"Verabscheue den Spitzensport": Walter Mayer im ersten Interview nach der U-Haft

NEWS: "Ich darf erstmals auf Gerechtigkeit hoffen" PLUS: Wie der Ex-ÖSV-Coach Bernhard Kohl sieht

"Verabscheue den Spitzensport": Walter Mayer im ersten Interview nach der U-Haft © Bild: APA/Hochmuth

Walter Mayer über Lug und Trug in der Sportszene und warum er nie wieder als Trainer arbeiten will. Und über sein Hoffen auf die unabhängige Justiz.

NEWS: Sie waren viele Jahre einer der erfolgreichsten Langlauftrainer der Welt, und plötzlich finden Sie sich in Untersuchungshaft mit Kriminellen wieder. Wie geht man damit um?
Walter Mayer: Ich bin ja schon in den letzten Jahren persönlich beschmutzt und andauernd mit Dreck beworfen worden. Aber ich durfte mich dagegen nicht wehren. Tatsache ist, dass ich bis heute nie wegen Doping gesperrt wurde. Im Gegenteil, meinen Prozess gegen den Internationalen Skiverband habe ich gewonnen, die FIS wurde sogar zu 180.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Eines steht fest: Man kann mit mir in Zukunft sicher nicht mehr Schlitten fahren. Ich werde mich auch nicht mehr verstecken.

NEWS: Ist das Strafrecht der richtige Weg im Kampf gegen Dopingsünder?
Mayer: Wenn einer wie ich unschuldig in U-Haft landet, sicher nicht. Andererseits habe ich mit der sogenannten Sportgerichtsbarkeit die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht. Daher sehe ich jetzt erstmals eine Chance, bei einem ordentlichen Gericht Recht zu bekommen. Diese Chance hat mir die Sportgerichtsbarkeit nie gegeben. So hart die letzten Wochen in U-Haft für mich persönlich und für meine Familie auch waren, jetzt darf ich erstmals auf Gerechtigkeit hoffen. Ich fühle mich jedenfalls heute sehr viel wohler und vertraue auf die unabhängige Justiz.

NEWS: Sie vermuten als Auslöser für Ihre Probleme unter anderem Ihren Konflikt mit dem Bundesheer. Hätten Sie den Dienst quittiert, wäre Ihnen womöglich einiges erspart geblieben.
Mayer: Ich wäre doch blöd, wenn ich nach 35 Dienstjahren freiwillig auf meine Ansprüche verzichte. Ich habe für das Bundesheer zwölf Medaillen gewonnen, ohne dass auch nur einer meiner Athleten jemals des Dopings überführt worden wäre. Der Minister hat ja gemeint, in der Privatwirtschaft wäre mein Fall innerhalb eines Monats erledigt. Da muss ich ihm Recht geben. Wenn mich das Bundesheer entsprechend entschädigt, dann ist die ganze Sache sogar in 14 Tagen erledigt.

NEWS: Warum werden ausgerechnet Sie ständig mit Doping in Zusammenhang gebracht?
Mayer: Wahrscheinlich liegt das auch an meiner Person, weil ich mir gegenüber den Mächtigen nie ein Blatt vor den Mund genommen habe. Und ich habe der FIS seinerzeit mit der Ozon-UV-Therapie einen Elfer aufgelegt, obwohl ich nach wie vor der Überzeugung bin, dass das eine alternative Heilmethode ist und laut FIS Medical Code damals nicht verboten war.

NEWS: Wie geht’s weiter? Im Spitzensport werden Sie als Trainer keine Chance mehr bekommen.
Mayer: Ich will mit dem Hochleistungssport nie wieder etwas zu tun haben, ich verabscheue den Spitzensport in der heutigen Form. Denn nirgendwo sonst in unserer Gesellschaft gibt es so viel Lug und Trug. Das beginnt bei der Vergabe von Großereignissen wie Olympia und endet beim sogenannten taktischen Foul im Fußball – Unfairness, so weit das Auge reicht.

NEWS: Warum sollen ausgerechnet Sie nie gedopt haben, wie Sie behaupten?
Mayer: Weil ich wahrscheinlich gescheiter bin als andere. Und weil man mit Alternativmedizin viel mehr erreichen kann als mit Dopingmedizin. Die Ozontherapie zum Beispiel ermöglicht eine viel schnellere Regeneration – ohne Dopingmittel. Irgendwann steht jeder mit den Trainingsumfängen an, deshalb die ganzen Sportmediziner und Biochemiker und was weiß ich alles, die sich die großen Nationen halten. Die sorgen dafür, dass ihre Athleten schneller regenerieren und immer mehr trainieren können. Diese Ärzte sind ja nicht mit von Partie, um Fieber zu messen oder ein Zapferl zu verabreichen.

NEWS: Das österreichische Biathlon-Team war heuer so gut wie noch nie – ohne Walter Mayer.
Mayer: Unsere Biathleten sind im Vergleich zu meiner Zeit in der Loipe sogar langsamer geworden. In Wahrheit sind die Deutschen um ihr Cera und Dynepo umgefallen und die Russen um ihren Biosimulator. Daher sind sie nicht mehr so überlegen, und die Österreicher können an der Spitze mithalten.

NEWS: Wann werden Sie über das angebliche Dopingnetzwerk auspacken?
Mayer: Auch die von der Soko Doping wollten wissen, wie das Dopingnetzwerk funktioniert. Ich kann da leider keine Auskunft geben, weil ich in meiner ganzen Trainerkarriere nie etwas damit zu tun gehabt habe. Nicht einmal eine Schutzsperre wegen eines erhöhten Hämoglobinwerts hat einer meiner Athleten in all den Jahren bekommen.

NEWS: Was halten Sie von Bernhard Kohl?
Mayer: Der Kohl taugt mir irgendwie: Erstens hat er die Tour de France der Doper gewonnen. Dann tanzt er der Sportgerichtsbarkeit auf der Nase herum. Und heute ist er stolz darauf, dass er so eng mit der Soko Doping zusammenarbeitet und Schuld auf andere Sportler abladen kann. Menschlich ist das für mich das Allerletzte. Napoleon soll einmal gesagt haben: Das Volk liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Das hat was für sich.

Lesen Sie die ganze Geschichte über Walter Mayer im aktuellen NEWS Nr. 19/09!