Vereinigtes Königreich vor dem Ende?
Schotten wollen Trennung von England

Bevölkerung beider Länder für Auflösung der Union

Fast 300 Jahre nach der gesetzlichen Vereinigung Schottlands und Englands zum Königreich Großbritannien sind immer mehr Menschen in beiden Landesteilen für eine Trennung. Mehr als die Hälfte der Wähler sowohl in Schottland als auch in England befürworten inzwischen nach einer Umfrage die Auflösung der Union, wie die Zeitung "Sunday Telegraph" berichtete.

Nachdem sich Debatten um die Unabhängigkeit Schottlands in den letzten Monaten weiter zugespitzt hatten, sind der Umfrage des renommierten Instituts ICM zufolge jetzt 59 Prozent der wahlberechtigten Engländer dafür, einen solchen Austritt aus dem Königreich zu erlauben. In Schottland sprachen sich 52 Prozent der Befragten für die staatliche Unabhängigkeit aus. Die Schottische Nationalpartei (SNP), die bei den Regionalwahlen im Mai kommenden Jahres auf einen Sieg hofft, begrüßte das Umfrageergebnis als Bestätigung ihres Kurses zur Schaffung eines unabhängigen schottischen Staates.

Premierminister Blair und der als sein Amtsnachfolger geltende Schatzkanzler Brown - beide wurden in Schottland geboren - warnten am Wochenende vor einer Abspaltung. Nicht nur Schottland selbst, sondern das gesamte Königreich würde dadurch schwere wirtschaftliche und soziale Nachteile erleiden, erklärten sie bei einer Konferenz des schottischen Teils der regierenden Labour-Partei.

Sollte die SNP im Mai in Schottland die Mehrheit erringen und an die Umsetzung ihrer Abspaltungspläne gehen, werde Großbritannien in eine Verfassungskrise gestürzt, warnte Blair. Auch die beiden überregionalen Oppositionsparteien - die Konservativen und die Liberaldemokraten - sprachen sich gegen eine Trennung aus.

Schottland verfügt bereits über ein eigenes Parlament und weitgehende Autonomie in der regionalen Verwaltung. (apa)