"Verfügen über Atomtechnologie": Iran reichert laut Ahmadinejad bereits Uran an

Ex-Staatschef Rafsanjani: "164 Zentrifugen laufen" "Es wurde Gas eingeleitet - guter industrieller Output"

Ungeachtet internationaler Kritik hat der Iran sein Atomprogramm einen entscheidenden Schritt vorangetrieben: Präsident Mahmoud Ahmadinejad erklärte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache, iranische Wissenschaftler hätten am Sonntag erstmals erfolgreich Uran für die Herstellung von Kernbrennstoff angereichert. "Ich erkläre förmlich, dass der Iran dem Klub der Nuklearstaaten beigetreten ist", sagte Ahmadinejad vor hochrangigen Militärkommandanten und Klerikern in der Heiligen Stadt Mashad.

Zugleich kündigte der iranische Präsident an, der Iran wolle sein Nuklearprogramm unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) und gemäß den Regeln des Atomwaffensperrvertrags betreiben. "Unsere Nation bezieht ihre Stärke nicht aus Atomwaffenarsenalen", betonte Ahmadinejad.

Der Iran werde weiter danach streben, eine Anreicherung von Uran auf industrieller Ebene zu erreichen. Der Westen müsse das Recht des Iran zur friedlichen Nutzung der Atomenergie respektieren, so Ahmadinejad.

Nach Angaben von Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani erfolgte die Urananreicherung am Sonntag mit einer Einheit von 164 Zentrifugen. Dies ist der erste Schritt für eine Produktion in größerem Umfang. Bis zum Jahresende sollten 3.000 Zentrifugen im Einsatz sein, kündigte Rafsanjani, der dem einflussreichen Rat der Sittenwächter vorsteht, in einem Interview der kuwaitischen Nachrichtenagentur KUNA an.

Die Anreicherungsanlage in Natanz kann bis zu 50.000 Gaszentrifugen aufnehmen. Sie ist durch Flugabwehrsysteme geschützt. In Natanz soll das Uran laut iranischen Aussagen nur bis zu einem Grad von 3,5 Prozent angereichert werden. Das reicht als Brennstoff für Atomkraftwerke, aber nicht für eine militärische Nutzung. Für den Bau einer Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von über 90 Prozent notwendig.

Zur Urananreicherung wird das Gas Uranhexafluorid in Zentrifugen eingespeist, in denen das äußerst seltene, spaltbare Uran U-235 von dem nicht spaltbaren Isotop U-238 getrennt wird. Um ausreichende Mengen Uran für den Betrieb eines Kernkraftwerks oder den Bau einer Atombombe anzureichern, sind mehrere tausend Zentrifugen erforderlich.

Der UNO-Sicherheitsrat hat den Iran am 29. März aufgefordert, die Arbeiten zur Urananreicherung bis spätestens 28. April einzustellen. IAEO-Direktor Mohamed ElBaradei reist am Mittwoch nach Teheran. Am Donnerstag will ElBaradei mit iranischen Vertretern zusammentreffen, um Teheran nach Diplomatenangaben eine "Möglichkeit zu geben", von der IAEO geforderte Informationen über die iranischen Atomaktivitäten zu liefern. "Wenn ElBaradei im Iran eintrifft, wird er neue Voraussetzungen vorfinden", sagte Rafsanjani.

Die USA reagierten mit Kritik auf die iranische Erklärung. Der Iran bewege sich "in die falsche Richtung", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, am Dienstag am Rande eines Besuchs von Präsident George W. Bush in Columbia im US-Bundesstaat Missouri. Durch den jüngsten iranischen Schritt würden die Sorgen der Weltgemeinschaft über das iranische Atomprogramm verstärkt. Der Iran isoliere sich damit weiter vom Rest der Welt.

Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, erklärte, die jüngsten Äußerungen aus Teheran zeigten, "dass sie nicht darauf hören, was der Sicherheitsrat gesagt hat".

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte: "Es besteht offenkundig Besorgnis über den Iran." Zu den jüngsten Verlautbarungen der iranischen Regierung wolle er aber zunächst Experten befragen. "Die Vereinigten Staaten von Amerika sind auf einem diplomatischen Kurs", sagte Rumsfeld vor Journalisten in Washington. Auf Spekulationen über einen US-Militärschlag gegen den Iran werde er sich nicht einlassen.

Das britische Außenministerium erklärte in einer ersten Reaktion: "Die jüngste iranische Erklärung ist nicht besonders hilfreich."

(apa/red)