Venezuela wählt ein neues Parlament:
Opposition nach Boykott 2005 wieder dabei

Experten sagen enges Rennen für Chávez voraus Grenze zu Kolumbien während Wahl geschlossen

Venezuela wählt ein neues Parlament:
Opposition nach Boykott 2005 wieder dabei © Bild: Reuters

Stimmungstest für Venezuelas Präsident Hugo Chavez und seinen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts": Die Menschen in dem südamerikanischen Land wählten am Sonntag ein neues Parlament und konnten dabei anders als vor fünf Jahren auch bei Kandidaten der Opposition ein Kreuz machen. Chávez rief zu massiver Beteiligung an dem Urnengang auf, bei dem der Linkspopulist die "Zukunft Venezuelas auf dem Spiel" sah.

Insgesamt waren rund 18 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 165 Abgeordneten der Nationalversammlung bestimmen. Am frühen Sonntagmorgen forderte die Armee die Venezolaner traditionell mit einem Trompetenruf zur Wahl auf. Chavez sagte dem Staatsfernsehen VTV, es gehe darum, "weiter eine demokratische Zukunft zu bauen, die uns gleichmacht, die uns einbindet". Entweder gebe es "ein sozialistisches Vaterland oder kein Vaterland", erklärte er. Die Wahllokale sollten erst nach Mitternacht mitteleuropäischer Zeit schließen.

Den letzten Urnengang 2005 hatte die Opposition geschlossen boykottiert, der sozialistischen Präsidentenpartei PSUV war daraufhin eine überwältigende Mehrheit zugefallen. Am Sonntag trat die einst zersplitterte Opposition nun in einem Wahlbündnis wieder an und hoffte, aus der Wirtschaftskrise politisches Kapital zu schlagen. Vor allem die Rekordinflation, aber auch die wachsende Kriminalität sorgen in dem ölreichen Land für Unmut.

Umfragen hatten zuletzt ein knappes Rennen zwischen der PSUV und dem Oppositionsbündnis vorausgesagt, dessen Spannbreite von kleineren linken Parteien bis zu den traditionellen rechten Parteien des Landes reicht. Selbst das regierungsnahe Meinungsforschungsinstitut GIS XXI rechnete nur mit zwischen 50,6 und 54,6 Prozent für die Sozialisten. Chavez hatte als Ziel ausgegeben, die Zwei-Drittel-Mehrheit der Sitze zu halten, um seinen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" weiter mit aller Kraft voranzutreiben.

Vor Beginn des Urnengangs hatte Venezuela die Grenze zum benachbarten Kolumbien geschlossen. Um mögliche "Probleme" während des Urnengangs zu vermeiden, bleibe die Landes- und Seegrenze zu Kolumbien ab Samstagabend 20.00 Uhr (Ortszeit, Sonntag 02.30 Uhr MESZ) für 24 Stunden geschlossen, teilte die Armee mit. Rund 250.000 Soldaten, Polizisten und Paramilitärs waren zur Absicherung der Wahlen im Einsatz.

(apa/red)