Konzertkritik von

Verdis Requiem
als große Oper

Teodor Currentzis und seine Formation Music Aeterna im Wiener Konzerthaus

Konzertkritik - Verdis Requiem
als große Oper © Bild: APA/AFP/Stephane de Sakutin
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Es spricht für die kluge Programmierung des Wiener Konzerthauses, Teodor Currentzis einen eigenen Zyklus zu widmen. Denn der griechisch-russische Dirigent ist einer der gefragtesten seines Fachs. Seine eigenen, oft unüblichen Lesarten polarisieren. Für die einen ist er der Retter des Klassikbetriebs, für die anderen sind seine Aufführungen pure Selbstinszenierungen.

Currentzis beschränkt sich bei seinen Auftritten nicht nur auf das Musizieren, er inszeniert sich, seinen Chor und sein Orchester namens Music-Aeterna von der Oper im sibirischen Perm. Seine Musiker agieren - Cellisten und Kontrabassisten freilich ausgenommen - im Stehen und treten wie der Chor meistens in Kutten oder Soutanen auf wie bei der Aufführung von Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" im Wiener Konzerthaus.

© APA/AFP/Stephane de Sakutin

Wer von derlei Äußerlichkeiten absah, konnte sich durch so manches Detail die Partitur neu erschließen. Currentzis setzte auf Rasanz und Dynamik. Fast flüsternd hob sein exzellenter Chor an. Dass die Damen und Herren das Wort "Requiem" mit einem "ch", also wie "Rekchwiem" betonten, mutete etwas übertrieben an, zumal es das zarte Pianissimo zu Beginn, das wie gehaucht klang, überschattete. Aber das ist Beckmesserei.

Mit archaischer Kraft preschte er durch das "Dies irae", nahm Forte- und Piano-Passagen wie er sie für seine Dramaturgie brauchte. Da war alles drinnen, von düsterer Dämonie bis zum Jubelgesang. Zarina Abaeva (Sopran) und Varduhi Abrahamyan (Mezzosopran der ersten Aufführung) sangen solide. René Barbera (Tenor) und Tareq Nazmi (Bass) generierten aus dem Oratorium mit ihren ausdrucksstarken, exzellent timbrierten Stimmen große Oper. Dass Currentzis das Publikum minutenlang zur Stille zwang, bevor er die stehenden Ovationen entgegennahm, war teil seiner verzichtbaren Inszenierung.