Verbrechen von

Mordanklage im
Fall Lucile

TIROL: FRAUENLEICHE AM INNUFER BEI KUFSTEIN ENTDECKT © Bild: APA/ZOOM-TIROL

Am 12. Jänner 2014 wird die französische Studentin Lucile K. erschlagen am Innufer in Kufstein aufgefunden.

Im Fall der im Jahr 2014 in Kufstein getöteten 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin Lucile K. aus Lyon hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck Mordanklage gegen den tatverdächtigen 40-jährigen Lastwagenfahrer aus Rumänien eingebracht. Dies sagte ein Sprecher der Anklagebehörde der APA und bestätigte einen Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Mittwochausgabe).

Die Anklage sei noch nicht rechtskräftig, erklärte Sprecher Thomas Willam. Sollte sie in Rechtskraft erwachsen, ging die Anklagebehörde von einem Prozesstermin im heurigen Herbst aus. Derzeit werde die Anklageschrift gerade ins Rumänische übersetzt, um sie dem Angeklagten im Rechtshilfeweg zukommen zu lassen.

Geschworene entscheiden

Die Geschworenen werden laut dem Bericht über eine reine Mordanklage entscheiden. Ein weiterer Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist mit der Anklage nicht verbunden.

Der Rumäne befindet sich derzeit im Gefängnis in Deutschland. Er war im Dezember vergangenen Jahres nach dem Sexualmord an einer 27-jährigen Joggerin im süddeutschen Endingen zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Derzeit läuft noch die Revision gegen das Urteil am Bundesgericht in Karlsruhe.

Wann der Beschuldigte nach Innsbruck ausgeliefert wird, ist vorerst unklar. Damit der Prozess in Tirol stattfinden kann, muss das Urteil in Deutschland jedenfalls nicht rechtskräftig werden, betonte Willam.

Sollte der Beschuldigte auch in Innsbruck verurteilt werden, gilt die Strafe in Österreich rechtlich als Zusatzstrafe. Im Falle einer lebenslangen Freiheitsstrafe in Deutschland würde das Innsbrucker Gericht den Mann formell schuldig sprechen und "in Rücksicht auf das Urteil in Deutschland" keine weitere Strafe verhängen, hatte es seitens der Staatsanwaltschaft gegenüber der APA geheißen. Wo der Tatverdächtige im Falle zweier Verurteilungen dann seine Strafe absitzen müsste, sei noch offen. Dies würden die Behörden beider Länder gemeinsam entscheiden, so die Anklagebehörde.

Wie im Verlauf des Verfahrens in Deutschland bekannt wurde, soll der Angeklagte auch die Tötung von Lucile K. gegenüber einem psychiatrischen Gutachter zugegeben haben. An beiden Tatorten waren Spuren des Angeklagten gefunden worden.

Die Leiche von Lucile, die im Rahmen eines Auslandssemesters in Kufstein studiert hatte, war am 12. Jänner 2014 von Polizisten am Ufer des Inn entdeckt worden. Todesursache waren laut Obduktion heftige Schläge auf den Kopf. Taucher fanden die Tatwaffe im Inn.

Fall Lucile - eine Übersicht

Im folgenden eine Chronologie des spektakulären Falls in Tirol.

12. Jänner 2014: Polizisten finden am Innufer in Kufstein die Leiche der französische Studentin, die aus der Gegend von Lyon stammt und seit vier Monaten im Rahmen eines Austauschprogrammes in Kufstein weilt. Die junge Frau ist zuvor von Studienkollegen als vermisst gemeldet worden.

13. Jänner 2014: Für die Ermittler stellt sich schnell heraus, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. LKA-Chef Walter Pupp spricht am Tag danach von "stumpfer Gewalt", die zum Tod der 20-Jährigen geführt hat. Hinweise auf den oder die Täter bzw. auf die Tatwaffe gibt es vorerst keine. Auch Tasche und Handy der jungen Frau bleiben vorerst verschwunden. Deshalb schließen die Ermittler auch einen Raubmord als Motiv nicht aus.

27. Jänner 2014: Bei einem Tauchgang im Inn finden Polizeitaucher die Tatwaffe. Dabei handelt es sich um ein 58 Zentimeter langes Rohr mit einem Durchmesser von 2,3 Zentimetern. Die 1,7 Kilogramm schwere Eisenstange kommt laut Ermittlern bei der Bedienung von hydraulischen Hebesystemen, aber auch bei Lastkraftwagen zum Einsatz, um die Fahrerkabine anzuheben.

24. Juni 2015: Der Fall wird in der ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" ausgestrahlt. In den folgenden Tagen gehen etliche Hinweise ein. Laut Ermittlern befindet sich aber nichts Brauchbares darunter.

26. Jänner 2017: Ein Verbrechen in Deutschland gibt dem Fall eine neue Wende: Am Tatort einer Anfang November in Endingen bei Freiburg getöteten 27-jährigen Joggerin stellen die Ermittler DNA-Fragmente sicher, die mit den Spuren im Fall Lucile übereinstimmen. Die Ermittler sprechen beim deutschen Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch. Die Tiroler Ermittler ziehen daher nun auch sexuellen Missbrauch als Tatmotiv in Betracht. Zudem sprechen sie von einem Durchbruch bei den Ermittlungen.

5. April 2017: Die deutschen Kriminalisten veröffentlichen ein Phantombild. In der Folge gehen zahlreiche Hinweise ein, auch bei den hiesigen Stellen. Vorerst scheint aber keine heiße Spur darunter zu sein.

2. Juni 2017: Die deutschen Ermittler vermelden die Festnahme eines Verdächtigen. Ersten Informationen zufolge soll es sich um einen Fernfahrer handeln, der im Raum Freiburg arbeitet.

10. Oktober 2017: Die Staatsanwaltschaft in Deutschland gibt bekannt, Mordanklage gegen den 40-jährigen Rumänen im Fall Endingen erhoben zu haben.

22. November 2017: Beim Prozessauftakt in Freiburg legt der Beschuldigte ein Geständnis ab. "Ich weiß, dass das, was ich getan habe, nicht zu verzeihen ist. In mir war Aggression, aber kein sexuelles Verlangen", sagt er vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck erklärt indes, nach Prozessende in Deutschland Mordanklage im Fall Lucile erheben zu wollen. Zunächst soll noch die Übermittlung der Prozessprotokolle aus Freiburg abgewartet werden.

4. Dezember 2017: Auch im Fall der in Kufstein getöteten 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin Lucile K. aus Lyon hat der Beschuldigte offenbar ein Geständnis abgelegt. Der Mann habe die Tat gegenüber einem psychiatrischen Gutachter eingeräumt, so ein Gerichtssprecher.

22. Dezember 2017: Der Beschuldigte wird am Landgericht Freiburg zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

28. Dezember 2017: Der Verteidiger des Beschuldigten legt gegen das Urteil Revision ein.

20. Juni 2018: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck gibt bekannt, Mordanklage gegen den Tatverdächtigen im Fall Lucile erhoben zu haben.