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Schafft es Chavez noch einmal?

Kurz vor der Präsidentenwahl in Venezuela mobilisieren die Kandidaten noch einmal

Hugo Chavez bei einer Rede in Caracas. © Bild: REUTERS/Jorge Silva

Kurz vor der Präsidentenwahl in Venezuela haben Staatschef Hugo Chavez und sein wichtigster Herausforderer Henrique Capriles Radonski noch einmal ihre Anhänger mobilisiert. Chavez trat in Caracas auf, während Capriles, der bereits vergangenen Sonntag Hundertausende bei einer Großkundgebung in Caracas versammelt hatte, in der Provinz seine letzten Wahlkampfauftritte absolvierte. Der seit 14 Jahren regierende Linkspopulist Chavez muss heute erstmals um seine Wiederwahl fürchten.

"Ihr müsst früh wählen, damit mittags der Sieg unzweifelhaft feststeht", rief Chavez bei strömendem Regen mehreren hunderttausend Anhängern in der Hauptstadt zu. Die Menge schwenkte Fahnen, tanzte und rief "Oh! Ah! Chavez wird nicht gehen!" Der 58-jährige, von einer Krebserkrankung geschwächte Staatschef vollführte vor der begeisterten Menge einige Tanzschritte, sang und legte eine Luftgitarren-Einlage hin.

Wählen nicht vergessen

Sein 40-jähriger Herausforderer Capriles trat in den Bundesstaaten Cojedes, Apure und Lara auf. "Niemand darf vergessen zu wählen, und jeder von Euch muss auch weitere Leute zur Abstimmung bringen", sagte Capriles in San Carlos im westlichen Bundesstaat Cojedes. Er rief seine Landsleute auf, die Spaltung des Landes in Anhänger und Gegner von Chavez zu überwinden. "Am nächsten Sonntag müssen Sie alle eine Entscheidung treffen: ob Sie mit ihrem jetzigen Leben zufrieden sind, oder ob Sie ein besseres Leben wollen", rief Capriles.

Sechs Kandidaten stellen sich am Sonntag zur Wahl, rund 19 Millionen Venezolaner sind an die Urnen gerufen. Umfragen zum Wahlausgang fallen je nach politischer Ausrichtung der Umfrageinstitute höchst unterschiedlich aus. Ein Großteil sieht den amtierenden Präsidenten, als Wahlgewinner, andere gehen jedoch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen oder sogar von einem Erfolg Capriles' aus.

Schwere Krankheit

Zwei Krebsoperationen 2011 und 2012 setzten Chavez erheblich zu, so dass er seine Wahlkampfauftritte einschränken musste. Dennoch erklärte Chavez in den vergangenen Wochen immer wieder, er könne sein Land mindestens bis 2019 regieren - dann wäre er zwei Jahrzehnte in dem südamerikanischen Land an der Macht.

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt, als selbst ernannter "Soldat des Volkes" trieb Chavez Verstaatlichungen in der Öl-, Stahl-, und Zementindustrie sowie in den Bereichen Telekommunikation und Stromversorgung voran. Er verweist auf Erfolge einer Alphabetisierungskampagne und Verbesserungen im Gesundheitssystem. Vor allem die ärmere Bevölkerung Venezuelas ist Chavez für seine sozialistisch geprägten Reformen dankbar. 2006 wurde er mit 62 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Jüngster Präsident

Capriles, der sich als mitte-links-gerichtet bezeichnet, hat als Kandidat des Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (Mesa de la Unidad Democratica/MUD), den Großteil der anti-chavistischen Opposition hinter sich. Sollte er am Sonntag gewinnen, wäre er der jüngste Präsident in der Geschichte Venezuelas. In seiner bisherigen politischen Laufbahn war er unter anderem Gouverneur des Bundesstaats Miranda, mit 26 jüngster Kongressabgeordneter und bis zu deren Auflösung 2000 Präsident der venezolanischen Abgeordnetenkammer (camera de diputados).

Chavez stehe für den Weg des Sozialismus und wolle "einen Staat, der Gebieter über alles sein will", sagte Capriles im Wahlkampf. Er selbst stehe dagegen für den "Weg des Fortschritts". Der Herausforderer konzentrierte sich im Wahlkampf neben seinem Einsatz für die Rückkehr zur Marktwirtschaft vor allem auf soziale Themen und die Bekämpfung der hohen Kriminalitätsrate. Als Vorbild nennt er das Wirtschafts- und Sozialmodell Brasiliens.

Kommentare

Chavez und seine letzten Verbündeten aus Nordkorea, Iran, Weissrussland, Syrien und den linksgrünen Parteien Europas, scheinen die Zeichen der Zeit immer noch nicht erfasst zu haben. Zumindest mit Syrien dürfte ein Verbündeter bald verschwunden sein. Andere werden zweifellos auch noch folgen.

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