Verbale Attacken gegen Präsident Abbas: Machtkampf zwischen Hamas und Fatah

Hamas-Politbürochef spricht von "Parallelregierung" Gaza: Wortgefechte lösen gewalttätige Proteste aus

In den Palästinensergebieten ist zwischen der radikalislamischen Regierung der Hamas und der Fatah-Bewegung von Präsident Abbas ein offener Machtkampf ausgebrochen. Hamas-Politbürochef Mashaal warf Abbas ein Komplott gegen die Regierung vor. Die Fatah erklärte daraufhin am Samstag, Mashaal wolle mit seinen Äußerungen einen Bürgerkrieg provozieren.

Ohne Abbas beim Namen zu nennen, sprach Mashaal zunächst von einer "Parallelregierung" in den Palästinensergebieten. Diese von den USA und Israel unterstützte "Gegenregierung" beraube die Palästinenser ihrer Rechte. "Eine gewisse Fraktion unseres Volkes verschwört sich gegen uns", sagte Mashaal, der in Damaskus im Exil lebt.

Abbas war zuvor auf Konfrontationskurs zur Hamas gegangen und hatte per Dekret die von der Regierung angekündigte Bildung einer neuen Sondereinheit der Sicherheitskräfte aus Vertretern bewaffneter Gruppen gestoppt. Abbas selbst schürte das Feuer weiter, als er sich am Abend kritisch zu einem von Jordanien ausgehobenen Waffenversteck der Hamas äußerte. Die Informationen über diesen Fund seien "gefährlich und überraschend", sagte Abbas.

Militante Anhänger von Fatah und Hamas reagierten mit teils gewalttätigen Protesten auf die Wortgefechte ihrer Anführer. In Gaza lieferten sich hunderte Sympathisanten beider Organisationen mit Steinen eine Straßenschlacht, nachdem Fatah-Anhänger auf dem Dach der Al-Ashar-Universität ihre Flagge gehisst hatten. Dabei wurden 20 Personen verletzt. Fatah-Aktivisten stürmten das Parlament.

Am Abend versuchten beide Lager, die Situation zu entschärfen. Hamas und Fatah kamen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Der spanische Außenminister Moratinos sicherte Abbas am Samstag zu, dass die Europäische Union auch weiterhin humanitäre Unterstützung an die Palästinenser zahlen wird. (apa)