Verhaltene Freude bei den Opelanern:
Aber Freude, dass es nicht Fiat geworden ist

"Heute gehe ich voller Hoffnung auf die Arbeit" "Eigentlich heißt es ja, neue Besen kehren gut"

Über Tor 60 in der Nähe des Zentralgebäudes geht langsam die Sonne auf. Der Parkplatz ist voll, an einigen Autos wehen gelbe "Wir sind Opel"-Fahnen. Ein Dutzend Arbeiter der Samstagsonderschicht eilt durch die Drehkreuze. "Heute gehe ich voller Hoffnung auf die Arbeit", strahlt Malgorzata Astheimer. "Ich habe schon gestern Abend gedacht, dass das die beste Lösung ist. Wir waren alle für Magna."

Die 33-Jährige arbeitet seit zwei Jahren im Rüsselsheimer Opelwerk. Angst um ihren Arbeitsplatz hatte sie zwar nicht, aber erleichtert ist sie trotzdem. "Ich fühle mich mit Magna besser als mit Fiat." Dass in der nächsten Zeit Personal abgebaut werden könnte, glaubt sie nicht.

Josip Papic hält das dagegen für wahrscheinlich. "Schauen wir mal, wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben." Er ist seit 29 Jahren Opelaner und in der Fachabteilung Facility Management tätig. Vor Arbeitsbeginn um 5:45 Uhr hat er noch nichts von der Einigung mit Magna gehört, überrascht wirkt er dennoch nicht.

"Fiat hätte uns platt gemacht"
"Das war die beste Entscheidung von den dreien. Magna war unser Favorit, weil die das beste Konzept hatten", freut sich der 45-Jährige. "Fiat hätte uns platt gemacht, die wollten eigentlich nur an unsere Technologie." Die vergangenen Tage seien eine Zitterpartie gewesen, erzählt Papic.

Mit der Arbeit der Bundesregierung ist er alles andere als zufrieden: "Da wollten sich ein paar Politiker auf unsere Kosten profilieren, das hätte man auch ein bisschen eleganter lösen können." Besonders für die Insolvenz-Option von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat er kein Verständnis: "Wir haben Aufträge, es sind 100.000 Autos vorbestellt und es läuft gut."

Auch Eduard Deckel versteht die Welt nicht mehr, wenn von Werksschließungen die Rede ist. "Wir arbeiten jeden Samstag, schaffen praktisch Tag und Nacht." Der 56-Jährige arbeitet seit vielen Jahren in der Instandhaltung. Über die nächtlichen Verhandlungen hat er noch nicht viel gehört: "Magna soll uns retten, aber mehr weiß ich noch nicht."

"Mal gucken, was sie machen"
Sein 51-jähriger Kollege kommt gerade von der Nachtschicht. Von der Opel-Rettung hat er im Radio erfahren. "Eigentlich heißt es ja, neue Besen kehren gut, aber mal gucken, was sie machen", sagt er. Mit der Entscheidung ist er trotzdem zufrieden und froh, dass nicht Fiat den Zuschlag bekommen hat: "Die fahren doch dieselbe Palette wie wir." Die Angst um den Arbeitsplatz sei in den vergangenen Wochen immer größer geworden, berichtet er. "Es gibt Leute, die haben ein Haus gekauft und mit dem Rücken an der Wand gestanden."

Kort Ödemis ist noch müde und in Eile, er will nicht zu spät kommen. Vom Vorvertragsabschluss mit Magna zeigt sich der der 22-Jährige völlig überrascht. Dass sein Arbeitsplatz nun wohl vorerst gerettet ist, findet er "cool". Kaum ist er durch das Drehkreuz getreten, überbringt er einem Kollegen die gute Neuigkeit.

(apa/red)