff ereignete sich nahe der Stadt Habarana, etwa 190 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Colombo.

Am 28. Oktober sollen Vertreter der Konfliktparteien in Genf zu Friedensgesprächen zusammenkommen. Zuvor nahm der japanische Gesandte Yasushi Akashi Gespräche mit der Regierung auf, um vorher dem Friedensprozess neue Impulse zu verleihen. Japan ist der größte Geldgeber des Inselstaats im Indischen Ozean.

Kampfflugzeuge bombardieren Rebellenstellungen
Nach dem bisher blutigsten Selbstmordanschlag hat die Luftwaffe ihre Angriffe auf Rebellenstellungen fortgesetzt. Kampfflugzeuge bombardierten einen Stützpunkt im Nordosten der Insel. Dabei wurde die Stellung der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) vollständig zerstört. Nach Angaben der LTTE wurden zwei Kinder getötet und 15 Menschen verletzt.

Bei dem Selbstmordanschlag auf Marinesoldaten waren am Montag 103 Militärs getötet und mehr als 150 weitere Menschen verletzt worden. Die LTTE übernahm indirekt die Verantwortung für den Anschlag, bei dem ein mit Sprengstoff gefüllter Laster inmitten eines Sammelplatzes für Militärbusse in dem Dorf Digampathana im Nordosten der Insel zur Explosion gebracht worden war.

Die Kämpfe zwischen Truppen der Zentralregierung in Colombo und den Befreiungstigern haben sich in den vergangenen Monaten verschärft. Ein vor vier Jahren von Norwegen vermittelter Waffenstillstand wurde faktisch hinfällig. In dem Konflikt, in dem die Rebellen für die Autonomie des Nordostens von Sri Lanka kämpfen, starben seit 1972 mehr als 60.000 Menschen.

(apa/red)